Sanierte Altlast K19: ELAN Tanklager Raiffeisenstraße

Am Areal des ehemaligen ELAN Tanklagers in der Raiffeisen Straße in Klagenfurt wurden Belastungen des Grundwasserschwankungsbereiches mit Mineralölkohlenwasserstoffen festgestellt. Die Untergrundverunreinigungen verursachten eine erhebliche Gefahr für das Grundwasser.

In den Jahren 2001 bis 2003 wurden Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Der kontaminierte Untergrund wurde großteils durch Aushub entfernt. Die Aushubbereiche wurden mit geeignetem Material wiederverfüllt. Restkontamination wurden durch zusätzliche hydraulische Sanierungsmaßnahmen in geringem Umfang reduziert. Die noch im Untergrund vorhandenen Verunreinigungen stellen keine erhebliche Gefahr mehr für das Grundwasser dar. Die Altlast ist daher als saniert zu bewerten.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Klagenfurt (Stadt),
Klagenfurt am Wörthersee,
St. Ruprecht bei Klagenfurt,
197/10
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Mineralöl-, Treibstofflager
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 4.000 m²
Schadstoff(e) Mineralölkohlenwasserstoffe (Benzin, Diesel/Heizöl)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 25.08.2000
Datum der Prioritätenfestlegung: 04.05.2001
Priorität: 3
Datum Ausweisung dekontaminiert: 01.06.2005
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Räumung,
Hydraulische Maßnahmen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.06.2005

BESCHREIBUNG DES ALTSTANDORTES

Bei dem Altstandort handelt es sich um ein Tanklager für Mineralölprodukte, das von 1960 bis 1986 betrieben wurde. Der Altstandort befindet sich am südlichen Stadtrand von Klagenfurt. Die Mineralölprodukte wurden in unterirdischen Tanks und in Gebinden gelagert. Es existierten vier Behälter mit einem Volumen von je 80.000 l und zwei Behälter mit je 15.000 l. In den Behältern wurden Benzin, Diesel und Heizöl gelagert. Befüllt wurden die Anlagen von Kesselwaggons und Tankfahrzeugen. Am Standort wurde auch eine Tankstelle betrieben. Das Tanklager umfasste eine Gesamtfläche von 3.800 m². Die Tanks wurden Ende 1996 entfernt. Auch die anderen Anlagen und Gebäude wurden bereits größtenteils entfernt.

Beschreibung der Untergrundverhältnisse

Der Untergrund im Bereich des Altstandortes wird aus Sedimenten der Glan aufgebaut. Die Mächtig­keit der Sedimente wird mit rund 100 m angenommen. Ca. 10 bis 15 m unter Gelände bestehen die Sedimente aus gut durchlässigen Kiesen und Sanden. Darunter wird der Untergrund mit zunehmender Tiefe feinkörni­ger (Sande, Schluffe, Bändertone, Konglomeratzwischenlagen). Der Grundwasserspiegel liegt ca. 3 - 5 m unter Gelände. Die Grundwasserfließrichtung ist Nordosten.

Beschreibung der Schutzgüter und Nutzungen

Der Altstandort befindet sich in einem industriell genutzten Stadtteil von Klagenfurt und ist derzeit eine Brachfläche. Im näheren Abstrom sind keine geschützten Grundwasservorkommen oder Grundwassernutzungen bekannt. Die Glanfurt (Oberflächengewässer) befindet sich ca. 500 m südlich.

Gefährdungsabschätzung

Auf dem Standort wurde von 1960 bis 1986 ein Lager für Mineralölprodukte betrieben. Auf einer Gesamtfläche von ca. 3.800 m² befanden sich zwei Tankgruppen, in denen Benzin, Diesel und Heizöl gelagert wurden. Die Tanks wurden von Kesselwaggons oder Tankfahrzeugen befüllt. Niederschlagswässer wurden gesammelt und über Ölabscheider am Standort versickert. Die Tanks, Fülleinrichtungen und Gebäude wurden bereits entfernt.

