Gesicherte Altlast W2: Hasswellgasse

Auf einer rund 3,4 ha großen Fläche im Norden von Wien wurden zwischen Ende der 1950er Jahre bis 1986 in einer aufgelassenen Schottergrube rund 230.000 m³ Bauschutt und Abfälle aus der Gasproduktion abgelagert. Am Standort sowie im Abstrom dieser Altablagerung wurden Belastungen des Grundwassers mit insbesondere gaswerkstypischen Schadstoffen nachgewiesen.

Im Jahr 1990 erfolgten Sicherungsarbeiten, die eine Umschließung der Altablagerung mit einem Großkammerdichtwandsystem inkl. Grundwasserabsenkung innerhalb der umschlossenen Kammern umfassten. Weiters wurde die gesamte Fläche mit einer mineralischen Abdeckung versehen und aufgeforstet, um damit die Neubildung von Sickerwasser zu unterbinden.

Die Ergebnisse der Betriebsüberwachung zusammen mit den Ergebnissen der 2009 und 2010 durchgeführten qualitativen Grundwasseruntersuchungen zeigen, dass von der Altablagerung keine erheblichen Auswirkungen auf das Schutzgut Grundwasser mehr ausgehen und bestätigen die Wirksamkeit der durchgeführten Sicherungsmaßnahmen. Die Altablagerung ist als gesichert zu bewerten.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Wien 21.,Floridsdorf,
Wien,
Stammersdorf,
440/1
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Kommunale Deponie
Art der Ablagerungen: Aushubmaterial/Abraum,
Bauschutt,
Industrie-/Gewerbemüll
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 39.000 m²
Volumen Altlast (m³): 230.000 m³
Schadstoff(e) Anorganische Schadstoffe (Cyanide)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 01.03.1990
Datum der Prioritätenfestlegung: 13.05.1990
Priorität: 1
Datum Ausweisung gesichert: 01.11.2012
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Abdeckungen,
Vertikale Dichtelemente,
Räumung
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.09.1995

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Altlast

Die Altablagerung "Hasswellgasse" liegt im Norden von Wien im 21. Wiener Gemeindebezirk zwischen Strebersdorf und Stammersdorf.

Die ehemalige rund 3,4 ha große Kiesabbaugrube liegt rund 100 m nördlich der Hasswellgasse und wird von landwirtschaftlich genutzten Feldern eingegrenzt. Die 480 m lange und 75 m breite Grube wurde von Ende der 1950er Jahre bis 1986 vorwiegend mit Bauschutt und Abfällen aus der Gasproduktion verfüllt. Das Ablagerungsvolumen beträgt rund 230.000 m³, die Ablagerungsmächtigkeiten reichen bis in eine Tiefe von 7 m und damit bis in den Grundwasserschwankungsbereich. Technische Einrichtungen zur Verhinderung eines Austrags von Schadstoffen aus dem Deponiebereich waren nicht vorhanden.

Im Jahr 1990 erfolgte die Sicherung der Deponie mittels "Großkammersystem", bestehend aus einer Dichtwandumschließung mit Querschotten und Wasserhaltungssystem. Weiters wurde die gesamte Oberfläche mit einer mineralischen Abdeckung versehen und aufgeforstet.

Untergrundverhältnisse

Die Altlast liegt im nördlichen Wiener Becken auf etwa 163 m ü.A. bis 164 m ü.A. Der Untergrund wird im Bereich der Altablagerung aus etwa 10 m bis 15 m mächtigen Kiesen unterschiedlicher Korngröße aufgebaut, die als Grundwasserleiter angesprochen werden können. Darunter folgen Feinsande und Schluffe, die den Grundwasserstauer darstellen.

Der Grundwasserspiegel liegt auf etwa 158 m.ü.A., der Flurabstand des Grundwasserstauers (Tertiäroberfläche) auf ca. 148 bis 154 m.ü.A.. Das in den anstehenden, Lockersedimenten befindliche, erste freie Grundwasser, besitzt eine Mächtigkeit von 4 bis 10 m. Die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters kann mit etwa 2 x 10-2 m/s bis 10-3 m/s abgeschätzt werden. Die Grundwasserströmung ist generell nach Südosten gerichtet und weist ein Gefälle von rund 0,5 ‰ auf.

Der hydraulische Abstrom der Altablagerung lag vor der Umschließung bei einem angenommenen mittleren kf-Wert von 10-2 m/s und einer wirksamen mittleren Grundwassermächtigkeit von 6 m bei rund 1.200 m³/d. Die 1990 errichtete Dichtwand liegt in ihrer Längsausdehnung nahezu im rechten Winkel zur Hauptgrundwasserströmungsrichtung.

