Sanierte Altlast N35: Glanzstoff - Deponie Nord

Auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Glanzstoff Austria GmbH wurden bis zum Jahr 1990 Produktionsabfälle, Werkstättenabfälle, hausmüllähnlicher Industrie- und Gewerbemüll sowie Bauschutt, Baustellenabfälle und Kies mit einem Volumen von rund 50.000 m³ in Form einer Gruben- bzw. Haldenschüttung abgelagert. Vor allem im nördlichen Teil der Altablagerung wiesen die Abfälle erhebliche Schadstoffgehalte auf. Ausgehend von diesem Teil der Altablagerung wurde das Grundwasser verunreinigt.

Im Jahr 2002 wurde der nördliche Teil der Altablagerung geräumt. Nach der Räumung konnte im nördlichen Teil der Altablagerung eine deutliche Verbesserung der Grundwasserqualität festgestellt werden. Aufgrund der durchgeführten Sanierungsmaßnahmen ist davon auszugehen, dass vom Bereich der Altablagerung keine mehr als geringfügigen Schadstoffeinträge in das Grundwasser ausgehen.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Sankt Pölten (Stadt),
St. Pölten,
Viehofen,
315/1, 316, 317/1, 318/2, 318/5
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Betriebsdeponie
Art der Ablagerungen: Industrie-/Gewerbemüll,
Bauschutt,
Hausmüll
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 12.000 m²
Volumen Altlast (m³): 50.000 m³
Schadstoff(e) Metalle (Zink, Kupfer, Blei)
Anorganische Schadstoffe (Sulfat)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 30.11.1999
Datum der Prioritätenfestlegung: 02.02.2000
Priorität: 3
Datum Ausweisung dekontaminiert: 15.10.2021
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Räumung
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.03.2000

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Altablagerung

Die Altablagerung „Glanzstoff – Deponie Nord“ befindet sich auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Glanzstoff Austria GmbH. Auf diesem Industriestandort wurde von 1906 bis 2008 eine Faserproduktion betrieben. Seit Beginn der Produktion wurden im nördlichen Bereich bzw. an der Nordgrenze des Werksgeländes Produktionsabfälle (z.B. Kohleaschen, Schlacken, Laugenschlamm, Zelluloseabfälle, Filtertücher, Viskose- und Spinnereiabfälle, Kalkschlamm) aber auch Werkstättenabfälle, hausmüllähnlicher Industrie- und Gewerbemüll sowie Bauschutt, Baustellenabfälle und Kies in Form einer Gruben- bzw. Haldenschüttung abgelagert. Die Ablagerungen wurden im Jahr 1990 beendet. Auf einer Fläche von ca. 24.000 m² waren Ablagerungen von ca. 50.000 m³ vorhanden. Die maximale Mächtigkeit der Ablagerungen war ca. 4,5 m. Die Deponiesohle befand sich knapp über den höchsten Grundwasserspiegellagen (ca. 1 m). Die Deponie wurde ohne technische Maßnahmen zum Grundwasserschutz errichtet.

Untergrundverhältnisse

Die Altablagerung befindet sich innerhalb der quartären Alluvionen des Traisentals. Das weitgehend ebene Gelände liegt auf etwa 263 m ü.A. Der Untergrund besteht aus ca. 7,5 m mächtigen sandigen und steinigen Kiesen (Traisenschotter), die den ersten Grundwasserleiter darstellen. Darunter folgen bis zu einer Tiefe von rund 40 m Sande mit wechselnden Schluff- und Feinkiesgehalten, die als relativer Grundwasserstauer angesprochen werden können. In diese Sedimente sind Sandstein-, Konglomerat- und Tonlagen eingeschaltet. Zwischen ca. 40 m und 47 m unter Gelände besteht der Untergrund aus Ton.

