Altlast ST17: Frachtenbahnhof Mürzzuschlag

Beim Altstandort „Frachtenbahnhof Mürzzuschlag“ handelt es sich um eine Tankstelle, die im Zeitraum von 1971 bis 2011 in Betrieb war. Der Altstandort umfasst eine Fläche von 2.600 m². Im zentralen Teil des Altstandortes befanden sich die Zapfsäulen der Tankstelle und im südwestlichen Teil des Altstandortes befanden sich zwei unterirdische und ein oberirdischer Lagertank.

Der Untergrund ist zum Teil erheblich mit Mineralölkohlenwasserstoffen verunreinigt. Das Volumen des erheblich verunreinigten Untergrundbereiches kann mit ca. 3.000 m³ abgeschätzt werden. Lokal wurde im Grundwasser Mineralöl in Phase angetroffen. Aufgrund der hydrogeologischen Standortverhältnisse ist die Ausbreitung von Schadstoffen im Grundwasser gering. Es ist auch zukünftig mit keiner verstärkten Ausbreitung zu rechnen. Die erheblich verunreinigten Untergrundbereiche stellen  eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Bruck-Mürzzuschlag,
Mürzzuschlag,
Mürzzuschlag,
504/1, 653/1
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Tankstelle
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 240 m²
Volumen Altlast (m³): 3.000 m³
Schadstoff(e)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 27.05.1996
Datum der Prioritätenfestlegung: 15.07.2016
Priorität: 3
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Hydraulische Maßnahmen,
Räumung
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 30.05.1996

BETRIEBLICHE ANLAGEN UND TÄTIGKEITEN

Betriebliche Anlagen und Tätigkeiten

Der Altstandort liegt im nördlichen Teil des Ortsgebietes von Mürzzuschlag, ca. 250 m westlich des Bahnhofgebäudes, am Südwesteck des Frachtenbahnhofes Mürzzuschlag.

Der Altstandort umfasst eine Fläche von ca. 2.600 m². Am Altstandort befanden sich eine Tankstelle, ein Lagerhaus, ein Kohlenschuppen, ein Büro und Garage sowie Abstellplätze.

Im zentralen Teil des Altstandortes wurde ab 1971 eine öffentliche Tankstelle (ca. 65 m2 Grundfläche, 3 Zapfsäulen) betrieben und im südwestlichen Teil des Altstandortes befanden sich zwei unterirdische Lagertanks (je 30.000 l Fassungsvermögen). Befüllt wurden die Tanks über einen Füllschacht, welcher südlich der Lagertanks situiert war. Im Jahr 1976 wurde ein oberirdischer 50.000 l Lagertank für Spindelöl bzw. Heizöl südlich des Bürogebäudes bzw. der Garage errichtet. Der Lagertank wurde dabei direkt über Tankwaggons befüllt, welche am naheliegenden Gleis zufahren konnten. Im Bereich zwischen dem oberirdischen und den unterirdischen Lagertanks befand sich ein Mineralölabscheider.

In den 90-iger Jahren kam es zu zahlreichen baulichen Veränderungen sowie Einbautenerneuerungen. Im Jahr 1991 wurde ein Mineralölabscheider mit vorgeschaltetem Schlammfang südlich des oberirdischen Tanks errichtet. Im Jahr 1996 wurden im Bereich der Tankstelle, im zentralen Teil des Altstandortes, die drei Zapfsäulen mit den Versorgungsleitungen durch 2 neue Zapfsäulen ersetzt. Die neu errichteten Zapfsäulen befinden sich ca. 2 m westlich der ehemaligen Zapfsäule. Die Oberfläche im Bereich der Tankstelle wurde versiegelt.

Im Zuge der Umbauarbeiten wurden rund 26 to mit Mineralöl kontaminiertes Material ausgehoben und entfernt, wobei die genaue Lage des Aushubbereiches nicht bekannt ist.  

Im Jahr 2011 wurde der Betrieb der Tankstelle eingestellt.

Untergrundverhältnisse

Der Altstandort befindet sich im Bereich des Semmeringmesozoikums. Das Gelände ist eben und liegt auf rund 677 bis 678 m ü.A.

Der Untergrund im Bereich des Altstandortes besteht aus bis zu 12,5 m mächtigen Anschüttungen in Form von Aushub, Schlacken, Kohlen- und Ziegelresten. Die Anschüttungen erfolgten bereits im Zuge der Errichtung der Südbahnstrecke im 19. Jahrhundert. Unter den Anschüttungen folgen schluffige, tonige Feinsande bzw. feinsandige, tonige Schluffe, deren Oberkante teilweise ein starkes Relief aufweist und die im Bereich des Altstandortes bis zur Endtiefe einer Bohrung von 26 m angetroffen wurden. In diese Sedimente sind bereichsweise geringmächtige sandige, kiesige Schichten eingeschaltet, die Grundwasser führen.   