Schutzgüter und Nutzungen

Die abgedeckte Altablagerung ist als Wald und Wiesengürtel gewidmet und wurde rekultiviert bzw. aufgeforstet. Nördlich, westlich und östlich grenzen an die Altalblagerung landwirtschaftlich genutzte Flächen an. Die südlich angrenzende Fläche wird als Hundeabrichteplatz genutzt. Vereinzelte Bebauungen mit Einfamilienhäusern liegen erst in mehr als 100 m in südwestlicher Entfernung vor.

Die quartären Grundwasservorkommen des Marchfeldes sind von wasserwirtschaftlicher Bedeutung. Im unmittelbaren Abstrom der Altablagerung von ca. 1 km bestehen aber ausschließlich Wasserrechte für Bewässerungszwecke (Feldbrunnen, Gartenbewässerung). Rund 600 m abstromig der Altablagerung verläuft der Marchfeldkanal.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

In den achtziger Jahren erfolgten Untersuchungen des Grundwassers im Bereich der Altablagerung, Deponiegasmessungen sowie Probebohrungen im Deponiebereich mit Feststoffprobenahme und anschließender Untersuchung der Feststoffeluate.

Bei den Deponiegasmessungen wurden in keiner Probe Deponiegas festgestellt.

Die Eluatuntersuchungen der aus dem Deponiekörper entnommenen Proben ergaben bei der quantitativen Bestimmung vor allem sehr hohe Cyanid-Konzentrationen und sehr hohe pH-Werte. Qualitativ wurden u.a. höhere aliphatische und aromatische Kohlenwasserstoffe, Phenole und PAK festge­stellt.

Die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen zeigten eine Erhöhung der Parameter Kaliumpermanganat, TOC, Ammonium, Nitrit, Phenole, Cyanide und PAK im Abstrombereich der Altlast. Bei einzelnen Messwerten konnten Einflüsse, die nicht auf die Altlast zurückzuführen waren, nicht mit Sicherheit ausgeschlos­sen werden. Eine Beeinträchtigung des Schutzgutes Grundwasser durch einen Schadstoffaustrag aus der Altablagerung wurde bei der Gesamtbetrachtung der vorliegenden Analyseergebnisse jedenfalls nachgewiesen.

Aufgrund der Untersuchungsergebnisse war zusammenfassend festzustellen, dass durch die Deponie eine erhebliche Gefährdung des Grundwassers gegeben war.

 

SICHERUNGSMAßNAHMEN

Ziel der Sicherungsmaßnahmen war es, den Austritt von Sickerwässern aus der Altablagerung so zu unterbinden, so dass auch langfristig keine Gefährdung des Grundwassers zu besorgen ist.

Als Sicherungssystem wurde eine Umschließung der Altablagerung mittels einer einfachen Dichtwand gewählt und der umschlossene Bereich durch Zwischentrenndichtwände in 7 Großkammern geteilt. Alle Sicherungsarbeiten erfolgten im Zeitraum von März 1990 bis November 1990 und umfassten die Herstellung der Dichtwände, die anschließende Abdeckung des gesamten umschlossenen Bereiches sowie die Herstellung eines Ableitungssystems für die Pumpwässer aus der Wasserabsenkung innerhalb der Umschließung. Insgesamt wurden auf dem Gelände der Altablagerung "Hasswellgasse" die folgenden Sicherungsmaßnahmen ausgeführt:

· Umschließung der Altablagerung mit 21.100 m² Dichtwand

· Unterteilung der umschlossenen Fläche in 7 Großkammern mit weiteren 8.440 m² Dichtwand

· Abtrag von Abfall bis auf 1 m unter GOK und Umlagerung in offenen Grubenbereiche

· Errichtung einer mineralischen Oberflächenabdichtung und Rekultivierungsschicht

· Herstellung von 7 Wasserhaltungsbrunnen und 7 Kammerpegeln

· Herstellung von 840 lfm Abwasserdruckrohrleitung zum öffentlichen Schmutzwasserkanal

Um die dauerhafte Wirksamkeit der Sicherung zu gewährleisten und zu kontrollieren werden seit der Sicherung laufend betriebliche Maßnahmen in Form einer kontinuierlichen Überwachung der Wasserstände in den Großkammern, der Außenwasserstände und der geförderten und eingeleiteten Pumpwassermengen durchgeführt. Weiters erfolgt eine jährliche Analyse der über die Absenkbrunnen entnommenen und in den Kanal eingeleiteten Sickerwässer.