Vor allem im Bereich der Tankanlagen, Fülleinrichtungen und Ölabscheider kam es zu massiven Verunreinigungen des Untergrundes mit Mineralölprodukten. Die Verunreinigungen breiteten sich auf der Grundwasseroberfläche aus. Der kontaminierte Bereich erstreckte sich vor allem im nördlichen Teil des Tanklagers auf einer Fläche von ca. 2.000 m². Am Ostrand reichte der kontaminierte Bereich über den Betriebsstandort hinaus. Am Nordrand des Altstandortes war ebenfalls anzunehmen, dass die Kontaminationen im Grundwasserschwankungsbereich über den Rand des Standortes hinausreichen. Im Südteil des Tanklagers, in dem vor allem Lagerhallen und Betriebsgebäude existierten, wurden nur im Bereich von Ölabscheidern Kontaminationen gefunden.

Die Grundwasseruntersuchungen zeigten, dass im Bereich des Altstandortes eine Verunreinigung des Grundwassers mit Mineralölprodukten vorhanden war. Ausgehend von der östlichen Tankgruppe wurde eine Grundwasserverunreinigung bis 25 m grundwasserstromab festgestellt. Auch am nördlichen Rand wurden im Grundwasser zeitweise erhebliche Mineralölverunreinigungen festgestellt. Die am Nordrand in einer Grundwasserprobe festgestellte Trichlorethenverunreinigung konnte nicht auf das Tanklager zurückgeführt werden.  Eine Beeinträchtigung von Grundwassernutzungen war nicht anzunehmen.

 Zusammenfassend war festzustellen, dass im Bereich des Altstandortes ausgehend von der Lagerung von Mineralölprodukten eine erhebliche Verunreinigung des Untergrundes und des Grundwassers verursacht wurde. Grundwasserverunreinigungen wurden bis ca. 25 m grundwasserstromab festgestellt. Eine großräumige Ausbreitung von Schadstoffen und eine Beeinträchtigung von Grundwassernutzungen war nicht anzunehmen. Der Altstandort stellte eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

Beschreibung der Sanierungsmaßnahmen

Im Zuge der Sanierung der Untergrund- und Grundwasserverunreinigungen wurden im Zeitraum von Juni 2001 bis Juni 2003 folgende Maßnahmen durchgeführt:

Entfernen des kontaminierten Untergrundes

  • Abtrag von überlagerndem, nicht kontaminiertemBodenmaterial
  • Aushub und Entsorgung von kontaminiertem Bodenmaterial
  • Abpumpen von Grundwasser im Zuge des Bodenaushubes
  • Absaugen der im Grundwasser aufschwimmenden Ölphase
  • Grundwasserreinigung und Ableitung in die Kanalisation
  • Verfüllung der ausgehobenen Bereiche mit nichtkontaminiertem Voraushubmaterial bzw. zugeführtem Material

Hydraulische Sanierung/Dekontamination

  • Errichtung von 8 Grundwassersanierungsbrunnen
  • Grundwasserentnahme in 2 Bereichen im direkten Abstrom der Altlast
  • Wasserreinigung über Mineralölabscheideanlagen und Aktivkohlefilter
  • Versickern von Wasser zur Durchströmung des kontaminierten Untergrundes
  • Hydraulische Sicherung durch abstromige Versickerung

Beweissicherungsmaßnahmen

  • Laufende Beprobung und Analyse des Aushubmaterials
  • Untersuchung der Aushubsohle
  • Grundwasserbeweissicherung vor, während und nach den Sanierungsarbeiten

Ziel der Sanierungsmaßnahmen war die Entfernung bzw. Dekontamination der kontaminierten Untergrundbereiche in einem Ausmaß, sodass nur mehr geringfügige Restbelastungen im Untergrund verbleiben und keine weitere  Ausbreitung von Schadstoffen im Grundwasser stattfinden kann.

