Altlast N89: Deponie Zwölfaxing

Bei der Altablagerung „Deponie Zwölfaxing" handelt es sich um einen ehemaligen Sand- und Schotterabbau östlich von Zwölfaxing, der zwischen 1971 bis 1988 mit Abfällen mit hohem organischen Anteil verfüllt wurde. Die Ablagerungsfläche beträgt rund 15.000 m², die Kubatur wird auf ca. 110.000 m³ geschätzt.

Das Deponiegasbildungspotenzial der Altablagerung ist erheblich. Auswirkungen auf das Grundwasser sind nicht erkennbar. Entsprechend den Kriterien für die Prioritätenklassifizierung ergibt sich für die Altablagerung die Priorität 3.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Bruck an der Leitha,
Zwölfaxing,
Zwölfaxing,
651
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Kommunale Deponie
Art der Ablagerungen: Aushubmaterial/Abraum,
Hausmüll,
Industrie-/Gewerbemüll,
Bauschutt
Fläche Altlast (m²): 15.000 m²
Volumen Altlast (m³): 110.000 m³
Schadstoff(e) Deponiegas (Kohlendioxid, Methan)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 15.07.2020
Datum der Prioritätenfestlegung: 15.07.2020
Priorität: 3

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Altablagerung

Bei der Altablagerung „Deponie Zwölfaxing“ handelt es sich um einen ehemaligen Sand- und Schotterabbau östlich des geschlossenen Siedlungsgebietes von Zwölfaxing, welcher zwischen 1971 bis 1976 mit Bodenaushub, Bauschutt sowie mit betrieblichen- und hausmüllartigen Abfällen verfüllt wurde. Zwischen 1979 und 1988 wurde die Deponie vor allem zur Ablagerung von Hausmüll genutzt. Die Ablagerungsfläche beträgt rund 15.000 m², die Kubatur wird bei Ablagerungstiefen von 7-10 m auf ca. 110.000 m³ geschätzt.

Die Ablagerungen erfolgten zunächst ohne technische Maßnahmen zur Erfassung des Sickerwassers oder der Deponiegase als Grubenfüllung. Ab 1979 wurden folgende technische Maßnahmen zur Erfassung des Sickerwassers getroffen:

  • Planierung der Deponiesohle
  • Einbau von Sickerwasserdrainagerohren
  • Errichtung eines 2,5 m tiefen Sickerwassersammelschachts mit einem Pumpensumpf
  • Abdichtung der Böschungen mit Lehm sowie die Abdeckung der geschlossenen Deponie mit lehmigem Material bzw. mit bewuchsfähigem Aushubmaterial

Ab dem Jahr 1989 wurden die Deponie umgrenzende „Gasfenster“ zur passiven Entgasung errichtet. Hierbei handelt es sich um 5 m breite und 1,2 m tiefe Gasdrainagen, welche mit Grobkies verfüllt wurden und zur Verhinderung des Eindringens von Niederschlagswasser mit einem Blechdach abgedeckt wurden.

Untergrundverhältnisse

Aus geologischer Sicht befindet sich die Deponie im Bereich der quartären Flussschotter und Sande der Gänserndorfer Terrasse. Der Untergrund im Bereich um die Ablagerung wird aus einer Deckschicht aus Lößlehm mit einer Mächtigkeit von 2-3 m gebildet. Die darunterliegenden trockenen Kiese, welche im Bereich der Altablagerung vollständig abgebaut wurden, reichen bis zu einer Tiefe von ca. 10 m. Unterhalb dieses Schichtkomplexes befindet sich in einer Tiefe von 9-11 m ein Schluffhorizont mit einer Mächtigkeit zwischen 0,5 und 2 m, welcher aber nicht durchgehend vorhanden ist. Darunter lagern wieder sandige Kiese, die den Grundwasserleiter bilden. Diese Sedimente werden ab einer Tiefe von 18 bis 21 m von wechselnden Sand- und Schlufflagen unterlagert. Der Grundwasserstauer befindet sich in einer Tiefe von etwa 60 m. Der Flurabstand des Grundwassers beträgt 15-18 m.

Die Strömungsrichtung des Grundwasserkörpers ist im Bereich der Fläche nach Nordost gerichtet. Der kf-Wert beträgt etwa 1*10-4 der Grundwasserleiter kann daher als gut durchlässig bezeichnet werden. Das hydraulische Gefälle beträgt ca. 0,25%.

Der Grundwasserdurchfluss beträgt über die gesamte Durchflussbreite ca. 185 m³/Tag.

Schutzgüter und Nutzungen

Die Altablagerung befindet sich im Zustrombereich des Grundwasservorkommens „Unteres Schwechattal-Mannswörter Au“, das mit einer Entnahmemenge von 2-3 m³/s einen ergiebigen Grundwasserkörper darstellt. Im Grundwasserabstrom befinden sich bis in eine Entfernung von bis zu 1 km mehrere Nutzwasserbrunnen. Die Fläche wird weitgehend von Ackerflächen begrenzt. An der nordwestlichen Seite grenzt die „Deponie Eulenhaupt“ an die Altablagerung. Die Altablagerung weist eine geschlossene Vegetationsdecke auf.