Eine qualitative Grundwasserbeweissicherung erfolgt im Rahmen der Beweissicherung nicht. Aus diesem Grund wurden in den Jahren 2009 und 2010 §14 Untersuchungen gemäß ALSAG durchgeführt, die halbjährliche Grundwasseruntersuchungen an allen Brunnen innerhalb sowie an ausgewählten Messstellen außerhalb der Umschließung umfassten.

Zur Übersicht sind in nebenstehender Abbildung die einzelnen Bauwerke, die Lage der für die Kontrolluntersuchungen zur Verfügung stehenden Absenkbrunnen (KB), aller Grundwassermessstellen (AP, 21.12/1 bis 21.12/4) sowie die innenliegenden Kammerpegel (KP) dargestellt.

Beschreibung der Sicherungsmaßnahmen

Im Jahr 1990 wurde die Altlast W 2 „Hasswellgasse“ mit einer einfachen, in den Grundwasserstauer eingebundenen Dichtwand umschlossen, die in Form einer Schmalwand (k/d = 1 x 10-7 1/sec) mit einer Gesamtfläche von 21.100 m² ausgeführt wurde. Die Dichtwandtiefe lag im Mittel bei 18 m (15 bis 25 m) mit einer Mindesteinbindetiefe von 5 m in den Stauer. Der Bereich innerhalb der Umschließung wurde mittels Querschotten, ebenfalls als Dichtwände ausgeführt, in 7 Großkammern mit einer Seitenlänge von je rund 80 m unterteilt. Mittels dieser Teilung ist es möglich jede Großkammer einzeln auf ihre Dichtheit zu überwachen und nötigenfalls auszubessern.

In jeder Kammer wurde nahe der westlichen Dichtwand ein Grundwasserabsenkbrunnen (KB) DN150 bis zwei Meter in den Stauer abgeteufte und mit einer Förderpumpe ausgestattet. Weiters wurde in jeder Kammer ein Kontrollpegel (KP) für die Wasserstandsmessung installiert. Mittels der in den Kammerbrunnen installierten Förderpumpen (je 1 l/s bei Hman = 23 m) wird der Wasserspiegel innerhalb der Großkammern unterhalb des Außenwasserspiegels gehalten. Zur Kontrolle und Steuerung der Wasserstände innerhalb der Umschließung wurden ergänzend 4 Außenpegel (AP) an allen vier Ecken außerhalb der Dichtwandumschließung errichtet.

Der Wasserspiegel wird innerhalb der Kammern jedenfalls mindestens 0,43 m unter dem Außenwasserspiegel gehalten. Die Absenkpumpen werden alternierend betrieben. Das geförderte Grundwasser aus den 7 Absenkbrunnen (Konsenswassermenge: 2,7 l/s, 187 m³/d, ca. 68.500 m³/a) wird über eine insgesamt rund 840 lfm lange – durch einen Messschacht für die Sickerwasseranalytik geteilte – Druckrohrleitung DN100 in den öffentlichen Schmutzwasserkanal im Bereich der Strebersdorfer Straße eingeleitet.

Nach der Umschließung der Altablagerung "Hasswellgasse" wurde der gesamte umschlossene Bereich mit einer Oberflächenabdeckung versehen. Vor der Herstellung der Abdeckung mussten rund 30.000 m³ Material in offene Grubenbereiche umgelagert werden, um ein Planum für die Abdeckung mit ca. 1 m u. G.O.K. herzustellen. Zur Unterbindung des Einsickern von Niederschlagswässer wurde im Anschluss eine 0,3 m mächtige mineralische Dichtschicht (kf < 10-8 m/s) aufgebracht und mit 0,5 m Überlappung an die Dichtwände angebunden. Die Ausbildung der gesamten Schicht erfolgte als Dachprofil, so dass die Ableitung der Niederschlagswässer im Freigefälle über die Umschließung hinaus erfolgt. Oberhalb der Dichtschicht wurde eine Rekultivierungsschicht, bestehend aus 0,7 m bewuchsfähigem Material unter 0,3 Humus, aufgetragen und begrünt bzw. aufgeforstet.

Zur automatischen Steuerung der Wasserhaltung innerhalb der Großkammern wurde südlich der Altlablagerung eine zentrale Schaltwarte errichtet, in der alle Pegelsignale zusammenlaufen. In Abhängigkeit der Außen- und Innenwasserstände wird die Pumpmenge durch An- und Abschalten der Absenkpumpen in den Kammerbrunnen KB reguliert. Jede Kammer ist mit einer Durchflussmessung ausgestattet. Weiters wird die Gesamtwassermenge zum Kanal gemessen.

