Altlast ST13: Putzerei Andrea

Der Altstandort „Putzerei Andrea“ liegt im Stadtgebiet von Fehring. Ab 1974 wurde am Altstandort eine Putzerei betrieben. Durch die Verwendung von Tetrachlorethen als Reinigungsmittel kam es zu einer erheblichen Verunreinigung des Untergrundes und des Grundwassers. Die erheblichen Verunreinigungen des Untergrundes umfassen eine Fläche von rund 250 m2.

Im unmittelbaren Abstrom des Altstandortes sind sehr hohe CKW-Konzentrationen messbar. Die Schadstofffrachten sind als groß zu bewerten. Die Schadstofffahne ist mehr als 300 m lang. Es ist auch in Zukunft mit einem erheblichen Schadstoffeintrag in das Grundwasser zu rechnen. Der Altstandort „Putzerei Andrea“ stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar. Es wird vorgeschlagen, den Altstandort in die Prioritätenklasse 2 einzustufen.

 

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Südoststeiermark,
Fehring,
Fehring,
1023
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: chemische Reinigung
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 800 m²
Volumen Altlast (m³): 1.000 m³
Schadstoff(e) Organische Lösungsmittel (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 15.09.1993
Datum der Prioritätenfestlegung: 10.11.1993
Priorität: 2
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 05.09.1994

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Betriebliche Anlagen und Tätigkeiten

Der Altstandort liegt im Stadtgebiet von Fehring, rund 150 m südwestlich des Hauptplatzes, in der Annengasse.

Bei der „Putzerei Andrea“ handelt es sich um einen chemischen Reinigungsbetrieb, der ab 1974 in Betrieb war. Die „Putzerei Andrea“ existierte bis 2010. Als Reinigungsmittel wurde Tetrachlorethen eingesetzt. Die Fläche des Altstandortes kann mit rund 790 m² angegeben werden.

In dem Gebäude der Putzerei waren ein Arbeitsraum, ein Bügelraum, ein Arbeits- und Ausgaberaum, ein Gefolgschaftsraum, ein Heizraum, ein Magazin sowie Sanitäranlagen untergebracht. Bezüglich der betrieblichen Anlagen gab es 2 Textilreinigungsanlagen, 2 Aktivkohleanlagen und ein Kontaktwassergerät. Im nordwestlichen Teil des Altstandortes gab es ein Lager für Tetrachlorethen.

Am Altstandort wurde im Zeitraum von 1995 bis 2005 eine Bodenluftabsauganlage betrieben.

Untergrundverhältnisse

Der Altstandort liegt am südlichen Rand des Raabtales, auf einem von Süden nach Norden ins Raabtal abfallenden Höhenrücken, der auch an seinen Rändern nach Osten und Westen leicht abfällt. Der Altstandort liegt auf etwa 274 m ü. A.

Der Untergrund wird im Bereich des Altstandortes bis zu einer Tiefe von rund 7 m bis 7,5 m aus tonigen Schluffen aufgebaut. Darunter folgen maximal 0,3 m mächtige schluffige Feinsande, die gespanntes Schichtwasser führen können. Diese Sedimente werden von feinsandigen Schluffen unterlagert. In einer Tiefe zwischen rund 8 m und 9 m treten maximal 0,6 m mächtige schluffige Feinsande auf, die gespanntes Grundwasser führen. Darunter folgen feinsandige Schluffe, in die sehr geringmächtige Feinsandlagen eingeschaltet sein können, die allerdings kein Wasser führen.