Der Grundwasserspiegel liegt im Bereich der Altablagerung auf etwa 256,5 bis 257 m ü.A. Der Flurabstand beträgt etwa 6 m. Die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters kann mit rund 10-3 m/s abgeschätzt werden. Es wurden Grundwasserspiegelschwankungen von etwa 1 m bis 1,5 m festgestellt. Das Grundwasserspiegelgefälle beträgt etwa 0,03 %. Die generelle Grundwasserströmung ist nach Norden bis Nordnordosten gerichtet. Die Mächtigkeit des Grundwassers kann mit etwa 4 m abgeschätzt werden. Der spezifische Durchfluss beträgt etwa 1 m³/d. Über die gesamte Abstrombreite von ca. 120 m kann der Durchfluss mit rund 125 m³/d angegeben werden.   

Schutzgüter und Nutzungen

Der nördliche Teil der Altablagerung wird als Grünfläche mit Bäumen bzw. als Lagerplatz genutzt. Der südliche Teil der Altablagerung ist großteils bebaut bzw. befestigt. Das Umfeld der Altablagerung wird auch als Grünfläche mit Bäumen oder gewerblich genutzt.

Am Nordwestrand der ehemaligen Deponie verläuft der Mühlbach und ca. 450 m östlich fließt die Traisen. Der örtliche Grundwasserkörper ist von hoher wasserwirtschaftlicher Bedeutung. Die Altlagerung befindet sich im Zustrombereich eines geplanten Grundwasserschutzgebietes.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Auf der Altablagerung „Glanzstoff - Deponie Nord“, die sich am Nordrand des ehemaligen Werksgeländes der Glanzstoff Austria GmbH befindet, wurden im Zeitraum von 1906 bis 1990 vorwiegend Produktionsabfälle (z. B. Kohleaschen, Schlacken, Laugenschlamm, Zelluloseabfälle, Filtertücher, Viskose- und Spinnereiabfälle, Kalkschlamm) sowie zum Teil auch hausmüllähnliche Gewerbeabfälle und Bauschutt deponiert. Der Ablagerungsbereich umfasste ein Volumen von ca. 50.000 m³.

Die Ablagerungen wiesen im nördlichen Teil der Altablagerung einen hohen organischen Anteil und Schwefelgehalt auf. Zusätzlich wurden hohe Metallgehalte festgestellt (Zink, Blei, Kupfer). Eluatuntersuchungen wiesen auf einen möglichen Einfluss von Sickerwasser auf das Grundwasser durch Sauerstoffreduktion und erhöhte Mineralisation hin. Vereinzelt wurden erhöhte Methan- und Kohlendioxidgehalte im Ablagerungsbereich festgestellt. Schwefelwasserstoff wurde bei allen Deponiegasmessstellen im nördlichen Ablagerungsbereich gemessen.

Der südliche Teil der Altablagerung ist großteils befestigt bzw. bebaut. Im Zuge der Bebauung wurde das Gelände begradigt und damit im Zusammenhang ein Teil der vorhandenen Ablagerungen entfernt. In den Untergrundaufschlüssen im südlichen Teil der Altablagerung wurden vorwiegend Aushubmaterial und Bauschutt und nur lokal standortspezifische Ablagerungen angetroffen. 

Der Grundwasserspiegel liegt nur knapp unter der Ablagerungssohle. Es existierten keine technischen Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers. Sickerwasser aus dem Ablagerungsbereich gelangte daher weitgehend ungehindert in das Grundwasser.

Bei den Grundwasseruntersuchungen im Bereich der Deponie wurden vor allem im nördlichen Teil der Altablagerung reduzierende Verhältnisse und eine erhöhte Gesamtmineralisation festgestellt. Eine Veränderung der Grundwasserqualität war bereits in den Grundwassermessstellen im Grundwasseranstrom der Deponie feststellbar. Das Grundwasser weist daher eine Vorbelastung auf. Es war jedoch anzunehmen, dass ein Teil der Grundwasserverunreinigung durch Sickerwassereintrag aus dem Ablagerungsbereich in das Grundwasser verursacht wurde.

