Altlast W25: Apparatebau Kravaric

Zwischen 1953 und 1988 befand sich am Altstandort ein Betrieb, der im Bereich Apparatebau tätig war. Am Standort ist eine massive Verunreinigung des Untergrundes durch Trichlorethen vorhanden. Der kontaminierte Bereich kann mit mindestens 1.000  m² abgeschätzt werden.

Im Bereich des Altstandortes und im Abstrom ist eine massive Beeinträchtigung des Grundwassers durch Trichlorethen vorhanden. Bei Grundwasseruntersuchungen wurde im unmittelbaren Abstrom des Altstandortes eine ca. 70 m breite Schadstofffahne festgestellt. Die Schadstofffahne wurde bis zu einer Entfernung von 180 m nachgewiesen. Der Altstandort „Apparatebau Kravaric“ stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar. Es wird eine Einstufung in die Prioritätenklasse 2 vorgeschlagen.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Wien 23.,Liesing,
Wien,
Atzgersdorf,
384
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Apparate-, Anlagen-, Fahrzeug- und Trafobau
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 4.000 m²
Volumen Altlast (m³): 5.000 m³
Schadstoff(e) Organische Lösungsmittel (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 15.09.2007
Datum der Prioritätenfestlegung: 15.09.2007
Priorität: 2
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 15.09.2007

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Beschreibung des Altstandortes

Der Altstandort „Apparatebau Kravaric“ befindet sich im Siedlungsgebiet von Atzgersdorf, in der Breitenfurter Straße, im Bezirk Liesing.

Die Fläche des Altstandortes kann mit etwa 4.000 m² angegeben werden. Am Altstandort befand sich zwischen 1953 und 1988 ein Betrieb, der im Bereich Apparatebau tätig war. Ab 1953 waren unter anderem eine Gelbbrennerei, eine Galvanisierung (Zink- und Silberbad) sowie eine Schweißerei in Betrieb. Weiters gab es einen Mechanikbetrieb. Im Jahr 1972 erfolgte eine Betriebserweiterung um eine Schlosserei und im Jahr 1977 um eine Neutralisationsanlage. Weiters gibt es Hinweise, dass am Altstandort ein Öltank situiert war. Die genaue Lage des Öltanks konnte nicht erhoben werden. Es kann davon ausgegangen werden, dass unter anderem beim Betrieb der Galvanik leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe als Entfettungsmittel eingesetzt wurden. Es gibt keine Angaben welche Mengen leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe am Altstandort verwendet wurden.

Die wesentlichen Anlagen bzw. die relevanten Nutzungen werden in folgender Abbildung für die Jahre 1953, 1973 und 1977 dargestellt.

Am Altstandort waren auch noch weitere Betriebe situiert. Die Art der Betriebe und der Betriebszeitraum werden in folgender Tabelle  angeführt.

Tabelle : Betriebe und Betriebszeitraum am Altstandort

Art des Betriebes bzw. Tätigkeiten Betriebszeitraum
  Anfang Ende
Schlosserei mit Hinweis auf Lackiererei 1968 n.b.
Installationsanlagen für Sanitäranlagen 1972 n.b.
Bauteilerzeugung für den elektrischen Nieder-, Mittel- und Hochspannungsbereich ca. 1988 ca. 1989
Sicherungen und Schalterbau 1989 vermutl.1990
Handel mit Büromaschinen und Zubehör 1995 heute

Im Jahr 1990 erfolgte die Auflassung bzw. Stilllegung aller am Altstandort tätigen Betriebe. Im Jahr 1992 wurden Gebäude abgerissen bzw. umgebaut. Im Zuge des Abrisses und des Umbaues wurden vermutlich im Bereich der heutigen Grundwassermessstelle H-Haus Mineralölkontaminationen festgestellt. Weiters konnten im Bereich der ehemaligen Galvanikhalle im Untergrund sowie im Grundwasser Mineralölbelastungen und Belastungen durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe nachgewiesen werden. Die Mineralölkontaminationen wurden ausgehoben. Weiters wurden an drei Grundwassermessstellen bzw. Brunnen (G-Galvanik, H-Haus, K-Keller) ab dem Jahr 1994 hydraulische Maßnahmen durchgeführt. Das abgepumpte Wasser wurde über einen Ölabscheider bzw. eine Aktivkohlefilteranlage geleitet. Bei einer Begehung im Jahr 2003 konnte soweit von außen erkennbar zumindest bei der Grundwassermessstelle G-Galvanik kein Pumpbetrieb mehr festgestellt werden. Welche Schadstoffmengen im Rahmen der hydraulischen Maßnahmen entfernt wurden ist nicht bekannt.

