Gesicherte Altlast K15: BBU Schlackendeponie neu

Seit dem Jahr 1988 wurden auf einem rund 5.500 m² großen Standort der Bleiburger Bergwerks Union bis zum Jahr 1993 rund 17.800 m³ Schlacken aus der Zink- und Bleihütte Arnoldstein ohne technische Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers abgelagert.

Insgesamt wiesen die abgelagerten Abfälle hohe Schadstoffgehalte auf und stellten eine erhebliche Gefährdung für das Grundwasser dar. Im Jahr 1995 erfolgt die oberflächige mineralische Abdichtung der Ablagerung inklusive Fassung und Ableitung der anfallenden Oberflächenwässer. Mittels qualitativer Grundwasserkontrolluntersuchungen wurde nachgewiesen, dass von der Altablagerung keine erheblichen Auswirkungen auf das Schutzgut Grundwasser ausgehen. Die Altablagerung ist als gesichert zu bewerten.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Villach Land,
Arnoldstein,
Arnoldstein,
842/1, 843, 1262
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Betriebsdeponie
Art der Ablagerungen: Industrie-/Gewerbemüll
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 5.500 m²
Volumen Altlast (m³): 17.800 m³
Schadstoff(e) Anorganische Schadstoffe (Sulfat, Chlorid)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 18.10.1995
Datum der Prioritätenfestlegung: 28.12.1995
Priorität: 2
Datum Ausweisung gesichert: 01.08.2014
Status Maßnahme: in Betrieb
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Abdeckungen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 28.02.1997

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Altablagerung

Die Altablagerung "BBU Schlackendeponie neu" befindet sich im unteren Gailtal in der Gemeinde Arnoldstein rund 300 m östlich des Altstandortes "BBU Blei- und Zinkhütte Arnoldstein" und ist eine Werksdeponie der Bleiberger Bergewerks Union (BBU) bzw. der Blei- und Zinkhütte.

Die Deponie ging 1988 in Betrieb und war für die Ablagerung von Dörschelofenschlacken (Rückstände aus der Zinkhütte) und KTO-Schlacken (Rückstände aus der Bleihütte) vorgesehen. Bis Mitte des Jahres 1993 waren auf der 5.500 m² großen Halden- bzw. Hangdeponie rund 17.800 m³ Abfälle mit einer maximalen Schütthöhe von 8 m abgelagert worden. Bei der Errichtung der Deponie wurden keine deponietechnischen Maßnahmen zur Sickerwassererfassung (Basisabdichtung, Sickerwassersammlung) getroffen.

Untergrundverhältnisse

Den Hauptgrundwasserkörper im Bereich der Altablagerung bilden die quartären Sedimente des Gailitztales. Durch mehrere Bergsturzereignisse des Dobratsch und damit verbundenen Veränderungen der Abflussbedingungen für Gail und Gailitzbach ergab sich eine komplexe Sedimentationsgeschichte im Bereich der Altablagerung.

Unter Berücksichtigung der zum Teil sehr wechselhaften Untergrundverhältnisse kann folgendes generelles Schema für den Aufbau der quartären Talfüllung angenommen werden. Über einem Grundwasserleiter aus fluviatilen Kiesen lagern Deckschichten aus Schluffen oder Bergsturzmassen des Dobratsch. Die Grundwassersohle bilden eiszeitliche Bänderschluffe, Grundmoränen und postglaziale Stauseesedimente. Entsprechend der Heterogenität der Deckschichten ist der Flurabstand lokal sehr unterschiedlich (3 bis 25 m) und befindet sich im Bereich der Altablagerung rund 10 m unterhalb der Deponiesohle. Die Mächtigkeit des Grundwasserkörpers kann generell in der Größenordnung von 20 m angenommen werden. Die grundwasserleitenden Sedimente zeigen eine gute Wasserdurchlässigkeit (kf-Werte: 4*10-3 bis 4*10-4 m/s).

Großräumig ist die Fließrichtung des Grundwassers nach Nordosten gerichtet. Das entsprechend der Fließrichtung der Gailitz nach Norden strömende Gailitzgrundwasser wird von dem nach Osten fließenden Gailgrundwasser nach Nordosten abgedrängt. Den inhomogenen Untergrundverhältnissen entsprechend können kleinräumig große Abweichungen von der generellen Grundwasserströmungsrichtung auftreten.