 

SANIERUNGSMAßNAHMEN

Beschreibung der Maßnahmen

Zur dauerhaften Unterbindung von Schadstoffemissionen aus der ehemaligen Deponie ins Grundwasser wurde der nördliche Teil der Altablagerung geräumt. Ab März 2002 wurden folgende Sanierungsmaßnahmen durchgeführt:

  • Vorerkundung der Altablagerung durch Schürfe in einem Raster von 15 m x 15 m
  • Räumung des nördlichen Teiles der Altablagerung
  • Entnahme und Untersuchung von Materialproben aus der Deponiesohle
  • Lokale Wiederverfüllung
  • Errichtung von 3 Grundwassermessstellen sowie Entnahme und Untersuchung von Grundwasserproben aus bestehenden und neu errichteten Grundwassermessstellen vor, während und nach der Räumung

Aufgrund der Ergebnisse der Vorarbeiten wurde die Räumung des nördlichen Teiles der Altablagerung in einem Raster von 30 m x 30 m durchgeführt. Das geräumte Material wurde vor Ort vorsortiert und entweder zu den entsprechenden Entsorgungsanlagen transportiert oder für die Wiederverfüllung zwischengelagert. Die Aushubtiefe schwankte zwischen 1 m und 5 m. Eine Wasserhaltung während der Räumung war nicht notwendig, da die Aushubsohle immer über dem höchsten Grundwasserstand war.

Im Zuge der Räumung der Altablagerung ist man auf ein Gewölbe gestoßen, das großteils mit Kalkschlamm verfüllt war. Das gesamte Gewölbe wurde abgebrochen und entsorgt. Weiters wurde im Bereich der Altablagerung ein Schachtbrunnen angetroffen. Das Wasser im Schachtbrunnen wurde abgepumpt und zu einer Kläranlage gebracht. Der betonierte Deckel und der oberste Betonring des Schachtbrunnens wurden abgebrochen und der Brunnenschacht mit Schotter verfüllt.

Am Ende der Räumung der Altablagerung wurde das Material entlang des Mühlbaches, das als Hochwasserschutzdamm diente, entfernt. Der Hochwasserschutzdamm wurde anschließend mit Material, das für die Wiederverfüllung geeignet war, wiederhergestellt.

Auf einer Fläche von rund 12.000 m² wurden ca. 35.000 m³ Ablagerungen entfernt, wobei etwa 32.000 m³ entsorgt wurden. Die Durchführung der Aushubarbeiten und die Entsorgung erfolgten im Zeitraum von April bis Juni 2002.

Nach der Entfernung der abgelagerten Abfälle wurde das Gelände planiert. Das geräumte, für eine Wiederverfüllung geeignete Material, wurde einerseits für die Herstellung der Böschung im Bereich des Mühlbaches (ca. 650 m³) und andererseits für die Herstellung der Böschung im Bereich eines Betriebsweges (ca. 1.600 m³) verwendet. Nur ein geringer Teil des Materials wurde im Zuge der Planierungsarbeiten im Bereich der Aushubsohle eingearbeitet.

Beurteilung der Maßnahmen

Durch die Sanierungsmaßnahmen wurden die abgelagerten Abfälle im nördlichen Teil der Altablagerung entfernt. Bei der Untersuchung der Aushubsohle wurden keine oder nur geringe Belastungen des Untergrundes festgestellt. Nach der Räumung konnte im nördlichen Teil der Altablagerung eine deutliche Verbesserung der Grundwasserqualität festgestellt werden.

Aufgrund der durchgeführten Sanierungsmaßnahmen ist davon auszugehen, dass vom Bereich der Altablagerung keine mehr als geringfügigen Schadstoffeinträge in das Grundwasser ausgehen.

 

 

Datum der Texterstellung: Mai 2021