Sanierte Altlast O72: Putzerei Wurm*

Auf dem Altstandort „Putzerei Wurm“ wurde von 1968 bis 1982 eine chemische Reinigung betrieben und als Reinigungsmittel Tetrachlorethen verwendet. Durch den Betrieb der Reinigungsanlage kam es auf einer Fläche von rund 400 m² zu einer erheblichen Kontamination des Untergrundes.

Ausgehend von dieser Untergrundverunreinigung waren im Grundwasserabstrom des Altstandortes hohe Belastungen durch chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) zu beobachten. Die Schadstofffahne war mehr als 500 m lang und gefährdete die Brunnen der Trinkwasserversorgungsanlage „Linzerberg“, die seit 2002 mittels Sperrbrunnen gesichert werden. Ende des Jahres 2017 wurde im Bereich der „Putzerei Wurm“ durch Aushubmaßnahmen der CKW-kontaminierte Untergrund entfernt. Wie Kontrolluntersuchungen des Grundwassers belegen, sind dadurch im Grundwasserabstrom nur mehr sehr geringe Schadstoffkonzentrationen nachzuweisen. Auch in den Sperrbrunnen der Trinkwasserversorgungsanlage ist ein deutlich sinkender Konzentrationstrend festzustellen. Mittelfristig ist mit einem weiteren Rückgang der CKW-Konzentrationen in den Sperrbrunnen zu rechnen.

* Die Altlast O72 "Putzerei Wurm" wurde vorab als saniert in das Altlastenverzeichnis aufgenommen. Eine rechtsverbindliche Ausweisung in der Altlastenatlasverordnung wird erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Urfahr-Umgebung,
Gallneukirchen,
Gallneukirchen,
104/1, 105/4
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: chemische Reinigung
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination,
erhebliches Risiko Grundwasser
Fläche Altlast (m²): 380 m²
Schadstoff(e) Organische Lösungsmittel (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 01.11.2006
Datum der Prioritätenfestlegung: 01.11.2006
Priorität: 1
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Räumung
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 15.02.2019

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Betriebliche Anlagen und Tätigkeiten

Der Standort der ehemaligen „Putzerei Wurm“ befindet sich im Zentrum von Gallneukirchen an der „Prager Straße“ unmittelbar nördlich der Brücke über die Große Gusen. Im Zeitraum von 1968 bis 1982 wurde dort eine Wäscherei und Putzerei betrieben. Als Reinigungsmittel wurde Tetrachlorethen eingesetzt. Das Geschäftslokal der Putzerei war etwa 35 m² groß und nicht unterkellert. Im Hinterhof des Hauses bestand ein Seifenabscheider. Im Zuge von Erkundungsarbeiten wurde im Jahr 2005 der mit Abwasser, Bauschutt und lösungsmittelhaltigem Schlamm gefüllte Seifenabscheider entleert. Dabei wurden mehr als 7 t Abfall (lösungsmittelhaltiger Schlamm) beseitigt.

Das Gebäude der ehemaligen Putzerei wurde 2013/2014 abgerissen. Ab 2017 wurde in diesem Bereich ein Wohn- und Einkaufszentrum inkl. einer Tiefgarage errichtet.

Beschreibung der Untergrundverhältnisse

Der Altstandort befindet sich im Bereich des Gallneukirchner Beckens am Südrand des Kristallins der Böhmischen Masse. Es handelt sich um ein Senkungsbecken, das im Tertiär mit feinkörnigen marinen und fluviatilen Sedimenten verfüllt wurde. Das Festgestein kann von unterschiedlichen Schichtfolgen (Pielacher Tegel, Linzer Sande, Schlier) überlagert sein. In den Linzer Sanden ist der erste Grundwasserhorizont ausgebildet. Als Grundwasserstauer treten in lokal stark unterschiedlichen Tiefen (bis zu 60 m) Pielacher Tegel auf. Entlang der Großen Gusen werden die Linzer Sande durch bis zu 3 m mächtige schluffig-tonige Deckschichten überlagert.

Das Gelände des Altstandortes befindet sich in am unteren Ende eines in Richtung Norden ansteigenden Hanges auf etwa 328 m ü. A. Die anstehenden Linzer Sande sind gering mächtig. Bereits in rund 4 m Tiefe steht der Grundwasserstauer (Pielacher Tegel) an. Zum Teil bestehen oberflächennah Überlagerungen mit gering durchlässigen Deckschichten (bis max. 2 m) oder anthropogenen Auffüllungen.

