Sanierte Altlast K3: Tauschitz-Gründe

Auf einer rund 4 ha großen Fläche 5 km nordöstlich des Stadtzentrums von Klagenfurt in der Gemeinde Hörtendorf wurde bis 1973 in einer aufgelassenen Lehmgrube eine Deponie betrieben. Abgelagert wurden Hausmüll und hausmüllähnliche Abfälle, untergeordnet auch Bauschutt, mit einem Gesamtvolumen von rund 200.000 m³. Voruntersuchungen zeigten, dass die Altablagerung ein erhebliches Schadstoffpotenzial aufwies. Die Sickerwasseremissionen stellten eine Gefahr für die Umwelt dar.

In den Jahren 1998 bis 2000 erfolgte die Sanierung, die die Umlagerung der Abfälle auf die westlich angrenzende Deponie Hörtendorf umfasste.

Der Sanierungserfolg wurde durch chemische Analysen an der Sohle und an den Randbereichen der ausgehobenen Grube bestätigt. Mittels Grundwasseruntersuchungen wurde nachgewiesen, dass von der Altablagerung "Tauschitz-Gründe" keine erheblichen Auswirkungen auf das Schutzgut Grundwasser mehr ausgehen. Die Altablagerung ist als saniert zu bewerten.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Klagenfurt (Stadt),
Klagenfurt am Wörthersee,
Hörtendorf,
365, 1038/2, 1040/6, 1042/4, 1378/1, 1378/2, 1378/3
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Kommunale Deponie
Art der Ablagerungen: Hausmüll,
Bauschutt
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 50.000 m²
Volumen Altlast (m³): 200.000 m³
Schadstoff(e) Deponiegas (Methan)
Deponiesickerwasser (Ammonium)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 05.09.1990
Datum der Prioritätenfestlegung: 28.06.1991
Priorität: 2
Datum Ausweisung dekontaminiert: 15.04.2011
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Räumung
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 10.07.1991

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Altablagerung

Die Altablagerung "Tauschitz-Gründe" liegt rund 5 km nordöstlich des Stadtzentrums von Klagenfurt in der Katastralgemeinde Hörtendorf und grenzt direkt östlich an die Altlast K 2 "Hörtendorf", welche nach Umschließung zur Deponie Hörtendorf ausgebaut wurde. Rund 10 m südlich der Altablagerung fließt der Raba-Bach, 400 m nördlich verläuft die Südautobahn A2.
Vor der Inbetriebnahme der angrenzenden Altablagerung "Hörtendorf" wurde die ehemalige Lehmgrube "Tauschitz-Gründe" bis etwa 1973 mit Hausmüll verfüllt. Insgesamt wurden auf dieser rund 4 ha großen Fläche rund 200.000 m³  Müll mit einer maximalen Mächtigkeit von bis zu 7 m abgelagert. Die Müllschüttung erfolgte direkt in das in den Lehmgruben angesammelte Niederschlags- bzw. Fremdwasser. Das durch den Müll verdrängte Wasser wurde während der Verfüllung direkt in den Raba-Bach abgeleitet. Die Müllablagerungen wurden nach Ende der Schüttungen mit einer 0,9 m mächtigen Schicht aus Erdmaterial abgedeckt.

Untergrundverhältnisse

Die Altlast liegt in einem Bereich, in dem Seetone unterschiedlicher Mächtigkeit (1 - 15 m) vorliegen. Über den schluffigen Seetonen, welche als sehr gering durchlässig (kf ca. 10-8 m/s) anzusprechen sind und den Grundwasserstauer für den ersten Grundwasserhorizont darstellen, liegt eine bis zu 3 m mächtige Schicht aus Fein- bis Grobkiesen vor. Diese Kiesschicht wird nochmals in Teilbereichen von einer bis zu 1,8 m mächtigen Torfschicht überlagert. Die zwischengelagerte Kiesschicht stellt den gut durchlässigen (kf = 10-2 bis 10-3 m/s) 1. Grundwasserleiter  dar, welcher aufgrund seiner Geringmächtigkeit jedoch nur von untergeordneter Bedeutung ist. Unterhalb der Seetone steht viele Meter mächtiges, grobkörniges Moränenmaterial an. Diese Kiese (kf = 10-2 bis 10-3 m/s) stellen den sehr gut durchlässigen Hauptgrundwasserleiter und damit das 2. GW-Stockwerk dar. Der Grundwasserflurabstand des 1. Stockwerkes wurde im Bereich außerhalb der Altablagerung bei rund 1,8 m unter GOK angetroffen. Im Bereich der Schüttung lag der Flurabstand bei 2,5 m unter GOK. Das Grundwasser des 2. Stockwerkes  liegt zum Teil gespannt vor, der freie Grundwasserspiegel wurde bei rund 11 bis 14 m unter GOK, und damit deutlich unterhalb der Ablagerungssohle angetroffen. Die Hauptströmungsrichtung des Grundwassers ist den Raba-Bach begleitend nach Südsüdosten gerichtet.

