Gesicherte Altlast T12: Deponie Jungbrunntobel

Auf einer rund 8.000 m2 großen Fläche etwa 1,5 km westlich vom Bahnhof St. Anton wurde zwischen 1980 und 1994 in einem ehemaligen Steinbruch eine Deponie betrieben. Abgelagert wurde Hausmüll, Abfälle von Gastronomie- und Gewerbebetrieben sowie Sperrmüll mit einem Gesamtvolumen von rund 40.000 m³.

In den Jahren 1999 bis 2002 erfolgten Sicherungsarbeiten, die eine Oberflächenabdichtung, eine Abdichtung an den Deponierändern, eine Sickerwasserableitung sowie eine Entgasungsanlage umfassten. Die Ergebnisse der Kontrolluntersuchungen im Zeitraum von 2005 bis 2008 zeigen, dass keine Belastungen des Grundwassers mehr durch die Altablagerung verursacht werden und bestätigen die Wirksamkeit der durchgeführten Sicherungsmaßnahmen. Die Altablagerung ist als gesichert zu bewerten.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Landeck,
St. Anton am Arlberg,
St. Anton am Arlberg,
2524/1
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Kommunale Deponie
Art der Ablagerungen: Hausmüll
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 6.000 m²
Volumen Altlast (m³): 40.000 m³
Schadstoff(e) Deponiesickerwasser
Datum Eintrag Altlastenatlas: 24.02.1997
Datum der Prioritätenfestlegung: 01.05.1997
Priorität: 3
Datum Ausweisung dekontaminiert: 01.01.2012
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Abdeckungen,
Deponiegasmaßnahmen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.09.2001

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Altablagerung

Die Altablagerung „Deponie Jungbrunntobel“ befindet sich ca. 1,5 km westlich vom Bahnhof St. Anton, ca. 200 m nördlich der Arlbergpaßstraße. Unmittelbar westlich der Deponie fließt der Jungbrunntobelbach. Bei der Altablagerung handelt es sich um einen wiederverfüllten, ehemaligen Steinbruch. Unmittelbar nördlich der Deponie schließt eine Felswand an.

Die Altablagerung stellt eine Hangdeponie dar. Gemäß dem derzeitigen Kenntnisstand wurden von 1980 bis Ende 1994 überwiegend Hausmüll, Abfälle von Gastronomie- und Gewerbebetrieben sowie im geringen Ausmaß Sperrmüll abgelagert. Die Fläche der Ablagerung beträgt ca. 8.000 m². Das abgelagerte Volumen wird auf ca. 40.000 m³ geschätzt. Es sind keine technischen Maßnahmen zur Verhinderung einer Ausbreitung von Sickerwässern vorhanden.

Untergrundverhältnisse

Das Gelände am Fuße der Deponie liegt auf ca. 1.525 m ü. A. Der höchste Punkt der Ablagerungen befindet sich bei ca. 1.545 m ü. A. Der Untergrund im Bereich der Altablagerung besteht aus klüftigem Fels (Gneis), welcher von unterschiedlich zusammengesetztem Lockermaterial (Steine, Kiese, sandig, schluffig) überlagert wird. Unmittelbar südlich des Altablagerungsrandes beträgt die Mächtigkeit des Lockermaterials ca. 13,5 m, östlich des Ablagerungsrandes ca. 3,5 m und nördlich der Altablagerung besteht keine Überdeckung des Festgesteines (Felswand). Das Relief des Festgesteines weist unterhalb der Ablagerung eine nach Südosten verlaufende Mulde auf, die durch den ehemaligen Steinbruchbetrieb erzeugt wurde.

Über die Durchlässigkeit des Lockermaterials liegen keine Informationen vor. Innerhalb des Lockermaterials befinden sich stauende Horizonte, an denen Hangwässer abfließen. Der klüftige Felsuntergrund stellt einen relativen Grundwasserstauer dar. Südöstlich bis östlich der Altablagerung befinden sich zwischen ca. 1.500 und 1.520 m ü. A. ein Quellhorizont sowie Naßstellen.

Schutzgüter und Nutzungen

Die Altablagerung ist eine Ruderalfläche und wird von forstwirtschaftlich genutzten Flächen (Wald) umgeben. Ca. 350 m südöstlich der Deponie befindet sich ein Hotel. Einige Quellen des südöstlich gelegenen Quellhorizontes sind gefasst. Gemäß dem derzeitigen Kenntnisstand werden die gefassten Quellen nicht genutzt. Die Quellwässer fließen in zwei namenlosen Bächen ab, wobei ein Bach unmittelbar nordöstlich und der andere unmittelbar südwestlich des Hotels vorbeifließt.

