Gesicherte Altlast T2: Deponie Jochberg Wald

Die Deponie "Jochberg Wald" befindet sich ca. 3 km südlich von Jochberg unmittelbar zwischen der Paß-Thurn-Bundesstraße und der Jochberger Ache. Es wird seit 1962 Haus- und Gewerbemüll aus den Gemeinden Kitzbühel, Aurach und Jochberg in Form einer Hangschüttung abgelagert.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Kitzbühel,
Jochberg,
Jochberg,
1553, 1554
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Kommunale Deponie
Art der Ablagerungen: Hausmüll
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 17.000 m²
Volumen Altlast (m³): 130.000 m³
Schadstoff(e) Deponiesickerwasser (Ammonium)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 19.02.1991
Datum der Prioritätenfestlegung: 10.05.1994
Priorität: 2
Datum Ausweisung gesichert: 29.12.1999
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Vertikale Dichtelemente
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.01.2000

Beschreibung der Altlast

Auf einer Gesamtfläche von ca. 2 ha wurden bis 1993 bei Schütthöhen bis 25 m insgesamt rund 130.000 m³ Abfälle abgelagert. Die Deponieoberfläche befindet sich in Höhe der Paß-Thurn-Bundesstraße. Der Böschungsfuß der Deponie befindet sich am Talgrund nahe der Jochberger Ache. Im Zuge der Errichtung der Deponie wurde keine Abdichtung der Deponiebasis vorgenommen, jedoch wurden im südlichen Bereich der Deponie Drainagen zur Sickerwassererfassung verlegt. Die erfaßten Sickerwässer wurden bis 1992 in die Jochberger Ache eingeleitet. Ab 1992 wurde das durch die Drainagen gesammelte Sickerwasser in die Abwasserreinigungsanlage des Abwasserverbandes Großache Süd abgeleitet.

Die Deponie befindet sich im Bereich der Grauwackenzone am westlichen Hang des von Süden nach Norden verlaufenden Tales der Jochberger Ache. Der Talgrund im Bereich des Böschungsfußes der Deponie befindet sich von Süden nach Norden fallend etwa auf einer Höhe zwischen 994 und 988 m ü.A. Bis zur westlich gelegenen Paß-Thurn-Bundesstraße steigt der Hang auf etwa 1010 bis 1016 m ü.A.

Im Untergrund steht eine Lockergesteinschicht mit stark wechselnden Mächtigkeiten (3 bis 15 m) an. Es handelt sich um Feinkiese mit stark wechselndem Grobkornanteil und sandig-schluffigen Beimengungen. Am Talgrund befindet sich der Felsuntergrund etwa auf einer Höhe zwischen 989 und 983 m ü.A. (3 bis 9 m unter Gelände). Der Oberflächenmorphologie des Hanges entsprechend steigt die Felsoberkante nach Westen an und liegt im Bereich der Paß-Thurn-Bundesstraße zwischen 999 und 1006 m ü.A. Der anstehende Fels ist den Wildschönauer Schiefern zuzurechnen und besteht aus sehr feinkörnigem Grünschiefer in Wechsellagerung mit Schiefergneisen.

Aus den Hangbereichen westlich der Deponie strömt Grundwasser in den Lockergesteinsschichten und teilweise in der Verwitterungsschicht des anstehenden Felsuntergrundes mit großem Gefälle (bis zu 20 %) hangabwärts nach Osten und speist in den Grundwasserbegleitstrom der Jochberger Ache ein. Im Bereich der Paß-Thurn-Bundesstraße befindet sich der Grundwasserspiegel etwa 10 m unter Gelände (zwischen 999 und 1005 m ü.A.) am Böschungsfuß der Deponie etwa 3 bis 4 m unter Gelände (zwischen 990 und 992 m ü.A.). Die Grundwasserströmungsrichtung am Talgrund ist gegen Nordosten, die generelle Strömungsrichtung des Grundwasserbegleitstromes der Jochberger Ache ist gegen Norden gerichtet. Das Grundwasser im Abstrom wird nicht genutzt. Im unmittelbaren Umfeld der Deponie befinden sich forstwirtschaftlich genutzte Flächen.

