Altlast N91: Metallwarenerzeugung Häusermann

Der Altstandort „Metallwarenfabrik Häusermann“ liegt ca. 1 km südlich von Gars am Kamp und umfasst eine Fläche von etwa 14.000 m². Ab Ende der 1930er Jahre wurden Schilder mit chemischen Gravuren hergestellt. Seit 1966 werden auf dem Standort vorwiegend Leiterplatten produziert.

Im Zentralbereich sowie im östlichen Bereich des Altstandortes ist der Untergrund und das Grundwasser erheblich mit CKW verunreinigt. Lokal wurden auch massive Belastungen mit Metallen festgestellt. Im Grundwasserabstrom wurden bis 180 m Entfernung zeitweise CKW festgestellt. In Brunnen, die für Trinkwasserzwecke verwendet werden, wurden geringe Verunreinigungen durch CKW festgestellt. Für die erheblich kontaminierten Teile des Altstandortes ergibt sich die Prioritätenklasse 2.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Horn,
Gars am Kamp,
Zitternberg,
348/2, 348/3
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Metallwarenerzeugung
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination,
erhebliches Risiko Grundwasser
Fläche Altlast (m²): 2.400 m²
Volumen Altlast (m³): 5.000 m³
Schadstoff(e) Organische Lösungsmittel (chlorierte aromatische Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 01.04.2021
Datum der Prioritätenfestlegung: 01.04.2021
Priorität: 2
Status Maßnahme: in Planung

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Betriebliche Anlagen und Tätigkeiten

Der Altstandort „Metallwarenerzeugung Häusermann“ liegt etwa 1 km südlich von Gars am Kamp unmittelbar am linken Flussufer des Kamp. Der Altstandort umfasst eine Fläche von etwa 14.000 m². Bereits von 1901 bis 1938 wurde im Norden des Altstandortes, in den Gebäuden einer aufgelassenen Mühle, eine Nadelfabrik betrieben. Ab Ende der 1930er Jahre wurden Schilder mit chemischen Gravuren hergestellt. Mitte der 1960er Jahre wurde die Produktion von Leiterplatten aufgenommen. Im Jahr 1978 wurde die Galvanisierung begonnen.

Bis heute durchlief der Standort mehrfache Erweiterungs-, Zubau- und Umbaumaßnahmen. Die Produktionsprozesse umfassen Metallbearbeitung, Oberflächenreinigung und Galvanisierung. Hierbei wurden diverse Bäder mit unterschiedlichen metallhaltigen Lösungen, Entfettungsbäder mit Lösemitteln (wie z. B. 1,1,1-Trichlorethan (≙ Methylchloroform)) und auch photochemische Entwickler- und Fixierbäder eingesetzt. Darüber hinaus wurden Färberei, Siebdruck und Spritzlackierungen betrieben.

Folgende Betriebsanlagen waren 1982 vorhanden:

  • Galvanoautomaten
  • Ätzanlagen
  • Entfettungsanlagen
  • chemische Kupferbäder
  • Zinnbäder
  • Cyanid-Silber-Bad
  • Vergoldbad
  • Eloxalbäder
  • Färberei
  • Entwickler- und Fixierbäder (Agfa-Foto)
  • Druckerei
  • Spritzlackiererei
  • Stanzerei und Poliererei
  • Putzerei

 

Zur Ableitung der anfallenden Betriebsabwässer und Kühlwässer war am Standort ein Netz von Leitungen, Kanälen und Schächten vorhanden. Zudem wurden im Ostbereich des Altstandortes Klär- und Senkgruben betrieben (sh. Abb. 3). Im Bereich ehemaliger Heizöltanks, die Anfang der 2000-er Jahre entfernt wurden, wurde ein Bodenaustausch vorgenommen.

Im August 2002 wurde der Standort von einem 500-jährlichen Hochwasser vollständig überflutet. Der Standort ist vor Hochwasser durch Hochwasserdämme im Nordwesten, Westen und Süden nach umfangreichen Hochwasserschutzmaßnahmen im Jahr 2003 weitgehend geschützt. Im Zuge der Errichtung einer Spundwand wurden Teile der bestehenden Betriebsgebäude abgerissen bzw. neu überbaut. Entlang der Spundwand sind drei Schachtbauwerke zur Wasserhaltung vorhanden. Die Spundwand bindet jedoch nicht vollständig in den Grundwasserstauer ein, sodass eine Kommunikation mit dem Talaquifer besteht.

Untergrundverhältnisse

Der Untergrund im Bereich des Altstandortes wird durch die oberflächennahen quartären Talsedimente des Kamp-Flusses gebildet, die aus Sanden und Kiesen, sowie teilweise überlagernden bzw. zwischengeschalteten feinkörnigen, sandig, schluffig-tonigen Schichten gebildet werden. Die Sedimente lagern auf den kristallinen metamorphen Gesteinen der Böhmischen Masse, die durch Paragneise, Mischgneise und Glimmerschiefer charakterisiert sind. Das Gelände im Bereich des Altstandortes liegt auf etwa 246 m ü. A. und ist eben.

