Altlast K7: Deponie Roßwiese

Die Altlast ist eine Deponie des benachbarten Betriebsstandortes der Treibacher Chemische Werke AG (TCW). Die TCW beschäftigt sich vor allem mit der Gewinnung und Verarbeitung seltener Metalle. 

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Sankt Veit an der Glan,
Althofen,
Althofen,
812
Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Sankt Veit an der Glan,
Althofen,
Treibach,
59/4
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Betriebsdeponie
Art der Ablagerungen: Industrie-/Gewerbemüll,
Bauschutt
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 41.000 m²
Volumen Altlast (m³): 490.000 m³
Schadstoff(e) Metalle (Chrom, Molybdän)
Anorganische Schadstoffe (Bor)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 10.01.1994
Datum der Prioritätenfestlegung: 23.08.1996
Priorität: 1
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Abdeckungen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 26.09.1996

Von 1950 bis 1992 wurden ca. 500.000 m³ Produktionsabfälle abgelagert, z. B.:

  • Rückstände aus der Laugung und der Abwasserreinigung der Vanadinanlage.
  • Schlacken aus dem Hüttenbereich und der Umschmelzanlage.
  • Tinkalschlämme aus der Perboratanlage.

Die Deponie wurde südlich von Treibach-Althofen auf der ehemaligen, ca. 100 m schmalen "Rosswiese" zwischen dem linken Ufer der Gurk und der Böschung der "Krappfeld-Terrasse" errichtet. Die Abfälle wurden ca. 20 m mächtig bis zum Niveau der Krappfeld-Terrasse in Form einer Hang- bzw. Haldenschüttung abgelagert.

Die Ablagerungen wurden direkt auf dem Gelände der Rosswiese ohne technische Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers begonnen. Später wurde auf einem Teil der Ablagerungen eine Zwischenabdeckung und eine Sickerwassererfassung errichtet. Die abgeschlossenen Deponiebereiche wurden mit einer mineralischen, gering durchlässigen Schicht abgedeckt.

Die Altlast befindet sich im nördlichen Bereich des Krappfeldes. Das Krappfeld ist ein tektonisches Becken mit einer bis zu 130 m mächtigen Sedimentauffüllung.

Generell sind im Krappfeld drei, durch gering durchlässige Feinkornschichten getrennte Grundwasserhorizonte vorhanden. Im Bereich der Deponie Roßwiese ist der oberflächennahe Aquifer entweder nicht oder nur als Sickerwasserhorizont vorhanden. Die im zentralen Krappfeld diesen obersten Aquifer vom Hauptgrundwasserkörper trennende Feinkornschicht ist im Bereich der Altlast nicht flächenhaft vorhanden. Bei einigen Bohrungen wurden in ca. 10 m Tiefe geringmächtige Schluffschichten angetroffen.

Von ca. 10 m bis ca. 25 m unter dem Gelände der Niederterrasse (die Hochterrasse ist ca. 20 m höher) bilden sandige Kiese den gut durchlässigen zweiten Grundwasserhorizont, der den Hauptgrundwasserkörper des Krappfeldes darstellt. Der Grundwasserspiegel liegt ca. 20 m unter GOK. Der dritte, tiefstliegende Grundwasserhorizont beginnt ab einer Tiefe von ca. 50 m.

Der Wasserspiegel der Gurk liegt ca. 15 m über dem Grundwasserspiegel. Es ist daher anzunehmen, daß Gurkwasser nur in geringen Mengen – vor allem bei Hochwasser – in das Grundwasser versickert.

Während die Gurk von Norden kommend im Bereich der Altlast nach Westen abbiegt, ist die Grundwasserströmungsrichtung großräumig nach Süden gerichtet. Diese generelle Strömungsrichtung ist weitgehend konstant und keinen jahreszeitlich bedingten Schwankungen unterworfen.

Aufgrund der großen Grundwasserentnahme aus dem Brunnen der TCW (bis 107 l/s) ist nördlich der Altlast ein deutlicher Absenktrichter vorhanden, der die lokale Grundwasserströmung stark beeinflusst. Die vorliegenden Grundwasserspiegelmessungen zeigen, dass der Einzugsbereich des Brunnens nicht bis zur Deponie Roßwiese reicht. Das Grundwasser strömt daher aus dem Bereich der Altlast entsprechend der großräumigen Strömungsrichtung nach Süden.

Das Krappfeld ist ein bedeutender Grundwasserspeicher Kärntens und ein Wasserschongebiet (LGBl. für Kärnten 148/92). Neben Einzelwasserversorgungen ist im Grundwasserabstrombereich der Deponie Roßwiese auch der Brunnen Kappel der Wasserversorgungsanlage Althofen vorhanden (Entfernung ca. 3 km). In einer Entfernung von ca. 5 km grundwasserstromab wurde ein Versuchsbrunnen des Wasserverbandes Klagenfurt-St. Veit an der Glan errichtet.