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

In den Jahren 1993 und 1995 durchgeführte Untersuchungen zeigten, dass Hang- und Quellwässer unterhalb der Altablagerung deutlich durch die mit Ammonium, Zink, CSB und BSB5 belasteten Deponiesickerwässern beeinträchtigt waren. Es waren keine Abdichtungsmaßnahmen vorhanden. Sickerwasser aus dem Ablagerungsbereich konnte somit weitgehend ungehindert in den Untergrund gelangen. Untersuchungen von Wasserzutritten im Deponiebereich zeigten (aufgrund hoher elektrischer Leitfähigkeiten von > 4.000 µS/cm), dass Deponiesickerwässer in die Hangwässer eingetragen werden. Die unterhalb der Deponie feststellbare Veränderung der Qualität der Hang- bzw. Quellwässer war der Nachweis, dass es zu anorganischen und organischen Belastungen dieser Wässer kommt. So wurden - für Hausmülldeponien typisch - eine deutlich erhöhte Gesamtmineralisierung, eine Aufhärtung der Wässer sowie reduzierende Verhältnisse festgestellt. Die Hauptbelastung verläuft entlang einer mit Müll überschütteten, ausgeprägten Geländemulde in Richtung SE der Deponie. Außerdem zeigten die Untersuchungen auch Belastungen der Hangwässer beim Parameter Summe Kohlenwasserstoffe und in geringem Umfang bei den Parametern Phenolindex und AOX.

Die verunreinigten Quellwässer fließen in einem Bach ab, wobei unterhalb der Quellaustritte eine deutliche Belastung des Wassers feststellbar ist. Der unmittelbar an der Altablagerung vorbeifließende Jungbrunntobelbach zeigt keine signifikante Änderung der Wasserqualität.

Die im Bereich der Altablagerung festgestellten Beeinträchtigungen der Hang- und Quellwässer stellten eine Gefahr für die Umwelt dar.

SICHERUNGSMAßNAHMEN

Beschreibung der Sicherungsmaßnahmen

Zur Sicherung der Altlast wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Oberflächenabdichtung
  • Sammlung und Ableitung der unbelasteten Oberflächenwässer
  • Sammlung und Ableitung der Sickerwässer
  • Passive Entgasung
  • Rekultivierung

Aufgrund der langen Winterpausen wurden die Arbeiten in drei Bauabschnitte eingeteilt:

  • -) Bauabschnitt 1 ( 1999-2000): Dichtungsschirm an den Deponierändern und Oberflächenentwässerung
  • -) Bauabschnitt 2 (2001-2002): Entgasungsanlage – Bau- und Probebetrieb
  • -) Bauabschnitt 3 (2000-2002): Abdichtung, Abdeckung und Ableitung der Sickerwässer

Die Fertigstellung aller Bauarbeiten inklusive Entgasung erfolgte im Juni 2002. Betrieb und Nachsorgephase begannen im Oktober 2003.

Zur Übersicht sind in nebenstehender Abbildung die einzelnen Bauwerke sowie die Lage der für die Kontrolluntersuchungen zur Verfügung stehenden Messstellen dargestellt.

Zunächst wurde der Deponiekörper so gestaltet, dass die Standsicherheit gewährleistet war. Dazu wurde die Böschung im Westen zum Jungbrunntobelbach hin abgeflacht und im Bereich des Böschungsfußes eine zusätzliche Stabilisierung mittels Steinschlichtung vorgenommen. Im Süden und Westen wurden entlang der Deponieränder Dichtungsschirme aus mineralischem Dichtungsmaterial (ca. 2-3 m unter Gelände) gezogen.

Oberflächenabdichtung/Deponieabdeckung

Um Niederschlagswässer vom Eindringen in die Deponie abzuhalten wurde über die gesamte Deponieoberfläche eine Abdichtung aus mineralischem Dichtungsmaterial gezogen. Im Deponiekuppenbereich wurde diese durch eine HDPE Folie ergänzt.

Im Detail war die Abdeckung der Deponie folgendermaßen konstruiert: Unter einer 50-70 cm mächtigen Rekultivierungsschicht (mit Humus angereichertes Schotter- und Bodenmaterial) befindet sich eine mineralische Dichtschicht bestehend aus 3x25 cm böschungsparallelen Schichten mit einem kf Wert von 10-9 m/s. Auf der mineralischen Dichtschicht wurden im Bereich der Deponiekuppe eine HDPE Folie und darüber eine Drainagematte verlegt; außerdem eine 20 cm mächtige Gasverteilerschicht.

Zur Verfestigung der Abdeckung wurde die Deponie mit standorttypischen Pflanzen rekultiviert.