Schutzgüter und Nutzungen

Orthophoto der Altablagerung inklusive Nutzungen

Ein Teilbereich der Altablagerung wird als Betriebsgelände genutzt, weiters liegt eine Ruderalbrache vor. In der unmittelbaren Umgebung der Altablagerung gibt es keine Wohnbebauung, die nächsten Siedlungen sind ca. 500 m in Richtung Südwesten bzw. Nordosten entfernt. Auf den südlich sowie nordwestlich an die Altablagerung angrenzenden Flächen stehen Betriebsgebäude der KAB (Kärntner Abfallbewirtschaftung GmbH Klagenfurt).

Direkt westlich an die Altablagerung grenzt die Dichtwand der Deponie Hörtendorf an. In den entfernten Siedlungen wird das Grundwasser aus Hausbrunnen für Trink- und Nutzwasserzwecke verwendet. Direkt südlich der Altablagerung fließt der Raba-Bach.

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Grundlagen für die Bewertung des Gefahrenpotentials der Altablagerung "Tauschitz-Gründe" waren das Projekt zur Sicherung der Altlast und die Ergebnisse von Grundwasseruntersuchungen im Bereich der Altablagerung, welche dem Umweltbundesamt vom Magistrat der Stadt Klagenfurt und dem Amt der Kärntner Landesregierung zur Verfügung gestellt wurden.

An den Rändern der Altlast wurden 6 Bohrungen abgeteuft. Aus 3 Bohrungen wurden Grundwasserproben entnommen. Soweit aus den Unterlagen ersichtlich war, wurden diese Proben aus dem obersten Grundwasserhorizont entnommen. Alle 3 Grundwasserproben wiesen hohe Schadstoffkonzentrationen auf, wie sie durch Sickerwässer von Müllablagerungen verursacht werden (v.a. Leitfähigkeit, Ammonium, TOC, etc.).

Im Zusammenhang mit der Grundwasserbeweissicherung für die benachbarte Deponie "Hörtendorf" erfolgten Grundwasserprobenahmen an Messstellen aus dem direkt im Umfeld, sowie aus Hausbrunnen in größerer Entfernung (ca. 500 - 1500 m). Das Grundwasser wurde, soweit es in den vorhandenen Unterlagen erkennbar war, aus dem tieferliegenden 2. GW-Stockwerk, dem Hauptgrundwasserleiter, entnommen.

Die vorliegenden Ergebnisse der ersten beiden Grundwasserprobenahmen zeigten, dass in den grundwasserabstromig der Altablagerung "Tauschitz-Gründe" liegenden Messstellen für einige Grundwasserqualitätsparameter (z.B. Ammonium, Eisen, Mangan, TOC und CSB) Überschreitungen der Trinkwassergrenzwerte feststellbar waren. Entsprechend dem großen Ablagerungsvolumen und den festgestellten Ablagerungsarten wies die Altablagerung "Tauschitz Gründe" ein erhebliches Schadstoffpotenzial auf. Die Sickerwasseremissionen stellten eine Gefahr für die Umwelt dar.

 

SANIERUNGSMAßNAHMEN

Im Zeitraum von Oktober 1998 bis April 2000 wurden an der Altablagerung "Tauschitz-Gründe" folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Baustelleinrichtung und Herstellung von Baustraßen
  • Errichtung 300 lfm Fremdwasserumleitung zur Ableitung von anströmendem Wasser
  • Entwässerung und Aushub von 222.000 t Abfall
  • Trennung des Aushubs in inertes Material, Metalle, Reifen und Hausmüll
  • Verfuhr des Hausmülls auf die angrenzenden Deponie Hörtendorf
  • Abtransport Reifen und Metalle zur Aufbereitung bzw. Entsorgung
  • Lagerung/Wiedereinbau des Inertmaterials als Baustraßen und zur Böschungssicherung
  • Teilverfüllung, Profilierung und Rekultivierung der offenen Grube

Während der Aushubarbeiten erfolgten Beweissicherungsuntersuchungen in Form von Feststoffanalysen der Baugrubensohle sowie Sickerwasseranalysen der gefassten Grubenwässer. Die Grund­wasserbeweissicherung erfolgt im Rahmen der Beweissicherung der Deponie Hörtendorf. Weiters umfasst dieses Beweis-sicherungsprogramm die Untersuchung von Wasserproben aus dem Raba-Bach (RM; im Weiteren nicht betrachtet, da sich keine signifikanten Konzentrations-unterschiede zwischen der Messstelle RM4 und RM5 zeigten). Zur allgemeinen Übersicht sind in nebenstehender Abbildung der Aushubbereich sowie die Lage der GW-Messstellen, welche vor bzw. nach der Räumung zur Verfügung standen, eingetragen. Die aktuell analysierten GW-Messstellen des Beweissicherungs-programms Deponie Hörtendorf sind in der vorigen Abbildung dargestellt.