Der Altstandort liegt im Übergangsbereich eines Hanggrundwasserleiters zum Talgrundwasserleiter, wobei am Altstandort ein heterogener, geringdurchlässiger Grundwasserleiter vorhanden ist. Der Grundwasserspiegel liegt im Bereich des Altstandortes auf 665 m ü.A. Der Flurabstand beträgt somit rund 12 m bis 13 m. Die Durchlässigkeit der grundwasserführenden Sedimente kann aufgrund des inhomogenen Aufbaues des Untergrundes mit 10-4 m/s (P2) bis 10-6 m/s (P5) angegeben werden. Die Grundwasserströmung ist im Bereich des Altstandortes nach Westen gerichtet. Während der Grundwasseruntersuchungen im Zeitraum von Jänner 2012 bis Juni 2015 wurden am Altstandort Grundwasserspiegelschwankungen von durchschnittlich 4 m und im Abstrom des Altstandortes von rund 1 m bis 1,5 m festgestellt. Das Gefälle des Grundwasserspiegels kann im Bereich des Altstandortes mit 3 % abgeschätzt werden. Am Altstandort findet nur ein geringer Grundwasserabfluss statt.

Schutzgüter und Nutzungen

Der Altstandort wird derzeit nicht genutzt. Nördlich bzw. östlich des Altstandortes befinden sich die Gleisanlagen des Frachtenbahnhofs Mürzzuschlag. Westlich liegt nach einer Geländestufe eine Wohnsiedlung und südlich befindet sich ein Zustellgleis und parallel zu diesem befinden sich die Gleisanlagen der Südbahn.

Ca. 350 m westlich des Altstandortes fließt die Mürz und rund 140 m südlich des Altstandortes fließt der Fröschnitzbach, der im Raum Mürzzuschlag kanalisiert ist. Rund 25 m südwestlich des Altstandortes befindet sich ein Brunnen, der nicht genutzt wird.

 

UNTERSUCHUNGEN

Im April 1994 wurden im Bereich des Altstandortes folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • 13 Trockenkernbohrungen sowie Entnahme und Untersuchung von Feststoffproben
  • Entnahme und Untersuchung einer Grundwasserprobe aus einem Brunnen

Im Zeitraum von Februar 2003 bis Juni 2015 wurden im Bereich des Altstandortes folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Bodenluftuntersuchungen im Jahr 2008
  • Rammkernsondierungen in den Jahren 2003, 2008, 2011 und 2014 sowie Entnahme und Untersuchung von Feststoffproben
  • Errichtung von Grundwassermessstellen in den Jahren 2011, 2014 und 2015 sowie Entnahme und Untersuchung von Grundwasserproben

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Am Altstandort, mit einer Fläche von rund 2.600 m², wurde im Zeitraum von 1971 bis 2011 eine Tankstelle betrieben, wobei sich im zentralen Teil des Altstandortes die Zapfsäulen und im südwestlichen Teil des Altstandortes 2 unterirdische Lagertanks befanden. Weiters gab es noch einen oberirdischen Lagertank mit einem Fassungsvermögen von 50.000 l. Im Jahr 1996 erfolgten am Altstandort Umbauarbeiten, im Zuge derer rund 26 to kontaminiertes Material ausgehoben und entfernt wurden. Im Jahr 2011 wurde der Betrieb der Tankstelle eingestellt. Am Altstandort wird der Untergrund aus bis zu 12,5 mächtigen Anschüttungen in Form von Aushubmaterial mit Schlacken, Kohlen und Bauschutt aufgebaut. Die Anschüttungen erfolgten bereits im Zuge der Errichtung der Südbahn im 19. Jahrhundert.

Bei Untergrunduntersuchungen im Jahr 1994 wurden im Bereich der Zapfsäulen der Tankstelle, des oberirdischen Lagertanks sowie im Bereich nördlich und südlich der unterirdischen Lagertanks Kontaminationen des ungesättigten Untergrundes durch Mineralölkohlenwasserstoffe festgestellt.