Die kiesig-sandigen Talfüllungen bilden den mäßig ergiebigen Grundwasserleiter, der einen Grundwasserflurabstand zwischen 3,5 bis 4,5 m und ein Gefälle von 1 bis 2 ‰ aufweist. Die Mächtigkeit des Aquifers beträgt etwa 3,5 bis 4,0 m, der Durchlässigkeitsbeiwert liegt im Bereich von 2x10-4 m/s. Aufgrund der Nähe des Standortes zum Kamp ergeben sich in Abhängigkeit des Wasserstandes des Kamp stark wechselnde Grundwasserfließrichtungen. Die generelle Grundwasserfließrichtung ist gegen Süden gerichtet. Im Abstrom des Altstandortes schwenkt das Grundwasser Richtung Südosten. Der Grundwasserdurchfluss liegt in einer Größenordnung von 20 m³/d über eine Abstrombreite von etwa 130 m. Dies entspricht einem spezifischen Durchfluss von etwa 0,2 m3/d,m. Die Sickerwassermenge im Bereich des Altstandortes kann mit etwa 3 m³/d abgeschätzt werden Die resultierende Verdünnung des Sickerwassers im Grundwasser kann daraus mit einem Faktor von rund 5 abgeschätzt werden.

Schutzgüter und Nutzungen

Der Altstandort wird gewerblich genutzt und ist im Norden, Westen und Süden vom Kamp und im Osten jenseits der Kamptalstraße von Wohngebieten eingegrenzt. Der Werkskanal – ein Seitenarm des Kamp – verläuft direkt westlich des Altstandortes.

Der Standort befindet sich in keinem Grundwasserschongebiet bzw. Grundwasserschutzgebiet. Im Abstrom des Altstandortes befinden sich keine wasserrechtlich bewilligten Grundwasser-
nutzungen. Im östlich anschließenden Siedlungsgebiet befinden sich Hausbrunnen, die für Trinkwasserzwecke herangezogen werden. Aufgrund der Lage am Hangfuß des Kamptales ist davon auszugehen, dass der Einzugsbereich dieser Brunnen sowohl Hangwässer als auch den Grundwasserbegleitstrom des Kamp umfasst.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Im Nordbereich des Altstandortes „Metallwarenerzeugung Häusermann“ wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Gebäuden einer aufgelassenen Mühle eine Nadelfabrik betrieben. Ab Ende der 1930er Jahre wurden Schilder mit chemischen Gravuren hergestellt. Mitte der 1960er Jahre wurde die Produktion von Leiterplatten aufgenommen. Im Jahr 1978 wurde die Galvanisierung begonnen. Produktionsprozesse umfassen Metallbearbeitung, Oberflächenreinigung und Galvanisierung. Bis zuletzt durchlief der Standort mehrfache Erweiterungs-, Zubau- und Umbaumaßnahmen. Teilbereiche des ursprünglichen Gebäudekomplexes wurden im Zuge der Errichtung von Hochwasserschutzmaßnahmen im Jahr 2003 abgerissen. Auf dem Altstandort ist ein reichverzweigtes Netz aus Kanälen, Leitungen sowie zum Teil rückgebauten bzw. stillgelegten Schächten und Becken vorhanden. Im Bereich ehemaliger Heizöltanks, die Anfang der 2000er Jahre entfernt wurden, wurde auch ein Bodenaustausch vorgenommen. Der Altstandort weist eine Fläche von ca. 14.000 m² auf.

Bei Bodenluftuntersuchungen wurden im Zentralbereich des Altstandortes Verunreinigungen des ungesättigten Untergrundes durch chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW), vor allem mit 1,1,1-Tri-chlorethan, festgestellt. Im östlichen Bereich des Altstandortes wurden vor allem Verunreinigungen durch Tetrachlorethen nachgewiesen. Bei Bodenluftabsaugversuchen wurden im Zentralbereich des Altstandortes hohe CKW-Frachten abgesaugt (max. 107 g/d).

Bei Feststoffuntersuchungen wurden im Zentrum des Altstandortes, im Bereich eines ehemaligen Neutralisationsbeckens in der ungesättigten Bodenzone sehr starke Verunreinigungen mit Kupfer festgestellt.

Bei der Herstellung von Untergrundaufschlüssen wurden Schöpfproben aus den offenen Bohrlöchern entnommen und massive Verunreinigungen des Grundwassers durch CKW festgestellt. Die höchsten Konzentrationen wurden im Zentralbereich des Altstandortes bestimmt, maßgebliche Einzelsubstanzen waren 1,2-Dichlorethan und 1,1-Dichlorethan vor. Bei den Aufschlüssen weiter östlich wurde vor allem Tetrachlorethen nachgewiesen.

