Altlast N72: Putzerei Heilmeier

Der Altstandort "Putzerei Heilmeier" befindet sich am westlichen Ortsrand von Hainfeld an einem Hang, der zur Gölsen hin abfällt. Zwischen 1967 und 1996 wurde auf der gegenständlichen Fläche eine Putzerei betrieben. Durch die Verwendung von Tetrachlorethen als Reinigungsmittel kam es zu einer Verunreinigung des Untergrundes und einem Schadstoffeintrag ins Grundwasser.

Es ist auch weiterhin mit einem Schadstoffeintrag ins Grundwasser zu rechnen. Der Altstandort "Putzerei Heilmeier" stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar. Es wird eine Einstufung in die Prioritätenklasse 3 vorgeschlagen.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Lilienfeld,
Hainfeld,
Hainfeld,
282/4
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: chemische Reinigung
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 570 m²
Volumen Altlast (m³): 430 m³
Schadstoff(e) Organische Lösungsmittel (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 01.05.2013
Datum der Prioritätenfestlegung: 01.05.2013
Priorität: 3
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Hydraulische Maßnahmen

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Betriebliche Anlagen und Tätigkeiten

Der Altstandort „Putzerei Heilmeier“ befindet sich am westlichen Ortsrand von Hainfeld an einem Hang, der zur Gölsen abfällt.

Auf dem ca. 600 m2 großen Grundstück wurde im Keller eines Einfamilienhauses von 1967 bis 1996 eine Putzerei betrieben. Es wurden Tetrachlorethen und waschaktive Substanzen als
Reinigungsmittel eingesetzt. Die Putzerei verfügte über eine Putzmaschine.

Der von der ehemaligen Putzerei Heilmeier genutzte Gebäudeteil wird derzeit als Keller genutzt. Maschinenteile der ehemaligen Putzerei sind keine mehr vorhanden. In der nebenstehenden Abbildung ist der Standort der Reinigungsmaschine ersichtlich.

Die baulichen Anlagen am Standort erfuhren seit Beginn des Putzereibetriebes keine wesentlichen Änderungen. Die chemische Reinigungs-maschine befand sich im hinteren Teil des Kellers. Die Aufstellungsfläche variierte nur innerhalb dieses Raumes. Von 1967 bis 1986 befand sich an der Rückseite der chemischen Reinigungsmaschine ein Reinigungsmittelbehälter, der 320 Liter Tetrachlorethen sowie 2,5 kg waschaktive Substanzen fasste. Im Jahr 1986 wurde eine neue Reinigungsmaschine aufgestellt, die im geschlossenen System arbeitete. Als Reinigungsmittel wurde ebenfalls Tetrachlorethen eingesetzt. Die Maschine wies ein Füllgewicht von 7 kg Tetrachlorethen auf. Die anfallenden Reinigungsmittelrückstände wurden in Kanister gesammelt und entsorgt.

Untergrundverhältnisse

Der Altstandort befindet sich im Übergangsbereich von Tonmergel und Sandstein des Unter- bis Mittel-Eozäns zu den quartären Talfüllungen im Bereich der Gölsen, die von Kies und Auelehm geprägt sind. Der Untergrund im Bereich des Altstandortes besteht aus Schluff mit geringem Kiesanteil. Mit zunehmender Tiefe steigt der Schluffanteil im Untergrund.