In den sandigen Kiesen ist ein Hanggrundwasserleiter ausgebildet. Die Mächtigkeit des Grundwassers beträgt etwa 2,5 m. Der Grundwasserspiegel befindet sich etwa zwischen 326 m ü. Ä. bis 327 m ü. A. Zum Teil kann unter gering durchlässigen Deckschichten lokal auch gespanntes Grundwasser auftreten. Die Strömungsrichtung des Grundwassers ist generell nach Südwesten gerichtet. Der Durchlässigkeitsbeiwert des Grundwasserleiters im Bereich des Altstandortes kann mit einer Größenordnung von 10-5 bis 10-6 m/s abgeschätzt werden Das Gefälle des Grundwasserspiegels ist mit rund 2,5 % vergleichsweise hoch.

Unmittelbar südlich des Altstandortes ist zu beobachten, dass in geringem Umfang Wasser aus der Großen Gusen in das Grundwasser infiltriert. In weiterer Folge wird das Grundwasser in Strömungsrichtung zunehmend mächtiger (bis zu 30 m). Die Oberkante des relativen Grundwasserstauers sinkt bis auf 60 m Tiefe ab. Das Gefälle des Grundwasserspiegels zeigt im Verlauf der Strömungsrichtung auch markante Wechsel (bis zu max. 8 % bzw. min. 0,5 %). Im zentralen Bereich des Gallneukirchner Beckens etwa 200 m bis 300 m vom Altstandort entfernt befindet sich das Grundwasser etwa 10 m bis 15 m unter Gelände. Der Durchlässigkeitsbeiwert des Grundwasserleiters beträgt in diesen Bereichen ca. 5 x 10‑4 m/s. 

Aufgrund eines alten, teilweise nicht mehr intakten Drainagesystems lässt sich die Ausbreitung des Grundwassers südlich der Gusen nicht gänzlich klären. In einer Entfernung von rund 400 m vom Altstandort werden die Strömungsverhältnisse durch dauerhafte Grundwasserentnahmen beeinflusst.

Beschreibung der Schutzgüter und Nutzungen

Der Standort der ehemaligen „Putzerei Wurm“ befindet sich im z. T. dicht bebauten Ortszentrum von Gallneukirchen. Dementsprechend ist auch die Umgebung durch eine gemischte Wohn- und Gewerbe-Nutzung geprägt. In den vergangenen Jahren wurde im Bereich des Altstandorts auf einer Fläche von ca. 6.000 m² ein Wohn- und Einkaufszentrum inkl. einer Tiefgarage errichte.

Die Große Gusen fließt etwa 30 m südlich des Altstandortes Richtung Südosten. Im weiteren Umfeld des Altstandorts befinden sich zahlreiche weitere Altstandorte, darunter mehrere andere Putzereien und Tankstellen, u. a. die mittlerweile sanierte Altlast O 73 „Tankstelle Stiglechner“.

Der Altstandort „Putzerei Wurm“ befindet sich im Einzugsbereich der Schutzgebiete für die zur Trinkwasserversorgung genutzten Brunnen Linzerberg und Klaus. Die beiden Brunnen haben einen wasserrechtlichen Konsens zur Entnahme von insgesamt 28 l/s (Brunnen Linzerberg 15 l/s). Im Jahr 2001 wurden im Bereich des Schutzgebiets der Brunnenanlage Linzerberg Verunreinigungen des Grundwassers durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (vorwiegend Tetrachlorethen), aromatische Kohlenwasserstoffe (vorwiegend Benzol) und MTBE (Methyl-tert-butylether) festgestellt. In weiterer Folge wurden zum Schutz der Brunnenanlage zwei Sperrbrunnen errichtet. Diese werden seit April 2002 mit einer Entnahme von jeweils 2 l/s betrieben. Die bestehenden Grundwasserverunreinigungen werden durch diese Maßnahmen vollständig erfasst.

Neben den beiden Trinkwasserversorgungsbrunnen befinden sich etwa 20 weitere Grundwasserentnahmen, durchwegs Haus- und Betriebsbrunnen, im Umkreis von 500 m anstromig bzw. 1 km abstromig des Altstandortes.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Auf dem Altstandort „Putzerei Wurm“ wurde rund 15 Jahre lang Tetrachlorethen als Reinigungsmittel eingesetzt. Durch Manipulationsverluste und unzureichende Schutzvorkehrungen beim Betrieb der Reinigungsmaschinen konnte Tetrachlorethen in den Untergrund gelangen.