Der Grundwasserleiter ist im Bereich des Altstandortes sehr inhomogen und gering ergiebig. Aufgrund der im Bereich und im Umfeld des Altstandortes hergestellten Untergrundaufschlüsse ist davon auszugehen, dass im Bereich des Altstandortes kein einheitlich durchgehender Grundwasserleiter vorhanden ist. Das Grundwasser fließt vermutlich in mehr oder weniger kommunizierenden Teilströmen ab. Die großräumige Grundwasserströmung ist von Süden nach Norden gerichtet. Die Druckhöhe des aufgespiegelten Grundwassers liegt im Bereich des Altstandortes durchschnittlich auf 271 ü.A. Die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters kann mit etwa 10‑ 5 m/s und das Grundwasserspiegelgefälle mit 0,5 % bis 1 % angegeben werden. Ca. 20 m im Abstrom des Altstandortes beträgt das Grundwasserspiegelgefälle etwa 4 bis 7 % und ca. 100 m im Abstrom des Altstandortes beträgt das Grundwasserspiegelgefälle rund 6 % bis 9 %. Danach verflacht sich das Grundwasserspiegelgefälle wieder deutlich. Während der Grundwasseruntersuchungen wurden im Bereich des Altstandortes Schwankungen der Druckhöhe von rund 1,5 m festgestellt. Der Grundwasserzu- und abfluss im Bereich des Altstandortes kann als sehr gering (< 5 m³/d) abgeschätzt werden. In größeren Tiefen treten artesische Grundwässer auf.

Schutzgüter und Nutzungen

Das Gebäude des Altstandortes wird derzeit nicht genutzt. Die Umgebung des Altstandortes wird für Wohnzwecke genutzt.

Der Altstandort befindet sich im Schongebiet der Wasserversorgungsanlage Fehring. Die in 550 m bis 1.000 m Entfernung befindlichen Brunnen sind etwa 100 m tief und beziehen ihr Wasser aus einem artesischen Grundwasservorkommen. Im Bereich und im Umfeld des Altstandortes befinden sich Hausbrunnen, die das oberflächennahe Grundwasser erfassen, das zum Teil für Nutzwasserzwecke verwendet wird.

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Am Altstandort wurde ab 1974 eine Putzerei betrieben. Als Reinigungsmittel wurde Tetrachlorethen eingesetzt. Am Altstandort waren unter anderem zwei Reinigungsanlagen, zwei Aktivkohleanlagen und ein Kontaktwassergerät im Einsatz. Im Zeitraum von 1995 bis 2005 wurde am Altstandort eine Bodenluftabsauganlage betrieben.

Die Bodenluftuntersuchungen im Bereich des Altstandortes vor der Inbetriebnahme der Bodenluftabsauganlage ergaben, dass im Bereich der Reinigungsanlagen, der Aktivkohleanlagen und des Kontaktwassergerätes sehr hohe Tetrachlorethenkonzentrationen vorliegen. Während des Betriebes der Bodenluftabsauganlage nahmen die Tetrachlorethenkonzentrationen deutlich ab. Nach dem Abschalten der Anlage konnte wieder ein deutlicher Anstieg der Tetrachlorethenkonzentrationen festgestellt werden. Bei den aktuellen Bodenluftuntersuchungen an den Bodenluftabsaugsonden und bei den orientierenden Bodenluftuntersuchungen im Umfeld des Altstandortes zeigen sich stark erhöhte Konzentrationen an leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen bzw. Tetrachlorethen im Bereich der für die Putzerei relevanten Anlagen und entlang des Schmutzwasserkanals. An einer Bodenluftabsaugsonde im Bereich der Reinigungsanlage wurden auch sehr hohe Trichlorethen- und cis-1,2-Dichlorethenkonzentrationen gemessen, die Abbauprodukte von Tetrachlorethen darstellen. Bei den vierstündigen Bodenluftabsaugversuchen ergaben sich aufgrund des dichten Untergrundes nur geringe CKW-Frachten. Auch bei den Feststoffuntersuchungen wurden lokal stark erhöhte Konzentrationen für leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe gemessen. Im Bereich des Altstandortes ist der ungesättigte Untergrund auf einer Fläche von etwa 250 m² erheblich mit Tetrachlorethen verunreinigt.

Ausgehend von den Belastungen im ungesättigten Untergrund findet ein Schadstoffeintrag ins Grundwasser statt. Die Grundwasseruntersuchungen zeigen, dass im Bereich des Altstandortes und im unmittelbaren Abstrom des Altstandortes das Grundwasser massiv durch Tetrachlorethen verunreinigt ist. Neben Tetrachlorethen wurden zum Teil auch die Abbauprodukte Trichlorethen, cis-1,2-Dichlorethen und Vinylchlorid in stark erhöhten Konzentrationen gemessen. Die höchsten Belastungen wurden im Abstrom der Reinigungs- und Aktivkohleanlagen sowie des Kontaktwassergerätes gemessen. Weiters kann davon ausgegangen werden, dass eine Schadstoffausbreitung über den Schmutzwasserkanal stattgefunden hat. Auch im weiteren Abstrom des Altstandortes bis zu einer Entfernung von rund 300 m wurden in einzelnen Grundwassermessstellen bzw. Brunnen stark erhöhte Tetrachlorethenkonzentrationen gemessen. Die Länge der Schadstofffahne kann daher mit zumindest 300 m angenommen werden.