 

Im Bereich des Altstandortes wurde Hanggrundwasser angetroffen, das eine nach Nordosten gerichtete Strömungsrichtung aufweist. Der Grundwasserspiegel befand sich im Beobachtungszeitraum im Bereich des Altstandortes in einer Tiefe von 5,3 bis 7,8 m unter GOK. Die Mächtigkeit des Aquifers liegt zwischen 2,3 und 5,0 m. Für den Grundwasserleiter wurden Durchlässigkeitsbeiwerte von 10-5 m/s ermittelt. Eine deutlich bessere Durchlässigkeit liegt im weiteren Abstrom mit einem kf-Wert von 10-5 bis 10-3 m/s vor. Die generelle Grundwasserströmungsrichtung weist nach Nordosten. Das Grundwasserspiegelgefälle beträgt etwa 8 %. Die Sickerwassermenge im Bereich des Altstandortes kann mit rund 0,1 m³/d abgeschätzt werden. Der Grundwasserdurchfluss ist gering und kann über eine angenommene Abstrombreite des Stand-ortes von ca. 20 m mit etwa 6 m³/d abgeschätzt werden. Daraus ergibt sich eine Verdünnung des Sickerwassers im Grundwasser mit rund 1:60.

Schutzgüter und Nutzungen

Der Altstandort „Putzerei Heilmeier“ liegt am westlichen Ortsrand von Hainfeld und ist von Einfamilienhäusern umgeben. In einer Entfernung von ca. 50 m westlich des Altstandortes ist ein Friedhof gelegen.

Die Gölsen fließt ca. 120 m nördlich des Altstandortes, der Kirchtalbach befindet sich ca. 140 m südlich. Zwischen Gölsen und dem Altstandort befindet sich ein steiler Hangbereich.

Im Abstrom des Altstandortes ist ein Hausbrunnen bekannt.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Am Altstandort „Putzerei Heilmeier“ wurde im Zeitraum von 1967 bis 1996 eine Putzerei betrieben. Als Reinigungsmittel wurde neben waschaktive Substanzen Tetrachlorethen eingesetzt.

Bei den orientierenden Bodenluftuntersuchungen konnte keine massive Belastung des ungesättigten Untergrundes durch Tetrachlorethen festgestellt werden. Die maximalen Konzentrationen lagen unterhalb der Orientierungswerte gemäß ÖNORM S 2088-1. Dieser Umstand kann vermutlich zum Einem auf den gering durchlässigen Untergrund und zum Anderen auf die Lage der Messstellen zurückgeführt werden. Es konnte aufgrund der Kampfmittelfreigabe, die vermutlich aufgrund der Eisenbewehrung im Unterbeton im Bereich des Kellers negativ ausfiel, keine Messstelle im Nahbereich der Schadstoffquelle abgeteuft werden.

Bei der Untersuchung der Feststoffproben konnte mit Ausnahme einer Messstelle (BL10) Tetrachlorethen im Gesamtgehalt festgestellt werden. Die stärksten Belastungen lagen in der gesättigten Zone im Abstrom des Altstandortes vor.

Bei den Absaugversuchen wurde neben Tetrachlorethen auch Trichlorethen in der Bodenluft festgestellt, jedoch in wesentlich geringeren Konzentrationen. Die höchsten Tetrachlorethen-konzentrationen lagen bei der Messstelle B im Rahmen der Absaugversuche vor.

Bei einem Vergleich der Bodenluftuntersuchungen kann festgestellt werden, dass bei den temporären Messungen wesentlich geringere Konzentrationen an Tetrachlorethen analysiert wurden als bei den stationären Messungen. Diese Tatsache ist wie bereits erwähnt vermutlich auf den gering durchlässigen Untergrund zurückzuführen. Aufgrund der feinkörnigen Anteile im Untergrund konnte auch bei den Feststoffuntersuchungen eine Belastung der gesättigten Zone festgestellt werden. Insgesamt ergeben die Bodenluft- und Feststoffuntersuchungen, dass die Belastung des Untergrundes mit Tetrachlorethen auf den Bereich unterhalb des Kellers begrenzt ist. Die Fläche des kontaminierten Bereiches kann mit einer Größenordnung von ca. 50 m² abgeschätzt werden. Unter der Annahme einer flächigen Ausbreitung der Tetrachlorethenkontamination bis in ca. 9 m Tiefe (Stauerlage im Bereich der Messstelle B) ist mit einem kontaminierten Bereich von ca. 450 m3 zu rechnen.