Entfernung des kontaminierten Untergrundes

Der verunreinigte Untergrund wurde durch Aushub entfernt. Die Aushubarbeiten wurden im Zeitraum von Juni 2001 bis Jänner 2002 durchgeführt. Der Aushub erfolgte entsprechend der Grundwasserströmungsrichtung größtenteils von Südwesten bis Nordosten, wobei der ausgehobene Bereich in 23 "Sanierungsflächen" gegliedert wurde.

Das ausgehobene Material war bis zu einer Aushubtiefe von 3,5 - 4 m meist nicht verunreinigt und wurde zwischengelagert. Das kontaminierte Bodenmaterial befand sich vorwiegend im Grundwasserschwankungsbereich und tiefer zwischen etwa 4,0 und 8,0 m. Zur statischen Absicherung der Baugrube wurde im nordöstlichen Teil des Altstandortes eine Spundwand errichtet.

Insgesamt wurden etwa 17.000 t ölverunreinigtes Aushubmaterial und etwa 235 t Baurestmassen und andere Abfälle (Ölabscheiderinhalte, Werkstättenabfälle, Asphaltaufbruch, Betonaufbruch, Holz) entsorgt.

Während der Baggerungen im Grundwasserbereich wurde der Grundwasserspiegel temporär abgesenkt, wobei die Grundwasserabsenkung direkt aus der offenen Baugrube erfolgte. Das abgepumpte Wasser wurde vor der Einleitung in die öffentliche Kanalisation über zwei Ölabscheider mit vorgeschalteten Absetzmulden und Aktivkohlefilter gereinigt.

Zum Nachweis des Sanierungserfolges wurden die Aushubbereiche sowohl an der Sohle als auch seitlich beprobt und auf die Parameter Summe KW und Summe BTEX untersucht. Die Probenahme erfolgte horizontiert in Tiefenstufen mit jeweils 0,5 m Intervallen, wobei die Beprobung der ungesättigten Bodenzone bis 4,5 m unter GOK, die Beprobung in der gesättigten Bodenzone bis 5,0 m unter den Grundwasserspiegel erfolgte. Die tiefenstufenspezifisch entnommenen Proben wurden jeweils als Mischproben innerhalb der einzelnen Sanierungsflächen entnommen. Mit zunehmender Tiefe war größtenteils sowohl organoleptisch als auch analytisch eine Abnahme der Belastungen feststellbar.

Im Zuge der Aushubarbeiten stellte sich heraus, dass die Untergrundverunreinigungen tiefer reichen als ursprünglich angenommen (bis mehr als 3,5 m unter dem Grundwasser). Eine Entfernung dieser tiefreichenden Verunreinigungen durch Aushub wäre nur mit großem Aufwand möglich gewesen (aufwändiger Unterwasseraushub, Standsicherheitsprobleme bei Böschungen und Spundwand). Stellenweise verblieben daher verunreinigte Bereiche nach Ende der Aushubarbeiten im Untergrund.

Die ausgehobenen Bereiche wurden wiederverfüllt. In der wassergesättigten Bodenzone erfolgte die Wiederverfüllung mit angeliefertem Material. In der wasserungesättigten Bodenzone konnte auch am Standort ausgehobenes, nicht verunreinigtes Material verfüllt werden. Etwa 13.500 m3 Material wurden für die Wiederverfüllung zugeführt.

Hydraulische Sanierung

Nach Abschluss der Aushubarbeiten verblieben im wesentlichen drei Bereiche mit Restkontaminationen:

  • Bereich nördlich der Aushubgrenze
  • Westlicher Bereich des ehemaligen Tanklagers
  • östlicher Bereich entlang der Raiffeisenstraße

Die Untergrundverunreinigungen nördlich des Aushubbereiches wurde durch zusätzliche Bohrungen abgegrenzt. Im westlichen Bereich des Tanklagers und im östlichen Bereich an der Raiffeisenstraße waren tiefliegende Restkontaminationen vorhanden.