Gefährdungsabschätzung

Auf der Deponie "Jochberg Wald" wurden von 1962 bis 1993 in Form einer Hangschüttung ca. 130.000 m³ Haus- und Gewerbemüll aus den Gemeinden Kitzbühel, Aurach und Jochberg abgelagert. Im südlichen Bereich der Deponie wurden die anfallenden Deponiesickerwässer teilweise durch Drainagen erfasst. Die Deponiesohle war nicht abgedichtet worden. Bis 1992 erfolgte die Einleitung der erfassten Sickerwässer in die unmittelbar östlich vorbeifließende Jochberger Ache, ab 1992 in eine Kläranlage.

Die durchschnittliche Deponiesickerwassermenge aus Niederschlägen wurde mit 0,3 l/s abgeschätzt. Im Zeitraum März bis September 1993 wurde eine durchschnittliche Sickerwassermenge von 0,4 l/s gemessen. Aufgrund der Höhenlage des Grundwasserspiegels hangaufwärts der Deponie und der tatsächlich gemessenen Sickerwassermengen ist anzunehmen, dass es im Hangbereich zu einem Zutritt von Grundwasser zur Deponie kommt.

Das der Deponie im Hangbereich und im Talbereich zuströmende Grundwasser (Sonden B8 - B10 und B6) ist gering mineralisiert (Leitfähigkeit 200 - 300 µS/cm. Die Grundwasserproben aus den Sonden B8 und B9 (an der Paß-Thurn-Bundesstraße) zeigten im März 1993 eine stark erhöhte Leitfähigkeit (bis 1.330 µS/cm) und stark erhöhte Konzentrationen bei den Parametern Natrium (bis 182 mg/l) und Chlorid (bis 306 mg/l). Anhand der Analysenergebnisse vom Juni und September 1993 zeigte sich eine kontinuierliche Abnahme der Konzentrationen. Die im März 1993 festgestellte Belastung des Grundwassers oberhalb der Deponie war auf die Salzstreuung der Paß-Thurn-Bundesstraße zurückzuführen.

Im Grundwasserabstrom der Deponie zeigten sich an allen Sonden deutliche Belastungen des Grundwassers. Die Analysenergebnisse der Grundwasserproben aus den Sonden B1 - B5 und B7 zeigten bei den Parametern Leitfähigkeit (bis 3.450 µS/cm), Natrium (bis 422 mg/l), Kalium, Chlorid, Ammonium (bis 101 mg/l) Bor und DOC (bis 66,9 mg/l) eindeutig erhöhte Messwerte. Die höchsten Belastungen waren bei den Sonden B2 und B5 festzustellen. Die beobachteten Grundwasserbelastungen zeigten, dass verunreinigte Sickerwässer aus der Deponie in das Grundwasser gelangten und nur ein Teil der Deponiesickerwässer durch die Drainagen an der Deponiesohle erfasst und abgeleitet wurde.

Die Ergebnisse der Analysen von Sickerwasserproben zeigten für Hausmülldeponien typische organische und anorganische Belastungen. Der Vergleich der Analysenergebnisse mit der Verordnung über die Begrenzung von Abwasseremissionen (BGBl. 186/96) zeigte, dass die Einleitwerte für Vorfluter überschritten wurden. Die bis in das Jahr 1992 erfolgte Einleitung der Sickerwässer in die Jochberger Ache führte somit zu einer Beeinträchtigung der Gewässerqualität. Die Analysenergebnisse der Sedimentproben der Jochberger Ache zeigten einen Anstieg der Blei-, Chrom-, Kupfer- und AOX-Konzentrationen in Fließrichtung der Ache unterhalb der Deponie und waren ein Hinweis auf eine kumulative Belastung des Sedimentes durch die frühere Sickerwassereinleitung der Deponie.

Die vorliegenden Unterlagen und Untersuchungsergebnisse zeigten, dass eine Beeinträchtigung des Grundwassers gegeben war und es bis 1992 durch die Sickerwassereinleitungen zu einer Beeinträchtigung der Jochberger Ache gekommen ist.

Beschreibung der Sicherungsmaßnahmen

Ziel der Sicherung war es die Emissionen der Altablagerung dauerhaft zu unterbinden um einen Zustand herzustellen, bei dem die natürliche Beschaffenheit des Grundwassers im Abstrom weitgehend wiederhergestellt ist. Der Betrieb der Deponie wird weitergeführt. Um die Ausbreitung von Schadstoffen im Grundwasser hintanzuhalten, wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Herstellung einer dreiseitigen Umschließung entlang des Böschungsfußes der Altablagerung
  • Herstellung eines Sickerwassersammel- bzw. –ableitungssystems
  • Ableitung des gesammelten Sickerwassers in die kommunale Abwasserreinigungsanlage

Die Lage der Kontrollpegel und der Dichtwand können aus dem Übersichtsplan entnommen werden.