Die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen zeigen, dass es zu einem massiven Eintrag von leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen aus dem wasserungesättigten Untergrund in das Grundwasser gekommen ist.

Im Zuge der Grundwasseruntersuchungen wurde im unmittelbaren Bereich der Anlagen der Putzerei eine massive Verunreinigung des Grundwassers mit Tetrachlorethen festgestellt (max. 3,2 mg/l Pumpprobe, max. 5,6 mg/l Schöpfprobe). Ausgehend von diesem Schadenszentrum hat sich im Grundwasser eine Schadstofffahne mit Tetrachlorethen ausgebildet. Noch in ca. 20 m Entfernung wurden Tetrachlorethenkonzentrationen von über 1 mg/l festgestellt. Über 20 m Entfernung nehmen die Tetrachlorethenkonzentrationen im Grundwasser rasch auf eine Größenordnung von max. 60 µg/l ab. Tetrachlorethen wurde im Brunnen bis ca. 170 m Entfernung festgestellt. In der anstromigen Messstelle konnte ebenfalls Tetrachlorethen nachgewiesen werden. Im Vergleich lagen die Konzentrationen auf einem niedrigen Niveau. Die festgestellten Belastungen können vermutlich mit dem Altstandort in Zusammenhang gebracht werden.

Zusammenfassend zeigen die Untersuchungsergebnisse, dass im Bereich des Altstandortes eine massive Verunreinigung des Untergrundes durch Tetrachlorethen vorhanden ist, die eine deutliche Beeinträchtigung des Grundwassers verursacht. Es ist auch in Zukunft mit einem erheblichen Schadstoffeintrag in das Grundwasser zu rechnen. Der Altstandort „Putzerei Heilmeier“ stellt daher eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

 

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden:

Schadstoffpotenzial: groß

 Am Altstandort "Putzerei Heilmeier" ist der Untergrund mit chlorierten Kohlenwasserstoffen verunreinigt. Die Fläche und das Volumen des verunreinigten Untergrundbereiches liegen in einer Größenordnung von 50 m2 und 450 m3. Der maßgebliche Schadstoff ist Tetrachlorethen, der aufgrund seiner stofflichen Eigenschaften ein sehr hohes Gefährdungs-potenzial aufweist. Das Schadstoffpotenzial ist insgesamt als groß zu bewerten.

Ausbreitung der Schadstoffe: begrenzt

Die Länge der Schadstofffahne im Grundwasser kann mit 200 m abgeschätzt werden. Die Schadstoffkonzentrationen bis zu einer Entfernung von ca. 20 m stromab des Altstandortes sind als sehr hoch zu beurteilen. Die mit dem Grundwasser transportierte Fracht an gelösten Schadstoffen ist als erheblich zu bewerten. Entsprechend den Grundwasserströmungsver-hältnissen ist mittelfristig mit keiner wesentlichen Änderung des Schadensbildes zu rechnen. Insgesamt ist die Schadstoffausbreitung als begrenzt zu klassifizieren.

Bedeutung des Schutzgutes: nutzbar

Der Altstandort liegt im Bereich eines gering ergiebigen Grundwasser-körpers. Das Grundwasser wird im weiteren Abstrom durch Nutzwasserbrunnen genutzt. Der Altstandorte liegt im Gemeindegebiet von Hainfeld und die Trinkwasserversorgung erfolgt über öffentliche Trinkwasserversorgungsanlagen. Aufgrund des geringen Wasserdargebotes ist auch zukünftig mit keiner hochwertigen Grundwassernutzung zu rechnen.

Vorschlag Prioritätenklasse: 3

Entsprechend der Bewertung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der voranstehenden Gefährdungsabschätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien schlägt das Umweltbundesamt die Einstufung in die Prioritätenklasse 3 vor.

 

Datum der Texterstellung: Oktober 2012