Insgesamt wurden acht Sanierungsbrunnen und sieben Versickerungsbrunnen errichtet. Bei der Errichtung der Brunnen und bei der Untersuchung des Grundwassers in den Brunnen wurden nur mehr geringe Verunreinigungen im Untergrund und im Grundwasser festgestellt. Im November 2002 wurde die Sanierungsanlage in Betrieb genommen. Insgesamt wurden ca. 10 l/s Grundwasser entnommen und wiederversickert. Aufgrund der geringen Kontamination des geförderten Grundwassers wurde der Sanierungsbetrieb nach ca. einem Monat im Dezember 2002 eingestellt.

Während der Entfernung der Spundwand im nordöstlichen Teil des Standortes wurden ein Teil der Sanierungsbrunnen in Betrieb genommen, um eventuell mobilisierte Schadstoffe zu erfassen. Dabei wurde für die Dauer von 10 Tagen aus den Sanierungsbrunnen ca. 4 l/s entnommen und wiederversickert.

Grundwasserbeweissicherung

Nach Ende des Betriebes der hydraulischen Sanierungsanlage wurden in dreimonatigen Zeitabständen Beprobungen der Grundwassermessstellen durchgeführt.

Fallweise wurden BTEX Konzentrationen, die mehrfach über dem Sanierungszielwert lagen, gemessen (KB 8, KB9). Geringfügige Überschreitungen des Sanierungszielwertes für Σ KW  wurden  in KB 8 und KB 11 festgestellt.  In den Sanierungsbrunnen SB1 bis SB8 im März bzw. Juni 2003 gemessene BTEX und KW Konzentrationen waren unauffällig, ebenso jene im Mai in SB 5 – SB 8 ermittelten.  Ebenso lagen die  Messwerte der in denselben Monaten entnommenen Schöpf- und Pumpproben aus den Pegeln BKB1 und BKB 2  für den Parameter Σ KW < 0,05 mg/l bzw. für BTEX < 0,002 mg/l.

Beurteilung der Sanierungsmaßnahmen

Die verunreinigten Untergrundbereiche am Altstandort wurden größtenteils durch Aushub entfernt. Insgesamt wurden ca. 17.000 t verunreinigter Untergrund entfernt. Stellenweise verblieben Restkontaminationen im Untergrund. Bei der Errichtung zusätzlicher Einrichtungen zur Grundwassersanierung zeigte sich, dass die verbliebenen Kontaminationen im Untergrund nur mehr geringe Auswirkungen auf die Grundwasserqualität hatten.

Bei der Grundwasserbeweissicherung nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wurden an einzelnen Proben noch Kohlenwasserstoffgehalte über den Sanierungszielwerten festgestellt. Am letzten Untersuchungstermin im Juni 2003 wurden in den untersuchten Proben keine aliphatischen und aromatischen Kohlenwasserstoffe festgestellt. Anzumerken ist, dass die untersuchten Grundwasserproben vorwiegend als Pumpproben genommen wurden (nur an einem Termin nach den Aushubarbeiten wurden auch Schöpfproben genommen). Mit Pumpproben können die bei Mineralölaltlasten auf der Grundwasseroberfläche aufschwimmenden Schadstoffe kaum erfasst werden. Die Grundwasserbeweissicherung lässt daher kaum Rückschlüsse über das Ausmaß der grundwasseroberflächennahen  Belastung mit Kohlenwasserstoffen zu. Es kann jedoch aufgrund der vorliegenden Ergebnisse angenommen werden, dass die Belastungen des Grundwassers mit Kohlenwasserstoffen nur mehr gering sind.

Zusammenfassend ist aufgrund der durchgeführten Sanierungsmaßnahmen und Beweissicherungsuntersuchungen festzustellen, dass im Bereich des Altstandortes Restkontaminationen im Untergrund verblieben sind. Von diesen Restkontaminationen geht keine erhebliche Gefahr mehr für das Grundwasser aus. Die Altlast ist daher als saniert zu bewerten.

Datum der Texterstellung: Dezember 2004