Schutzgüter und Nutzungen

Die Altablagerung ist heute rekultiviert und mit Gräsern begrünt. Westlich und damit im Grundwasseranstrom der Altablagerung befindet sich der ehemalige Industriestandort bzw. die Altlast K 6 "BBU Blei- und Zinkhütte Arnoldstein". Südlich und östlich befinden sich forstwirtschaftlich genutzte Flächen. Im Norden der Altablagerung liegen nicht bewachsenen Bereiche bzw. Ruderalflächen vor. Südlich und östlich befinden sich in einer Entfernung von rund 200 bis 500 m Siedlungsgebiete von Arnoldstein. Unmittelbar im Grundwasser­abstrom der Altablagerung, im Nordosten, beginnt das Wasserschongebiet "Dobratsch". Grundwassernutzungen abstromig der Altablagerung sind nicht bekannt.

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Im Jahr 1988 wurde östlich des damaligen Industriestandortes "BBU Blei- und Zinkhütte Arnoldstein" eine Deponie für Schlacken aus dem Hüttenbereich eingerichtet. Bis 1993 wurden rund 17.800 m³ Dörschelofenschlacken aus der Zinkhütte und KTO-Schlacken aus der Bleihütte Arnoldstein ohne technische Maßnahmen zum Grundwasserschutz abgelagert.

Feststoffuntersuchungen an zwei Schlackenproben zeigten, dass die Schlacken erhöhte wasserlösliche Anteile an verschiedenen Schadstoffen (Antimon, Blei, Cadmium, Fluor) beinhalteten.

Anhand der Ergebnisse von Grundwasseruntersuchungen im Winter 1993/94 war festzustellen, dass bereits im Grundwasseranstrom der Altablagerung eine Beeinträchtigung der Qualität des Grundwassers durch die westlich gelegene Altlast "BBU Blei- und Zinkhütte Arnoldstein" gegeben war. Bereits im Anstrom der Altablagerung lagen zum Teil stark erhöhte Messwerte für die Parameter Leitfähigkeit, Natrium, Kalium, Sulfat, Chlorid, Fluorid, Antimon, Bor, Cadmium, Thallium und Zink vor. Die Beurteilung der Analysenergebnisse von Grundwasserproben aus dem Grundwasserabstrom der Altablagerung ergab, dass bei den Parametern Leitfähigkeit, Natrium, Kalium, Sulfat und Chlorid wiederholt Messwerte gegeben waren, die gegenüber dem Grundwasseranstrom einen weiteren Anstieg der Belastungen des Grundwassers anzeigten. Die Messwerte für den Parameter Blei ließen keine Tendenz erkennen. Aufgrund der Analysenergebnisse der Grundwasserbeweissicherung konnte davon ausgegangen werden, dass die Metall- bzw. Schwermetallgehalte im Grundwasser zum Großteil auf die Vorbelastungen durch die Altlast "BBU Blei- und Zinkhütte Arnoldstein" zurückzuführen waren.

Zusammenfassend ergab sich, dass dem Bereich der Altablagerung vorbelastetes Grundwasser aus dem Bereich der Altlast K 6 "BBU Blei- und Zinkhütte Arnoldstein" zuströmte und es durch die Altablagerung "Schlackendeponie neu" zu einer weiteren Verunreinigung des Grundwassers kam. Der Altablagerung stellte eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

SICHERUNGSMASSNAHMEN

Im Zeitraum von April bis Juni 1995 wurden an der Altablagerung "BBU Schlackendeponie neu" folgende wesentliche Sicherungsmaßnahmen durchgeführt.

  • Oberflächenabdichtung mit einer mineralischen Dichtschicht
  • Errichtung einer Oberflächenwasserableitung 
  • Errichtung eines Versickerungsbeckens und einer 
    Versickerungsmulde für die abgeleiteten Oberflächenwässer

Zur Kontrolle des Erfolges wurde ergänzend zu den Sicherungsmaßnahmen für die Altlast K 15 gemeinsam mit der Altlast K 6 ein automatisiertes Grundwasserbeobachtungssystem, bestehend aus rund 40 Grundwassermessstellen installiert. Weiters werden seit dem Jahr 1996 qualitative Grundwasserkontrolluntersuchungen an rund 30 Grundwassermessstellen durchgeführt. Zur Übersicht sind in nebenstehender Abbildung die Altablagerung "BBU Schlackendeponie neu" sowie die Lage der für die Kontrolluntersuchungen der Altablagerung relevanten Grundwassermessstellen eingetragen.