Die Ergebnisse der Untersuchung von Bodenluft-, Feststoff- und Grundwasserproben im unmittelbaren Bereich des Altstandortes zeigten, dass eine massive Verunreinigung des Untergrundes durch Tetrachlorethen gegeben war. Als Hauptschadensherd konnte der Standort des ehemaligen Seifenabscheiders identifiziert werden. Die Feststoffproben aus der wasserungesättigten und der wassergesättigten Bodenzone zeigten sehr hohe Tetrachlorethengehalte von bis zu 64 mg/kg (LfUG-LfW-Prüfwert: 0,3 mg/kg). Gleichzeitig zeigten die Grundwasserproben aus einer Sonde nahe des Seifenabscheiders massive CKW- bzw. Tetrachlorethenbelastungen, die den Prüfwert (6 µg/l) um mehr als 3 Zehnerpotenzen überschritten. Die Ergebnisse der Bodenluftuntersuchungen waren aufgrund der Standortverhältnisse (feinkörnige, gering durchlässige Sedimente) nur sehr eingeschränkt repräsentativ, ermöglichten jedoch eine grobe Abschätzung der Größe des Schadensherdes mit rund 400 m². Die CKW-Verunreinigungen reichten jedenfalls bis in die wassergesättigte Bodenzone (ca. 1,5 m unter Gelände) und wahrscheinlich bis in den relativ seicht anstehenden Grundwasserstauer in rund 4 m Tiefe.

Die Ergebnisse von Grundwasseruntersuchungen zeigten, dass es durch den Altstandort zu einem Eintrag von CKW bzw. insbesondere Tetrachlorethen ins Grundwasser kam. Im Einzugsgebiet der Trinkwasserversorgungsanlage Linzerberg war für Tetrachlorethen ein Prüfwert von 6 µg/l maßgeblich. Im Grundwasseranstrom der „Putzerei Wurm“ war keine relevante CKW- bzw. Tetrachlorethenbelastung gegeben. Im Vergleich dazu wurden im nahen Grundwasserabstrom der „Putzerei Wurm“ deutlich erhöhte Gehalte für Tetrachlorethen (bis zu 70 µg/l) und sehr hohe Gehalte für cis-1,2-Dichlorethen (bis zu 1.500 µg/l), ein Abbauprodukt von Tetrachlorethen, nachgewiesen. Im Schadenszentrum selbst waren noch wesentlich höhere Konzentrationen zu beobachten (Tetrachlorethen: bis zu > 20.000 µg/l; cis-1,2-Dichlorethen: bis zu > 7.000 µg/l; Vinylchlorid: bis zu knapp 1.000 µg/l). Aufgrund der Ergebnisse von 24-stündigen Pumpversuchen im Jahr 2004 sowie im Vergleich mit den Ergebnissen der Grundwasserbeweissicherung für die Sperrbrunnen zur Sicherung des Wasserwerkes Linzerberg war davon auszugehen, dass im nahen Abstrom des Altstandortes bei Tetrachlorethen eine Fracht in der Größenordnung von 5 g/d gegeben war. Die Schadstofffahne war im unbeeinflussten Zustand vor Inbetriebnahme der Sperrbrunnen mehr als 500 m lang. Aktuell wird die Schadstofffahne nach rund 400 m durch den Sperrbrunnen 2 gefasst.

Die Ergebnisse von Untersuchungen in den Jahren 2009 bis 2015 legen nahe, dass neben dem Hauptschadensherd im Bereich des ehemaligen Seifenabscheiders auch die Einleitung von Abwässern in den Kanalstrang entlang der Prager Straße ein wesentlicher Eintragspfad für CKW gewesen sein dürfte. Der Kanal war in diesem Bereich stark beschädigt und wurde Ende der 1990er-Jahre vollständig erneuert. Durch die Sanierung des Kanalsystems scheint auch die davor vorhandene hydraulische Verbindung mit dem Grundwasser südlich der Großen Gusen teilweise unterbrochen worden zu sein. Die Ausbreitung der Schadstoffe südlich der Großen Gusen dürfte zudem stark von dem dort vorhandenen alten, teilweise nicht mehr intakten Drainagesystem beeinflusst worden sein. Zusätzlich zu den wahrscheinlich vorhandenen Leckagen könnten auch andere Effekte eine Rolle gespielt haben. So hat im Jahre 2010 eine Verstopfung des Drainagesystems zu einem Rückstau und einem starken Grundwasseranstieg im Bereich südlich der „Tankstelle Stiglechner“ geführt. Es ist anzunehmen, dass derartige Ereignisse auch in der Vergangenheit die Ausbreitung der Schadstoffe auf nicht mehr gänzlich nachvollziehbare Weise beeinflusst und zu einer verstärkten lateralen Ausbreitung Richtung Westen geführt haben.