Sickerwassersammlung/-ableitung

Im Nahbereich der Deponie bzw. unmittelbar an den Deponierändern im Süden und Westen werden Deponiesickerwässer erfasst und zunächst zu einem Pufferbecken, anschließend in den öffentlichen Kanal der Gemeinde St. Anton abgeleitet. Das Pufferbecken dient dazu den schwankenden Sickerwasseranfall auszugleichen und die Begrenzung des Abflusses auf die Konsenswassermenge von 25l/s für die Einleitung in den Verbandssammler sicherzustellen. Am talseitigen Rand der Deponie werden oberflächennahe Sickerwässer über eine flach liegende Drainage (S2) deren Sohle ca. 2-3 m unter der Deponiesohle liegt, abgeleitet. Schließlich werden die Sickerwässer in der Abwasserreinigungsanlage Flirsch behandelt. Die Sickerwasserqualität wird laufend überprüft.

Entgasung der Deponie/Minimierung der Geruchsemissionen 

Drei vertikale Entgasungsbrunnen sowie drei horizontale Drainagestränge wurden im Bereich der Deponiekuppe hergestellt. Auf der Deponiekuppe wurde ein mit organischem Material (Geruchsinhaltsstoffe werden adsorbiert, Methan abgebaut) gefüllter Container aufgestellt.

Beurteilung der Sicherungsmaßnahmen

Durch die Oberflächenabdichtung bzw. Rekultivierung sowie die Sammlung und Ableitung der Sickerwässer sollte ein Eintrag von Schadstoffen in das Grundwasser unterbunden werden. Außerdem wurde der Böschungsfuß stabilisiert und der südliche und westliche Deponierand mit mineralischem Dichtungsmaterial versehen. Zur Minimierung der Geruchsemissionen wurde ein passives Entgasungssystem eingerichtet.

Die Ergebnisse der vorliegenden Kontrolluntersuchungen dokumentieren die grundsätzliche Funktionstüchtigkeit der durchgeführten Sicherungsmaßnahmen. Mittels der kontinuierlichen Beweissicherung der Wasserqualität im Deponiebereich wird der Erfolg der gesetzten Maßnahmen belegt. So wurde nach der Sicherung der Deponie im Grundwasser generell eine geringere Mineralisierung festgestellt. Dies betrifft sowohl die Wässer der errichteten Brunnen als auch die der umliegenden Quellen. Die im Grundwasser oftmals erhöhte Konzentration an Arsen ist an diesem Standort geogenen Ursprungs. Parameter, die anthropogenen Quellen entstammen wie Stickstoffverbindungen, Bor oder Kohlenwasserstoffe wurden nach der Sicherung lediglich in unbedeutenden Konzentrationen angetroffen. Ebenso ist ein Rückgang der AOX Konzentrationen zu messen. Die durchgeführten Kontrolluntersuchungen belegen außerdem, dass das Wasser des Jungbrunntobelbaches nicht von der Deponie beeinflusst ist.

Der Schadstoffaustrag verlagert sich hiermit auf die Sickerwasserschächte bzw. das Sickerwasserbecken. Vereinzelt erhöhte Schwermetallgehalte sowie Stickstoffverbindungen und Kohlenwasserstoffe in den Proben der Sickerwasserschächte weisen auf anthropogenen Einfluss hin. Im Sickerwasserbecken ist durch die Sicherung der Deponie ein deutlicher Rückgang der Mineralisierung des Wassers zu bemerken. So sinkt die elektrische Leitfähigkeit um mehr als das 10 fache. Gleichzeitig gehen die Konzentrationen der anderen auf anthropogenen Einfluss hinweisenden Parameter: Kohlenwasserstoffe, Schwermetallgehalte, Stickstoffverbindungen zurück.

Insgesamt ist der Schadstoffaustrag aus der Deponie als gering zu bewerten. Dies wird im Besonderen durch die chemische Zusammensetzung der Quellwässer nach der Sanierung deutlich. Bei ordnungsgemäßem Betrieb der Sicherungsanlagen ist auch weiterhin mit keinem nennenswerten Eintrag von Sickerwasser in das Grundwasser zu rechnen.

Die Ergebnisse der qualitativen Grundwasserbeweissicherung bestätigen, dass seit Fertigstellung der Sicherungseinrichtungen kein wesentlicher Schadstoffeintrag in das Grundwasser stattfindet. Damit ergibt sich, dass das standortspezifische Sicherungsziel, Gefahren in Zusammenhang mit einem Transfer von Deponiesickerwasser in das Grundwasser so zu unterbinden, dass auch langfristig keine Gefährdung des Grundwassers zu besorgen ist, erreicht wurde und die Altlast als gesichert zu bewerten ist.

Datum der Texterstellung:    Februar 2011