Beschreibung der Untergrundverhältnisse

Der Altstandort liegt in der Talebene der Liesing auf etwa 212 bis 213 m ü.A. Im unmittelbaren Bereich des Altstandortes folgen unter bis zu 4,3 m mächtigen Anschüttungen in Form von Aushubmaterial sowie untergeordnet Ziegel- und Kunststoffreste, teilweise sandige und teilweise kiesige Schluffe. In diese Sedimente können lokal sandige, kiesige Schichten mit einer Mächtigkeit bis zu 0,5 m eingeschaltet sein. Darunter folgen ab einer Tiefe von etwa 5 bis 7 m unter Gelände sandige und schluffige Kiese oder kiesige und schluffige Sande, die als Grundwasserleiter angesprochen werden können. Die grundwasserführenden Sedimente wurden im Bereich des Altstandortes bis in Tiefen zwischen etwa 8 m und 9 m nachgewiesen und werden von Schluffen unterlagert. Die Schluffe stellen den Grundwasserstauer dar. 

Das Grundwasser ist im Bereich des Altstandortes gespannt und spiegelte zwischen 0,3 m und 2 m auf. Der Grundwasserspiegel liegt durchschnittlich auf etwa 208 m ü.A. Die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters kann mit etwa 10-4 m/s angegeben werden. Im Zuge der Bohrung zur Errichtung einer Grundwassermessstelle im Abstrom des Altstandortes wurde in einer Tiefe von 3,1 m Schichtwasser angetroffen. Bei einer weiteren Abstromsonde musste der Pumpversuch abgebrochen werden, weil keine Beharrung erreicht wurde. Die Grundwasserströmung ist generell nach Osten gerichtet. Die Mächtigkeit des Grundwassers kann mit durchschnittlich etwa 4 m angegeben werden. Das Grundwasserspiegelgefälle beträgt etwa 0,4 %. Der spezifische Durchfluss (Abstrombreite = 1m) im Bereich der Altstandortes ergibt sich mit etwa 0,002 l/s bzw. 0,14 m³/d. Der Durchfluss über die gesamte Abstrombreite des Altstandortes (ca. 90 m) kann mit etwa 10 bis 15 m³/d abgeschätzt werden.

Beschreibung der Schutzgüter und Nutzungen

Am Altstandort befindet sich ein Bürogebäude, das eine Fläche von etwa 2.400 m² aufweist. Der Großteil des Altstandortes ist befestigt. Nördlich des Altstandortes befindet sich eine Ruderalfläche und östlich eine Grünfläche, die als Erholungsfläche mit Kinderspielplatz genutzt wird. Südöstlich fließt die Liesing, die in diesem Bereich kanalisiert ist. Vor der Kanalisierung verlief die Liesing unmittelbar östlich des Altstandortes. Südlich befinden sich gewerbliche Betriebe. Im unmittelbaren Abstrom des Altstandortes sind keine Grundwassernutzungen bekannt. Rund 560 m im Abstrom des Altstandortes gibt es Brunnen, die von einer Gärtnerei zur Bewässerung verwendet werden.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Am Altstandort „Apparatebau Kravaric“ bestand zwischen 1953 und 1988 ein Betrieb, der im Bereich Apparatebau tätig war. Es wurden unter anderem eine Gelbbrennerei, eine Galvanisierung und eine Schweißerei betrieben. Es kann davon ausgegangen werden, dass unter anderem beim Betrieb der Galvanik leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe als Entfettungsmittel eingesetzt wurden.