Die Schadstofffahne reichte vor Umsetzung der Sicherungsmaßnahmen in das Schutzgebiet des Wasserwerkes Linzerberg. Die Ergebnisse der Grundwasserbeweissicherung zeigten außerdem für das im Zeitraum 2002 bis 2005 über den Sperrbrunnen 2 abgepumpte Grundwasser einen kontinuierlich ansteigenden Trend der Belastung durch Tetrachlorethen. Aufgrund dieser Beobachtung musste davon ausgegangen werden, dass die Schadstofffahne sich zum damaligen Zeitpunkt noch in Ausbreitung befand.

Der Altstandort „Putzerei Wurm“ verursachte eine weitreichende Verunreinigung des Grundwassers durch CKW bzw. Tetrachlorethen und stellte eine anhaltende Gefahr für eine Trinkwasserversorgungsanlage dar.

 

MASSNAHMEN ZUR SICHERUNG UND SANIERUNG

Ziel der Maßnahmen

Übergeordnetes Sanierungsziel im Sinne der ÖNORM S 2089 war es, die Verunreinigung des Untergrundes so weit zu reduzieren, dass es mittel- bis langfristig zu einer dauerhaften Rückbildung der Schadstofffahne im Grundwasser kommt, sodass im weiteren Abstrom dauerhaft und uneingeschränkt eine Nutzung des Grundwassers zu Trinkwasserzwecken gewährleistet werden kann.

Zur Konkretisierung des übergeordneten Sanierungsziels wurden als Sanierungszielwerte für das Grundwasser im Abstrom folgende Schadstoffkonzentrationen festgelegt:

  • Summe leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW): 30 µg/l
  • Summe Tetra- und Trichlorethen (PER + TRI): 10 µg/l
  • Vinylchlorid (VC): 0,5 µg/l

Als für die Erreichung der Sanierungsmaßnahmen maßgebliche Grundwassermessstellen sind die bestehenden Messstellen Z 11 und Z 12 sowie die neu errichteten Messstellen GW 01/2017 bis GW 04/2017 anzusehen.

Beschreibung der Maßnahmen

Auf dem Altstandort wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Aushub des kontaminierten Untergrunds
  • Kontrolluntersuchungen

Beurteilung der Maßnahmen

Durch die Aushubmaßnahmen wurden rund 4.100 Tonnen kontaminiertes Untergrundmaterial entfernt. Aufgrund der Größe und Tiefe des gesamten Aushubbereiches kann davon ausgegangen werden, dass annähernd die gesamte im ungesättigten und gesättigten Untergrund vorhandene Schadstoffmenge entfernt wurde.

Dies wird durch die Kontrolluntersuchungen im Grundwasser belegt. Im Grundwasserabstrom sind mittlerweile nur mehr sehr geringe Schadstoffkonzentrationen festzustellen. Die festgestellten Tetrachlorethen- und CKW-Konzentrationen liegen deutlich unter den Sanierungszielwerten.

Auch im „Sperrbrunnen 2“ der Trinkwasserversorgungsanlage „Linzerberg“ zeigt sich mittlerweile wieder ein sinkender Trend in Hinblick auf die CKW-Konzentrationen. Die Trendumkehr setzte ungefähr im Jahr 2014, also deutlich vor den Aushubmaßnahmen ein und ist wahrscheinlich im Wesentlichen auf die teilweise Unterbrechung der hydraulischen Verbindung unterhalb der Gusen in Zusammenspiel mit der Räumung des Seifenabscheiders 2005 zurückzuführen. Durch die Sanierungsmaßnahmen ist mittelfristig mit einem weiteren Rückgang der Konzentrationen zu rechnen.

 

 

Datum der Texterstellung: März 2021