Beurteilung des Sicherungserfolges

Durch die Abdeckung der Altlablagerung sollte die Bildung von Sickerwässern und durch die Umschließung der Austritt von Sickerwässern aus der Altablagerung bzw. eine Durchströmung der Deponiesohle und damit ein Eintrag von Schadstoffen in das Grundwasser unterbunden werden.

Die Ergebnisse der Kontrolluntersuchungen dokumentieren die Funktionstüchtigkeit des Gesamtsicherungsbauwerkes. Mittels einer kontinuierlichen Wasserstandsaufzeichnung der Pegel innerhalb der Großkammern sowie außerhalb des Dichtwandbauwerkes wird der ordnungsgemäße Betrieb dokumentiert. Über den gesamten Betriebszeitraum wurde der Differenzwasserstand zwischen den niedrigsten Außenpegel sowie den Kammerpegeln innerhalb der Umschließung eingehalten. Weiters wurde die gesamte Oberfläche der Altlablagerung Hasswellgasse mit einer mineralischen Dichtung versehen und hierdurch die Neubildung von Sickerwässer weitergehend unterbunden. Insgesamt wird damit ein Austritt von Sickerwasser aus der Umschließung in das umliegende Grundwasser unterbunden.

Das aus der Umschließung kontinuierlich gepumpte Wasser zeigt noch deutliche Hinweise auf belastete Wässer mit den zwei gaswerkstypischen Kontaminationen Cyanide und Ammonium. In geringem Ausmaß treten auch PAK und Kohlenwasserstoffe auf. Auffällig ist, dass die Kammern zum Teil sehr unterschiedliche Charaktere zeigen. Besonders auffällig zeigt sich die Kammer 7 betreffend erheblicher Belastungen des Wassers mit den Parametern Ammonium, Cyanide, PAK und Benzol, weiters die Kammer 6 betreffend Cyanide und Ammonium und die Kammer 2 betreffend Cyanide. Wobei aber festzustellen ist, dass das Grundwasser in allen Kammern noch im erheblichen Ausmaß mit Cyaniden belastet ist.

Aus dem Vergleich der Grundwasserproben aus den An- und Abstrommessstellen ist kein erheblicher Schadstoffaustrag aus der gesicherten Altablagerung in das Grundwasser zu erkennen. Die Parameter Leitfähigkeit, Kalium, Magnesium, Natrium, Sulfat und Chlorid sowie Nitrat weisen auf einen deutlichen anthropogenen Einfluss auf das Grundwasser außerhalb der Umschließung hin. Diese liegen aber alle in Konzentrationsbereichen, welche großflächig für die Region vorliegen und nicht im Zusammenhang mit der Altablagerung zu sehen sind. Es scheint wahrscheinlich, dass diese Belastungen aus der Salzstreuung bzw. aus der Landwirtschaft herrühren.

Abstromig der Umschließung zeigen sich in einer direkt östlich situierter Messstelle noch Cyanid-Konzentrationen, welche deutlich oberhalb des Maßnahmenschwellenwertes liegen. Berücksichtigt man aber die Tatsachen, dass insgesamt leicht freisetzbare Cyanide kaum angetroffen wurden, d.h. die angetroffenen Cyanide auch kaum mobilisiert werden, sich weiters diese Cyanide schlecht abbauen und der Bereich der Messstelle 21.12/2 außerdem im Strömungsschatten der Dichtwand liegt, muss davon ausgegangen werden, dass die noch nachgewiesenen Cyanide außerhalb der Umschließung bereits vor längere Zeit in diesen Bereich verfrachtet wurden und auch noch langfristig in den angetroffen Konzentrationsgrößen nachgewiesen werden können. Im weiteren Abstrom östlich der Altlablagerung sind keine Cyanide mehr nachweisbar.

Die Ergebnisse der Überwachung zusammen mit den Ergebnissen der qualitativen Grundwasserbeweissicherung bestätigen, dass der Schadstoffeintrag in das umliegende Grundwasser verhindert wird. Bei ordnungsgemäßem Betrieb ist auch weiterhin mit keinem nennenswerten Eintrag von Sickerwasser in das Grundwasser zu rechnen. Damit ergibt sich, dass das standortspezifische Sicherungsziel, Gefahren in Zusammenhang mit einem Transfer von Deponiesickerwasser in das Grundwasser so zu unterbinden, dass keine Gefährdung des Grundwassers zu besorgen ist, erreicht wurde und die Altlast als gesichert zu bewerten ist.

 

Datum der Texterstellung:    Dezember 2011