Bei weiteren Untergrunduntersuchungen im Zeitraum von 2003 bis 2015 zeigte sich, dass im Nahbereich der ehemaligen Zapfsäulen sowie nördlich des oberirdischen Lagertanks und der Schlammfänge der Untergrund oberflächennah, bis in eine Tiefe von maximal 4 m, durch Mineralölkohlenwasserstoffe verunreinigt ist. Weiters ist im Bereich der unterirdischen und des oberirdischen Lagertanks der Untergrund ab 4 m bis 5 m Tiefe durch Mineralölkohlenwasserstoffe stark verunreinigt. Die Verunreinigungen reichen bis in eine Tiefe von rund 12 m. Entsprechend den Ergebnissen einer Produkt- und Altersbestimmung handelt es sich bei dem Mineralöl im Bereich der Lagertanks hauptsächlich um Heizöl Leicht bzw. Diesel, welches vor mehr als 20 Jahren, vermutlich ca. 30 – 40 Jahre, eingetragen wurde. Aufgrund der Ergebnisse der Untergrundaufschlüsse und Feststoffuntersuchungen kann abgeschätzt werden, dass der Untergrund im Bereich der Zapfsäulen der Tankstelle auf einer Fläche von rund 50 m² und im Bereich der ehemaligen Lagertanks auf einer Fläche von rund 250 m² durch Mineralölkohlenwasserstoffe erheblich verunreinigt ist. Das Volumen des erheblich verunreinigten Untergrundbereiches kann mit insgesamt ca. 3.000 m³ abgeschätzt werden.

Ausgehend von den Untergrundverunreinigungen wurde im Grundwasser im Bereich der unterirdischen Lagertanks Mineralöl in Phase angetroffen. Die Phasenmächtigkeiten betrugen im Zeitraum von Jänner 2014 bis Juni 2015 rund 68 cm bis 88 cm. An einem Probenahmetermin wurden in einer Grundwassermessstelle im unmittelbaren Abstrom des Altstandortes Ölschlieren festgestellt. Im Abstrom des Altstandortes wurden nur an einzelnen Probenahmeterminen erhöhte Konzentrationen für den Kohlenwasserstoffindex gemessen. Insgesamt ist aufgrund der Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen festzustellen, dass die Ausbreitung von Schadstoffen im Grundwasser gering ist. Es ist auch zukünftig mit keiner erhöhten Ausbreitung zu rechnen.

Die Untersuchungsergebnisse zeigen zusammenfassend, dass im Bereich der Lagertanks und der Zapfsäulen der Untergrund zum Teil erheblich mit Mineralöl verunreinigt ist. Südlich der unterirdischen Lagertanks schwimmt Mineralöl auf dem Grundwasser in etwa 12 m Tiefe auf. Die Ausbreitung von Schadstoffen im Grundwasser ist gering. Die erheblich verunreinigten Bereiche des Untergrundes stellen eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

 

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden:

Schadstoffpotenzial: erheblich

Auf einer Fläche von ca. 50 m² im Bereich der Zapfsäulen der Tankstelle und auf einer Fläche von rund 250 m² im Bereich der Lagertanks ist der Untergrund mit Mineralölkohlenwasserstoffen (Heizöl Leicht/Diesel) erheblich verunreinigt. Das Volumen des erheblich verunreinigten Untergrundbereiches kann insgesamt mit rund 3.000 m³ abgeschätzt werden. Heizöl Leicht weist aufgrund der stofflichen Eigenschaften ein hohes Gefährdungspotential für das Grundwasser auf. Unter Berücksichtigung der Art der Schadstoffe und der im Untergrund vorhandenen Schadstoffmenge ergibt sich insgesamt ein erhebliches Schadstoffpotenzial.

Schadstoffausbreitung: lokal

Aufgrund der Untergrundverhältnisse und der Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen kann die Länge der Schadstofffahne in einer Größenordnung von max. 10 m abgeschätzt werden. Die Schadstofffracht für Mineralölkohlenwasserstoffe im Grundwasser ist gering. Die Schadstoffausbreitung ist insgesamt als lokal zu beurteilen. Eine Zunahme der Schadstoffausbreitung ist mittel- bis langfristig nicht zu erwarten.

Schutzgut: nutzbar

Der Bereich mit erheblicher Mineralölbelastung liegt in keinem besonders geschützten Gebiet. Es gibt im Umfeld keine Brunnen, die für eine Trink- oder Nutzwasserversorgung verwendet werden. Das Grundwasserdargebot ist als gering zu bewerten. Das Grundwasservorkommen ist daher insgesamt als nutzbar zu beurteilen.

Prioritätenklasse – Vorschlag: 3

Entsprechend der Beurteilung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der Gefährdungsab-schätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien schlägt das Umweltbundesamt die Einstufung des Altstandortes „Frachtenbahnhof Mürzzuschlag“ in die Prioritätenklasse 3 vor.

 

Texterstellung:    Oktober 2015