Bei Umbauarbeiten im Bereich des Altstandortes ab dem Jahr 1992 wurden unter anderem Kontaminationen durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe festgestellt. Es wurden Aushubmaßnahmen durchgeführt. Die genaue Lage der Aushubmaßnahmen und die Menge des entfernten kontaminierten Materials sind nicht bekannt. Bei Grundwasseruntersuchungen im Jahr 1994 wurden in einer Grundwassermessstelle im Bereich der ehemaligen Galvanik bis zu 16.700 µg/l Trichlorethen gemessen. Zur Verbesserung der Grundwasserqualität wurden an dieser Grundwassermessstelle und an 2 weiteren am Altstandort situierten Grundwassermessstellen bzw. Brunnen ab 1994 hydraulische Maßnahmen durchgeführt. Es gibt keine Angaben, welche Schadstoffmengen im Zusammenhang mit den hydraulischen Maßnahmen entfernt wurden.

Im Rahmen der Feststoffuntersuchungen im Jahr 2004 wurden in zwei Untergrundaufschlüssen am Altstandort nahe der ehemaligen Galvanik leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe in Konzentrationen bis 28 mg/kg gemessen, wobei der maßgebliche Parameter Trichlorethen ist. In einzelnen Proben wurden auch erhöhte KW- und Metallgehalte gemessen. Die Analysenergebnisse der temporären Bodenluftuntersuchungen in 2 m Tiefe im Jahr 2004 waren generell unauffällig. Auch für die Ruderalfläche nördlich außerhalb des Altstandortes ergaben sich Hinweise, dass Belastungen durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe in der ungesättigten Bodenzone vorliegen. Eine Abgrenzung der CKW-Belastungen im Untergrund in Richtung Norden konnte nicht durchgeführt werden. Bei 24-stündigen Absaugversuchen in 5 Messstellen am Altstandort und außerhalb des Altstandortes konnten in der Bodenluftmessstelle im Bereich der Galvanik die höchsten Konzentrationen für leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (ca. 50 mg/m³) nachgewiesen werden, wobei während des Absaugversuches eine kontinuierliche Konzentrationsabnahme beobachtet werden konnte. Maßgeblicher Parameter ist wie schon bei den Feststoffuntersuchungen Trichlorethen. In den restlichen Bodenluftmessstellen wurden keine oder nur geringe Konzentrationen für leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe gemessen. Die Analysenergebnisse der Bodenluftproben, die etwa ein halbes Jahr nach den Absaugversuchen entnommen wurden bestätigten die Ergebnisse der 24-stündigen Absaugversuche. Da der Untergrund im Bereich des Altstandortes relativ gering durchlässig ist und im Rahmen von Aushubmaßnahmen im Jahr 1992 Umlagerungen des Untergrundes stattfanden, geben die Ergebnisse der Bodenluftuntersuchungen nur wenig Hinweise auf kontaminierte Bereiche in tieferen Untergrundschichten.

Insgesamt ergeben die Bodenluft- und Feststoffuntersuchungen, dass im Bereich der ehemaligen Galvanik der Untergrund mit CKW erheblich verunreinigt ist. Die Fläche des mit leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen belasteten Untergrundes kann mit einer Größenordnung von rund 1.000 m² abgeschätzt werden.

Die Analysenergebnisse der Grundwasseruntersuchungen bestätigen, dass es im Bereich des Altstandortes zu einem massiven Eintrag von Trichlorethen ins Grundwasser gekommen ist. In der Grundwassermessstelle im Bereich der Galvanik wurden durchschnittlich etwa 12.000 µg/l und maximal bis zu 18.600 µg/l Trichlorethen gemessen. Der Maßnahmenschwellenwert der ÖNORM S 2088-1 für Summe Trichlorethen und Tetrachlorethen beträgt 10 µg/l. Ein Vergleich der Untersuchungsergebnisse mit dem Maßnahmenschwellenwert zeigt, dass in diesem Bereich eine massive Beeinträchtigung des Grundwassers durch Trichlorethen gegeben ist. Die restlichen am Altstandort situierten Grundwassermessstellen sind hinsichtlich Trichlorethen relativ gering belastet. In Übereinstimmung mit den Feststoffuntersuchungen ist daher davon auszugehen, dass der Schadstoffeintrag ins Grundwasser im Bereich der ehemaligen Galvanik stattfindet. Neben Trichlorethen wurden zeitweise auch für Tetrachlorethen und für das Abbauprodukt cis-1,2-Dichlorethen auffällige Konzentrationen gemessen.