In Zusammenhang mit der geringen Durchlässigkeit des Grundwasserleiters ist der Grundwasserdurchfluss im Bereich des Altstandortes sehr gering. Aufgrund der sehr hohen Tetrachlorethenkonzentrationen im Grundwasser ergibt sich trotz des sehr geringen Grundwasserdurchflusses eine große Tetrachlorethenfracht (max. 35 g/d) im unmittelbaren Grundwasserabstrom. 

Zusammenfassend zeigen die Untersuchungsergebnisse, dass im Bereich des Altstandortes eine erhebliche Verunreinigung des wasserungesättigten Untergrundes durch Tetrachlorethen vorhanden ist, die eine massive Beeinträchtigung des Grundwassers verursacht. Die Fläche des erheblich verunreinigten Untergrundes kann mit rund 250 m² angegeben werden. Im unmittelbaren Abstrom des Altstandortes wurden sehr hohe Konzentrationen für leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe, insbesondere Tetrachlorethen, gemessen. Die Schadstofffrachten sind als groß zu bewerten. Die Schadstofffahne ist mehr als 300 m lang. Es ist auch zukünftig mit einem erheblichen Schadstoffeintrag in das Grundwasser zu rechnen. Die Verunreinigungen des Untergrundes im Bereich des Altstandortes stellen daher eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden:

Schadstoffpotenzial: groß

Am Altstandort ist der Untergrund mit leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen verunreinigt. Der erheblich verunreinigte Untergrundbereich weist eine Fläche von rund 250 m² auf. Das Volumen des erheblich verunreinigten Untergrundbereiches kann mit etwa 1.000 m³ abgeschätzt werden. Der maßgebliche Schadstoff ist Tetrachlorethen, der aufgrund seiner stofflichen Eigenschaften ein sehr hohes Gefährdungspotenzial für das Grundwasser aufweist. Entsprechend dem Ausmaß und der Intensität der Kontamination und der Schadstoffeigenschaften ist das Schadstoffpotenzial insgesamt als groß zu bewerten.

Ausbreitung der Schadstoffe: ausgedehnt

Die Schadstofffahne im Grundwasser ist mindestens 300 m lang. Die Schadstoffkonzentrationen bis zu einer Entfernung von ca. 300 m im Abstrom des Altstandortes sind als sehr hoch zu beurteilen. Die mit dem Grundwasser transportierte Fracht an gelösten Schadstoffen ist als groß zu bewerten. Entsprechend dem Ausmaß der Untergrundverunreinigungen, den Schadstoffeigenschaften und den Grundwasserströmungsverhältnissen ist mittelfristig mit keiner wesentlichen Änderung der Schadstoffausbreitung zu rechnen. Die Schadstoffausbreitung ist insgesamt als ausgedehnt zu beurteilen.

Bedeutung des Schutzgutes: nutzbar

Das Grundwasser im Bereich des Altstandortes ist gering ergiebig. Im Abstrom des Altstandortes existieren zahlreiche Hausbrunnen, die zum Teil für Nutzwasserzwecke verwendet werden. Der Altstandort liegt im Stadtgebiet von Fehring und die Trinkwasserversorgung erfolgt über öffentliche Trinkwasserversorgungsanlagen. Aufgrund des geringen Wasserdargebotes ist auch zukünftig mit keiner hochwertigen Grundwassernutzung zu rechnen.

Vorschlag Prioritätenklasse: 2

Entsprechend der Beurteilung der aktuellen Untersuchungsergebnisse, der aktualisierten Gefährdungsabschätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien schlägt das Umweltbundesamt vor, den Altstandort "Putzerei Andrea" weiterhin in die Prioritätenklasse 2 einzustufen.

Texterstellung:    Juli 2017