Gefährdungsabschätzung

Auf der Deponie "Rosswiese" wurden von 1950 bis 1992 ca. 500.000 m³ Produktionsabfälle der Treibacher Chemische Werke AG abgelagert. In Eluaten von Abfallproben wurden zum Teil sehr hohe Konzentrationen für Bor, Vanadium, Wolfram, Molybdän, Nickel und Chrom festgestellt. Das Sickerwasser aus dem Deponiebereich weist – zumindest zeitweise – sehr hohe Konzentrationen von Chlorid, Sulfat, Natrium, Bor, Chrom, Nickel, Molybdän, Wolfram und Vanadium auf.

Im Vergleich mit den Eluatklassen der ÖNORM S 2072 weist daher das Sickerwasser zumindest zeitweise Schadstoffkonzentrationen auf, die der Eluatklasse IV entsprechen. Das bedeutet, dass das anfallende Sickerwasser zum Teil höher belastet ist als Sickerwasser der Eluatklasse III, das laut ÖNORM S 2072 "gegebenenfalls nach entsprechender Vorbehandlung in eine Kanalisation mit angeschlossener biologischer Abwasserreinigungsanlage eingeleitet werden kann".

Entsprechend der deutschen Verwaltungsvorschrift für wassergefährdende Stoffe werden bestimmte Chrom-, Nickel- und Vanadiumverbindungen als "wassergefährdend" (Wassergefährdungsklasse II) oder als "stark wassergefährdend" (WGK III) eingestuft.

Die Art der Ablagerungen, die festgestellte Mobilisierbarkeit von Stoffen in umweltgefährdenden Konzentrationen und das Volumen der Ablagerungen verursachen ein sehr hohes Gefährdungspotential.

Im Grundwasserabstrom der Deponie wurden bei einigen Stoffen im Vergleich zum Grundwasserzustrom deutlich erhöhte Konzentrationen gemessen. Erhöht sind vor allem die elektrische Leitfähigkeit, die Chlorid-, Sulfat-, Natrium-, Bor- und Chromkonzentrationen, zeitweise auch die Molybdän- und Vanadiumkonzentrationen. Diese Veränderung der Grundwasserqualität ist bis zu 500 m grundwasserstromab erkennbar.

Die Veränderungen der Grundwasserqualität werden vor allem durch jene Stoffe verursacht, die auch in den Eluaten oder im Sickerwasser auffällig erhöht sind.

Im unmittelbaren Grundwasserabstrombereich der Deponie (Meßstelle P 1) werden die österreichischen Trinkwassergrenzwerte für Chlorid, Sulfat, Natrium und Bor (Richtzahl) deutlich überschritten, für Chrom erreicht. Die zeitweise festgestellten Molybdänkonzentrationen sind im Vergleich mit internationalen Sanierungsrichtwerten als sehr hoch zu bewerten. Für Vanadium gibt es derzeit keine international anerkannten Sanierungsrichtwerte. Die zeitweise festgestellten Vanadiumkonzentrationen im Grundwasser sind jedoch auffällig.

Die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen weisen nach, dass verunreinigtes Sickerwasser aus der Deponie Roßwiese in das Grundwasser versickert. Dadurch wird die Grundwasserqualität in einem Ausmaß verändert, daß das Grundwasser im unmittelbaren Grundwasserabstrombereich der Deponie keine Trinkwasserqualität mehr aufweist. Die Deponie Rosswiese verursacht daher eine erhebliche Verunreinigung des Grundwassers.

Bei der Beurteilung des Ausmaß der Umweltgefährdung bzw. -beeinträchtigung wirken sich im Fall der Deponie Roßwiese folgende Faktoren ungünstig aus:

  • die Ablagerungen enthalten Stoffe mit hoher Stoffgefährlichkeit (Schwermetalle);
  • die Stoffe in den Ablagerungen weisen zum Teil eine hohe Mobilisierbarkeit auf (bis "Eluatklasse IV");
  • das Volumen der Ablagerungen ist sehr groß (ca. 500.000 m³);
  • im Grundwasser ist eine deutlicher Eintrag von Sickerwasser erkennbar;
  • eine Veränderung der Grundwasserqualität wurde bis 500 m grundwasserstromab der Deponie festgestellt;
  • der Grundwasserkörper des Krappfeldes stellt einen bedeutenden Grundwasserspeicher Kärntens dar;
  • die Deponie befindet sich im Bereich eines Wasserschongebietes;
  • ca. 3 km grundwasserstromab befindet sich eine kommunale Wasserversorgungsanlage;
  • ca. 5 km grundwasserstromab ist die Errichtung einer Wasserversorgungsanlage von regionaler Bedeutung geplant.

Eher "günstig" bei der Beurteilung des Ausmaß der Umweltgefährdung bzw. -beeinträchtigung wirken sich folgende Faktoren aus:

  • die Deponiesohle liegt ca. 20 m über dem Grundwasserspiegel;
  • in Teilbereichen der Deponie gibt es technische Einrichtungen zur Sickerwassererfassung;
  • abgeschlossene Deponieabschnitte wurden mit einer gering durchlässigen, mineralischen Schicht abgedeckt.

Datum der letzten Textüberarbeitung:    Mai 1996