Die Dichtwand zur dreiseitigen Umschließung wurde im Jahr 1994 errichtet. Die Gesamtlänge beträgt rund 286 m. Die Dichtwand weist eine Stärke von 40 cm auf und wurde dem Relief des anstehenden Felsuntergrundes folgend in Tiefen bis zu ca. 10 m abgeteuft. Durch die Dichtwände sollen einerseits ein möglicher seitlicher Grundwasserzustrom in den Hangbereichen reduziert und andererseits die Emissionen der Altablagerung bzw. die Ausbreitung von Schadstoffen im Grundwasser hintangehalten werden.

An der Innenseite der Dichtwand wurde ein Drainagesystem errichtet. Durch dieses Drainagesystem wird das belastete Sicker- bzw. Grundwasser am Hangfuß der Deponie erfaßt und abgeleitet. Gleichzeitig soll innerhalb der Dichtwand eine Absenkung des Grundwasserspiegels gegenüber der Umgebung von 2,5 m bewirkt werden. Durch diese Spiegel- bzw. Potentialdifferenz soll sichergestellt werden, dass kein Grundwasser aus dem eingeschlossenen Bereich austreten kann.

Zur Kontrolle der Wirksamkeit der Umschließung und der Grundwasserhaltung erfolgte eine regelmäßige Beweissicherung des aus dem umschlossenen Bereich abgeleiteten Wassers, der Grundwasserspiegellagen innerhalb und außerhalb der Dichtwand sowie der Grundwasserqualität an Probenahmestellen außerhalb des umschlossenen Bereiches (Sonden B 4, B 5, B 7 bzw. B 6 und B 11). Das Grundwasser an diesen Probenahmestellen wurde im Abstand von ca. 2 bis 3 Monate von Februar 1995 bis Dezember 1998 beprobt. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 16 Probenahmedurchgänge durchgeführt. Der Parameterumfang der an den Wasserproben bestimmt wurde entspricht generell jenem im Zuge der Untersuchungen im Jahr 1993. Die Sonde B 11 wurde erst nach der Durchführung der Sicherungsmaßnahmen errichtet.

Die regelmäßig durchgeführten Abstichmessungen zeigen, dass der Grundwasserspiegel außerhalb der Dichtwand 0,56 m bis 3,17 m über der Drainage, welche an der Innenseite der Dichtwand verlegt wurde, liegt. Damit ist der Nachweis gegeben, dass das Grundwasserpotential von außen nach innen gerichtet ist und es zu keinen weiteren Emissionen von Deponiesickerwasser kommen kann.

Die Analysenergebnisse von Wasserproben im Abstrom der Deponie (B 4, B 5 und B 11) werden in der Tabelle 1 für einige relevanten Parameter zusammengefasst und den Prüfwerten der ÖNORM S 2088-1 sowie den gemessenen Werten in der Grundwasserprobe der Sonde B 6 gegenüber gestellt.

Anhand der Analysenergebnisse der Grundwasserproben aus der Sonde B 6 ist ersichtlich, dass diese Sonde schon vor den Sicherungsmaßnahmen kaum auffällige Meßwerte zeigte (sh. Tabelle 2). Auch nach Umsetzung der Sicherungsmaßnahmen konnten an einzelnen Probenahmeterminen für verschiedene Parameter vereinzelt erhöhte Werte (z.B. Natrium bis 45,6 mg/l, Chlorid bis 41,1) nachgewiesen werden.

Anhand der Analysenergebnisse der Grundwasserproben aus dem Abstrom der Deponie ist für die Parameter, die vor der Durchführung der Sicherungsmaßnahmen zum Teil sehr stark erhöhte Meßwerte (Leitfähigkeit, Natrium, Kalium, Chlorid, Bor und DOC) zeigten, ein abnehmender Trend erkennbar. Insbesondere bei den Sonden B 5 und B 11 sind die Analysenergebnisse weitgehend unauffällig und zeigen allgemein im Vergleich mit den Ergebnissen aus dem Jahr 1993  einen sehr deutlichen Rückgang der Belastungen und auch eine Beschaffenheit des Grundwassers, die generell jener des Grundwassers im Bereich der anstromigen Sonde B 6 entspricht.