Beschreibung der Sicherungsmaßnahmen

Zur Verhinderung des Eindringens von Oberflächenwasser in die Altablagerung bzw. zur Unterbindung der Bildung von Sickerwasser wurde die gesamte Altablagerung mit einer mineralischen Oberflächenabdichtung abgedeckt. Im Rahmen der Profilierung der Altablagerung erfolgten weiters kleine Umlagerungsmaßnahmen an der Altablagerung.

Die Böschungen der Altablagerung wurden mit einer Neigung von 1:2,8 bis 1:3 an den Hang angelehnt. Im weiteren Bauverlauf wurde die Altablagerung mit einer mineralischen Oberflächenabdichtung versehen, die im Süden und Osten der Altablagerung rund 2 m über den Schüttrand der Deponie hinausgezogen wurde. Als dichte Trennschicht zwischen Schlackenkörper und Oberflächenwasserfassung wurden zwei je 0,2 m mächtige mineralische Dichtungslagen (kf ≤ 1*10-9 m/s und darüber kf ≤ 1*10-7 bis 1 x 10-9 m/s) aufgetragen. Oberhalb der zwei Dichtungslagen wurden weiters eine ergänzende Bentonit-Matte aufgebracht.

Zur Fassung der Niederschlagswässer wurden über der mineralischen Dichtung eine 30 cm mächtige Schicht aus Drainagekies D16/32 aufgebracht, die mit einem Vlies (600 kg/m³) gegen eine 50 cm mächtige Rekultivierungsschicht sowie mit einem zweiten Vlies gegen die Dichtung getrennt wurde. Die über die Entwässerungsschicht gefassten Wässer werden über eine westliche der Altablagerung situierte Versickerungsmulde sowie ein ebenfalls neu errichtetes Versickerungsbecken im Norden der Altablagerung abgeleitet. Der kulturfähige Boden wurde mit Gräsern begrünt. Weiters wurde im Rahmen der Sicherungsarbeiten der Pegel 6-Ost hochgezogen, so dass dieser weiterhin für Grundwasserkontrollmessungen genutzt werden kann.

Beurteilung des Sicherungserfolges

Durch die Sicherung der Altablagerung "BBU Schlackendeponie neu" soll eine Ausbreitung von Schadstoffen in den Grundwasserabstrom weitestgehend unterbunden werden.

Anhand der Grundwasserstandsmessungen sowie der Schichtenpläne ist ersichtlich, dass die Grundwasserstände am Altstandort um wenige Meter schwanken können. Die Grundwasserfließverhältnisse am Standort sind aber insgesamt als relativ gleichbleibend zu beurteilen. Insgesamt strömt das Grundwasser in Richtung Osten ab. Die Grundwasserkontrolluntersuchungen im Bereich der Altablagerung zeigen insgesamt eine deutliche Verbesserung der gesamten Grundwasserqualität im Untersuchungsraum. Maßgebliche Schadstoffkonzentrationsrückgänge sind auf die Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen an der Altlast K 6 "BBU Blei- und Zinkhütte" zurückzuführen. Betreffend die Altablagerung "BBU Schlackendeponie neu" zeigen die Kontrolluntersuchungen, dass für ausgewählte allgemeine Grundwasserparameter ein signifikanter Rückgang der Konzentrationen im Grundwasser erkennbar ist, die auch mittelfristig weiter abnehmen werden. Betreffend die Schadstoffparameter – insbesondere die Schwermetalle – liegen keine erheblichen Frachtausträge aus der Altablagerung vor.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass kein signifikanter Schadstoffaustrag aus der Altablagerung in das Grundwasser stattfindet. Im Abstrom der Altablagerung werden keine erheblichen Schadstofffrachten angetroffen, die auf die Altablagerung zurückzuführen sind. Bei Weiterbetrieb und Instanthaltung aller Sicherungsmaßnahmen ist auch in Zukunft mit keinem erheblichen Schadstoffaustrag aus der Altablagerung zu rechnen. Die Altlast "BBU Schlackendeponie neu" kann daher als gesichert beurteilt werden.

Datum der letzten Textüberarbeitung:    September 2013