 

UNTERSUCHUNGEN

Im Zeitraum 2014 bis 2015 wurden folgende Untersuchungen gemäß § 13 ALSAG durchgeführt:

  • 15 Rammkernsondierungen zur orientierenden Deponiegasuntersuchung bis zu einer Tiefe von bis zu 3 m u. GOK
  • Raumluftmessungen an 2 Terminen in einem Sickerwasserschacht
  • Entnahme von Schöpf- und Pumpproben an 5 bestehenden Messstellen an 4 Terminen
  • Durchführung von zwei 8-stündigen Pumpversuchen mit Probenahmen an 2 Messstellen

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Bei der Altablagerung „Deponie Zwölfaxing“ handelt es sich um einen ehemaligen Sand- und Schotterabbau östlich des geschlossenen Siedlungsgebietes von Zwölfaxing, welcher zwischen 1971 bis 1976 mit Bodenaushub, Bauschutt, betrieblichen- und hausmüllartigen Abfällen verfüllt wurde. Zwischen 1979 und 1988 wurde die Deponie vor allem zur Ablagerung von Hausmüll genutzt.

Die Ablagerungen erfolgten zunächst ohne technische Maßnahmen zur Erfassung des Sickerwassers oder der Deponiegase als Grubenfüllung. Ab 1979 wurden Maßnahmen zur Erfassung des Sickerwassers getroffen und ein die Deponie umgrenzendes „Gasfenster“ zur passiven Entgasung errichtet.

Die Ablagerungsfläche beträgt rund 15.000 m², die Kubatur wird bei Ablagerungstiefen bis zu 10 m auf ca. 110.000 m³ geschätzt. Die Altablagerung weist eine geschlossene Wiesenfläche auf.

Die Ergebnisse der Deponiegasuntersuchungen zeigen, dass über weite Bereiche der Deponie eine noch deutliche Gasproduktion stattfindet (CH4 + CO2 > 40 Vol.%). Es ist davon auszugehen, dass auf ca. 60 % der Gesamtfläche Ablagerungen mit hohem Reaktionspotenzial vorhanden sind. Das Volumen dieser Ablagerungen mit hohem Reaktionspotenzial kann mit 50.000 m³ abgeschätzt werden. Stellenweise wurde eine Ausbreitung von Deponiegas in die Umgebung festgestellt.

Das in einem Schacht gesammelte Sickerwasser weist eine Qualität auf, die auf einen hohen Hausmüllanteil in der Altablagerung schließen lässt.

Die Untersuchungen des Grundwassers zeigten keine Beeinflussung der Grundwasserqualität durch die Altablagerung.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass in der Altablagerung „Deponie Zwölfaxing“ Abfälle mit hohem organischem Anteil abgelagert wurden. Das Deponiegasbildungspotenzial in der Ablagerung ist erheblich. Das Volumen der Ablagerungen mit hohem Reaktionspotenzial wird mit ca. 50.000 m³ abgeschätzt. Auswirkungen auf das Grundwasser durch Sickerwasser aus dem Ablagerungsbereich sind nicht erkennbar.

 

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden:

Gasemissionspotenzial: hoch

Von 1971 bis 1988 wurden in einer Sandgrube ca. 110.000 m³ Bodenaushub, Bauschutt, betrieblichen- und hausmüllartigen Abfällen abgelagert. Ca. 50.000 m³ weisen ein hohes Reaktionspotenzial auf. Größere Mengen von Abfällen mit hohem Schadstoffgehalt wurden nicht festgestellt. Aufgrund des Volumens und der Reaktivität der Abfälle ist das Schadstoffpotenzial als groß zu bewerten.

Ausbreitung der Schadstoffe: möglich

Der Untergrund ist grundsätzlich gut gasdurchlässig. Unmittelbar außerhalb der Altablagerung wurden hohe Methan- und Kohlendioxidgehalte festgestellt. Eine Ausbreitung von Deponiegas im Untergrund ist daher grundsätzlich möglich.  

Bedeutung des Schutzgutes: sonstige Nutzung

In der Umgebung der Altablagerung ist keine Bebauung vorhanden. Das Siedlungsgebiet ist ca. 500 m entfernt. Eine Ausbreitung von Deponiegas bis zu den derzeit nächst gelegenen Häusern kann ausgeschlossen werden.

Vorschlag Prioritätenklasse: 3

Entsprechend der Bewertung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der voranstehenden Gefährdungsabschätzung und den in § 14 Altlastensanierungsgesetz festgelegten Kriterien ergibt sich für die Altablagerung „Deponie Zwölfaxing“ die Prioritätenklasse 3.

 

Datum der Texterstellung: August 2019