In einer Messstelle etwa 120 m im Abstrom des Altstandortes (S1, sh. Abb. links) wurden durchschnittlich über 1100 µg/l und maximal bis zu 2390 µg/l Trichlorethen gemessen. Auch in der Grundwassermessstelle GW 13 rund 180 m im Abstrom des Altstandortes wurden für Trichlorethen durchschnittlich über 100 µg/l und maximal rund 240 µg/l gemessen.

Im unmittelbaren Abstrom des Altstandortes ist die Schadstofffahne mindestens ca. 70 m breit. Die mit dem Grundwasser im unmittelbaren Abstrom des Altstandortes durchschnittlich transportierte Fracht an Trichlorethen kann mit etwa 60 g/d abgeschätzt werden und ist als groß zu bewerten.

 

Die Grundwasseruntersuchungen zeigen, dass im nordwestlichen Bereich des Altstandortes der Untergrund durch Mineralölkohlenwasserstoffe verunreinigt ist. Die aktuelle Ausbreitung von Mineralölkohlenwasserstoffen ist gering.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass im Bereich des Altstandortes eine massive Verunreinigung des Untergrunds durch Trichlorethen vorhanden ist. Ausgehend von dieser Untergrundverunreinigung findet eine deutliche Beeinträchtigung des Grundwassers statt. Die Ausbreitung von Trichlorethen im Grundwasser wurde bis 180 m nachgewiesen. Der Altstandort „Apparatebau Kravaric“ stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

 

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden:

Schadstoffpotenzial: hoch

Im Bereich des Altstandortes „Apparatebau Kravaric“ ist der Untergrund vermutlich auf einer Fläche von mindestens 1.000 m² mit chlorierten Kohlenwasserstoffen verunreinigt. Das Volumen des verunreinigten Untergrundbereiches kann mit mindestens 5.000 m³ grob abgeschätzt werden. Der verunreinigte Bereich weist vergleichsweise eine mittlere Größe auf. Der Hauptschadstoff Trichlorethen weist aufgrund seiner stofflichen Eigenschaften ein sehr hohes Gefährdungspotenzial auf. Das Schadstoffpotenzial ist insgesamt als hoch zu bewerten.

Schadstoffausbreitung: weitreichend

Die aktuelle Ausbreitung von Trichlorethen im Grundwasser wurde bis 180 m im Abstrom nachgewiesen. Ausgehend von den bisherigen Untersuchungsergebnissen kann die Länge der Schadstofffahne auf insgesamt mehr als 500 m geschätzt werden. Entsprechend den sehr hohen Trichlorethenkonzentrationen ist die Schadstofffracht im Grundwasser trotz des geringen Grundwasserdurchflussens groß. Die Schadstoffausbreitung ist  insgesamt als weitreichend zu bewerten.

Schutzgut: gut nutzbar

Der betroffene Grundwasserkörper ist quantitativ nutzbar. Im unmittelbaren Abstrom des Altstandortes sind keine Grundwassernutzungen bekannt. Im weiteren Grundwasserabstrom in einer Entfernung über 500 m wird das Grundwasser für Bewässerungszwecke verwendet.

Prioritätenklasse

Entsprechend der Bewertung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der Gefährdungsabschätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien schlägt das Umweltbundesamt die Einstufung des Altstandortes „Apparatebau Kravaric“ in die Prioritätenklasse 2 vor.

 

Datum der Texterstellung: Mai 2007