Bei den Grundwasseruntersuchungen wurden im Zentralbereich des Altstandortes sehr hohe CKW-Konzentrationen im Grundwasser festgestellt (bis über 20 mg/l). Hauptkontaminanten sind 1,1,1-Trichlorethan und 1,1-Dichlorethen. Im östlichen Bereich des Altstandortes wurden sehr hohe Tetrachlorethenkonzentrationen festgestellt (bis über 8 mg/l). In Abhängigkeit der CKW-Konzentrationen (bis über 30 mg/l) ergaben sich für Pumpversuche, die im Zentralbereich des Altstandortes durchgeführt wurden, sehr große CKW-Frachten (max. 264 g/d).

Im Abstrom des Altstandortes wurde in einer Entfernung von etwa 90 m zeitweise CKW-Kon-
zentrationen von bis zu 50 µg/l nachgewiesen. Im Zuge der Pumpversuche wurden hier Kon-
zentrationen von bis zu 155 µg/l festgestellt. Bei der außerhalb der Spundwand situierten Messstelle, die etwa 180 m südlich des Altstandortes liegt, wurden CKW-Gehalte von bis zu 35 µg/l bestimmt. In einem Hausbrunnen, der ca. 100 m im seitlichen Grundwasserabstrom liegt, wurden zeitweise erhöhte CKW-Konzentrationen nachgewiesen.

Neben den CKW sind im Zentralbereich des Altstandortes auch stellenweise sehr starke Verunreinigungen des Grundwassers mit Metallen (Kupfer, Nickel, Zink) vorhanden. Im Zuge der Pumpversuche ergaben sich stellenweise sehr hohe Kupfer- und Nickelfrachten. Im Abstrom des Alt-
standortes wurden bei den Metallen zeit- und stellenweise noch erhöhte Konzentrationen gemessen. Auch in Hausbrunnen, die grundwasserstromseitlich des Altstandortes liegen, wurden zeitweise erhöhte Metallkonzentrationen festgestellt. Aufgrund der Grundwasserfließrichtung ist nicht eindeutig davon auszugehen, dass diese Verunreinigungen aus dem Bereich des Altstandortes stammen.

Es ist davon auszugehen, dass es durch den Betrieb von Entfettungsanlagen und durch Leckagen von Leitungssystemen bzw. Leckagen bei ehemaligen Senk- und Klärgruben und diversen Becken zu Verunreinigungen des Untergrundes und des Grundwassers mit CKW und Metallen gekommen ist. Erhebliche Verunreinigungen wurden im zentralen Bereich des Altstandortes sowie am östlichen Rand festgestellt. Der erheblich verunreinigte Bereich im Zentrum des Altstandortes wird mit einer Fläche von etwa 2.000 m2 und einem Volumen von mehr als 5.000 m³ abgeschätzt. Die Ausdehnung des erheblich verunreinigten Bereiches im Osten des Altstandortes kann nicht abgeschätzt werden, sie ist vermutlich deutlich geringer als der zentrale Bereich.

Zusammenfassend zeigen die Untersuchungsergebnisse, dass der Altstandort „Metallwarenerzeugung Häusermann“ bereichsweise erheblich mit CKW verunreinigt ist. Zusätzlich wurden lokal massive Belastungen durch Metalle festgestellt.

 

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden:

Schadstoffpotenzial: sehr groß

Zwei Bereiche des Altstandortes sind mit chlorierten Kohlenwasserstoffen erheblich verunreinigt. Die Fläche der erheblich verunreinigten Bereiche ist größer als 2.000 m², das Volumen größer als 5.000 m³. Die maßgeblichen Schadstoffe sind 1,1,1-Trichlorethan, 1,1-Dichlorethen und Tetrachlorethen. Die Intensität der Verunreinigungen ist sehr hoch. Die festgestellten Schadstoffe weisen zum Teil sehr schädliche Eigenschaften auf.

Ausbreitung der Schadstoffe: begrenzt

Die Schadstofffrachten im unmittelbaren Grundwasserabstrombereich der erheblich verunreinigten Bereiche ist zumindest erheblich (ca. 20 g/d für CKW). Im Grundwasser wurden bis in eine Entfernung von 180 m zeitweise Verunreinigungen des Grundwassers mit CKW festgestellt. Aufgrund der durch die Nähe des Standortes zum Kamp bedingten wechselhaften Grundwasserfließrichtung en ist vermutlich keine stabile Schadstofffahne ausgebildet.

Bedeutung des Schutzgutes: gut nutzbar

Der Altstandort liegt im Bereich eines mäßig ergiebigen Grundwasserleiters, der grundsätzlich gut nutzbar ist. Im Grundwasserabstrom des Altstandortes sind Hausbrunnen vorhanden. In den Hausbrunnen von Liegenschaften, die nicht an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen sind, wurden nur geringe Verunreinigungen des Grundwassers mit CKW festgestellt.

Vorschlag Prioritätenklasse: 2

Entsprechend der Beurteilung der Untersuchungsergebnisse, der Gefährdungsabschätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien ergibt sich die Prioritätenklasse 2.

 

Datum der Texterstellung: September 2020