Analysenergebnisse von Grundwasserproben nach Durchführung der Sicherungsmaßnahmen (1995 – 1998).

Parameter Einheit Prüfwert ÖNORM S 2088-1 Sonde B6 min Sonde B6 max Sonde B5 min Sonde B5 max Sonde B4 min Sonde B4 max
Leitfähigkeit µS/cm - 203 690 350 520 470 740
pH - 6,5-8,5 6,8 7,6 6,38 7,21 6,54 7,18
Natrium mg/l 30 6,8 42,5 8,7 23 14,7 27,1
Kalium mg/l 12 0,6 1,9 1 3,2 1,8 11,3
Ammonium mg/l 0,3 0,005 0,024 0,017 0,817 0,95 3,77
Chlorid mg/l 60 9,6 41,1 9,8 32,2 12,6 26,5
Bor mg/l 0,6 0,012 0,103 0,012 0,153 0,048 0,28
DOC mg/l - 0,6 3 0,8 7,2 1,7 11,3

 

Parameter
Einheit

Prüfwert ÖNORM  S 2088-1

Sonde B11 min

Sonde B11 max
Leitfähigkeit µS/cm - 323 590
pH - 6,5-8,5 6,52 7,20
Natrium mg/l 30 5,2 16,2
Kalium mg/l 12 1,5 11,6
Ammonium mg/l 0,3 0,06 0,88
Chlorid mg/l 60 4,9 33,7
Bor mg/l 0,6 0,043 0,145
DOC mg/l - 1,4

9,6

DOC gelöster organischer Kohlenstoff

 

Die Kaliumgehalte in den abstromigen Sonden sind bis auf Werte von maximal 11,6 mg/l ( Sonde B 11) gesunken. Die höchsten Borgehalte liegen mit maximal 0,28 mg/l (Sonde B 4) weit unterhalb jener Meßwerte, die vor Durchführung der Sicherungsmaßnahmen beobachtet wurden. Diese Werte sind mit jenen der Sonde B 6 vergleichbar und liegen auch unterhalb der Prüfwerte der ÖNORM S 2088-1.

Anhand der Analysenergebnisse, ist in den Sonden B4 und B 5 ein deutlicher Rückgang der Natrium- und Chloridgehalte zu sehen. Die Gehalte an Natrium und Chlorid in der Sonde B 11 sind mit maximal Werte von 16,2 mg/l bzw. 33,7 mg/l mit den der Sonden B 4 und B 5 vergleichbar.

Beim Parameter Ammonium sind auch nach Errichtung der Dichtwand noch deutlich erhöhte Meßwerte und Überschreitungen des Prüfwertes der ÖNORM S 2088-1 festzustellen. Bei den Sonden B 5 und B 11 handelt es sich dabei um einzelne Meßwerte (max. 0,88 mg/l). Insbesondere in Bezug auf die Meßergebnisse an der Sonde B 5 ist jedoch im Vergleich mit den Analysenergebnissen aus dem Jahr 1993 (max. 87,4 mg/l) einen starken Rückgang der Belastungen zu beobachten. Demgegenüber zeigen die Analysenergebnisse der Grundwasserproben der Sonde B 4 durchgehend deutlich erhöhte Ammoniumgehalte.

Entsprechend der nachgewiesenen hydraulischen Funktionsfähigkeit der Sicherungsmaßnahmen sind diese erhöhten Konzentrationen nicht auf aktuelle Schadstoffemissionen aus dem Deponiebereich, sondern auf Restbelastungen des Grundwasserkörpers vor Errichtung der Umschließung zurückzuführen.

Die Ergebnisse der durchgeführten Beweissicherungsmaßnahmen bestätigen nachvollziehbar, dass durch die Errichtung der Dichtwand am Hangfuß der Deponie und die Ableitung des belasteten Sicker- bzw. Grundwassers eine Ausbreitung von Schadstoffen im Grundwasser dauerhaft verhindert wird. Die Altlast kann aus diesen Gründen als gesichert bewertet werden.

 

Texterstellung:    Dezember 1999