Beurteilung des Sanierungserfolges

1990 wurde die rund 4 ha große und 200.000 m³ umfassende Altablagerung "Tauschitz-Gründe" als Altlast ausgewiesen. Entsprechend dem großen Ablagerungsvolumen und den festgestellten Ablagerungsarten wies die Altablagerung ein erhebliches Schadstoffpotenzial auf. Die Sickerwasseremissionen stellten eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar. Durch eine Räumung sollte ein weiterer Austritt von Sickerwässern aus der Altablagerung und damit ein Eintrag von Schadstoffen in das Grundwasser unterbunden werden.

In den Jahren 1998 bis 2000 erfolgten Sanierungsarbeiten, die die Umlagerung der Abfälle auf die westlich angrenzende, mit einer Dichtwand umschlossene, Deponie Hörtendorf umfassten. Die Ansprache der ausgehobenen Materialien bestätigten die primäre Ablagerung von Hausmüll und hausmüllähnliche Abfälle. Insgesamt wurden 222.000 t  Abfall ausgehoben. Unter der Annahmen einer feuchten Lagerungsdichte von rund 1,2 t/m³ für die durchschnittlich 5 m mächtige Ablagerung wurden damit rund 185.000 m³ Material geräumt. Zusätzliche rund 8.000 m³ konnten aufgrund existierender Gebäude nicht geräumt werden. Die Summe von rund 193.000 m³ (geräumter + verbliebener Abfall) bestätigte die Gesamtgröße der Altablagerung.

Die Fotodokumentation der Räumung sowie die Feststoffanalytik des freigelegten Untergrundes (Sohlbeweissicherung) bestätigten die Entfernung des Hausmülls bzw. des kontaminierten Untergrundes. Ausgenommen hiervon sind zwei keine Teilbereiche, weniger als 5 Vol.-% der alten Schüttung mussten am Standort verbleiben.

Die Kontrolle des Sanierungserfolges wurde neben der Feststoffanalytik des Untergrundes im Rahmen des Grundwasserbeweissicherungsprogramms der umschlossenen Deponie Hörtendorf geführt. Dieses Beweissicherungsprogramm beschränkt sich primär auf das ergiebigere zweite Grundwasserstockwerk. Die höchsten Konzentrationen im ergiebigen 2. GW-Stockwerk traten bei annähernd allen Parametern im Anstrom der Altablagerung "Tauschitz-Gründe" auf. Am Standort liegt ein hartes Wasser vor, Magnesium liegt unabhängig der Messstellen oberhalb des Prüfwertes der ÖNORM S2088-1. Überschreitungen von Prüfwerten der ÖNORM S2088-1 für Schadstoffe treten im Abstrom nur sehr punktuell für Ammonium und Arsen auf. Betreffend den Parameter Ammonium ist im Abstrom ein signifikanter Rückgang in den Jahren nach der Räumung erkennbar. Dass die noch vorhandenen Ammonium- sowie Arsenkonzentrationen auf die geräumte Altablagerung "Tauschitz-Gründe" zurückgeführt werden können, ist aufgrund weiterer Eintragsquellen als nicht wahrscheinlich anzusehen. Es ist anzunehmen, dass die Ursache der Belastung primär auf die rund 400 m anstromig gelegene Autobahn A2 zurückzuführen ist. Dieser Einfluss zeigt sich auch deutlich in den vorliegenden Sulfat- und Chloridkonzentrationen sowie der Gesamthärte und Leitfähigkeit.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass aufgrund der geringen verbliebenen Schadstoff- bzw. Abfallmengen und den Gegebenheiten am Standort der Altablagerung "Tauschitz-Gründe" keine signifikanten Auswirkungen auf das Schutzgut Grundwasser mehr erkennbar bzw. vorhanden und auch zukünftig nicht zu erwarten sind. Zusammenfassend ergibt sich, dass von der Altablagerung "Tauschitz-Gründe" keine erheblichen Gefahren für das Schutzgut Grundwasser mehr ausgehen und die Altlast als saniert zu bewerten ist.

Datum der letzten Textüberarbeitung: November 2010