Gesicherte Altlast O63: Lokomotivfabrik Krauss - Trafoölschaden

Seit etwa den 20-iger Jahren des vorigen Jahrhunderts werden am Standort elektrische Anlagen und Transformatoren produziert und zumindest seit den 70-iger Jahren mit Trafoölen hantiert. Im Jahr 1980 kam es vermutlich im Zuge eines Schadensfalles bei einem unterirdischen Tank im Bereich der Trafoölübergabestation zu einer Verunreinigung des Untergrundes mit Trafoöl. Auf einer Fläche von ca. 4.000 bis 5.000 m² schwamm Trafoöl in Phase auf dem Grundwasser auf.

Seit Mitte 2007 werden zur Dekontamination der Altlast aus Brunnen Grundwasser entnommen und nach Reinigung wiederversickert, das auf dem Grundwasser aufschwimmende Öl abgeschöpft und der Untergrund mit Warmwasser gespült. Die Phasenausdehnung hat sich auf etwa 3.000 m² verringert, es wurden insgesamt rund 30 t Öl aus dem Untergrund entfernt. Mittels Kontrolluntersuchungen wurde nachgewiesen, dass aufgrund der hydraulischen Maßnahmen keine Schadstoffausbreitung in den Grundwasserabstrom mehr stattfindet.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Linz (Stadt),
Linz,
Lustenau,
245/24, 245/46, 253/5, 254, 256/1, 257/3, 258/2, 268/18, 1310/1, 1389
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Apparate-, Anlagen-, Fahrzeug- und Trafobau
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 5.700 m²
Schadstoff(e) Mineralölkohlenwasserstoffe (aliphatische Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 22.12.2003
Datum der Prioritätenfestlegung: 01.03.2006
Priorität: 3
Datum Ausweisung gesichert: 01.09.2019
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Hydraulische Maßnahmen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 22.12.2003

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Betriebliche Anlagen und Tätigkeiten

Die gegenständliche Altlast liegt südwestlich des Frachtenbahnhofs Linz in einem Mischgewerbegebiet und befindet sich im südöstlichen Teil des Altstandortes „Lokomotivfabrik Krauss“. Hier wurden etwa seit 1880 bis 1945 Lokomotiven produziert. Seit etwa den 20-iger Jahren des vorigen Jahrhunderts werden im südöstlichen Teil des Standortes elektrische Anlagen und Transformatoren produziert.

In diesem Bereich wurde zumindest seit den 70-iger Jahren des vorigen Jahrhunderts mit Trafoölen hantiert. Die Kontamination mit Trafoöl ist vermutlich etwa im Jahr 1980 im Zuge eines Schadensfalles bei einem unterirdischen Tank im Bereich der Trafoölübergabestation entstanden.

Untergrundverhältnisse

Der Standort befindet sich geologisch betrachtet am nördlichen Rand des Molassebeckens. Auf die kristallinen Gesteine der Böhmischen Masse wurden vorwiegend im Tertiär marine Sedimente abgelagert. Hierbei handelt es sich zumeist um feinsandige Molasse-Tonmergel, allgemein als Schlier angesprochen. Der Schlier wird von quartären Sanden und Schottern überlagert, die oberste Schicht der Niederterrassenschotter wurde großteils anthropogen verändert. Das gesamte Gelände ist topografisch eben.

Unter der befestigten Geländeoberfläche liegen Anschüttungen (mit Anteilen an Schlacken, Ziegel und Betonbruch) bis in ca. 2,5 m Tiefe (lokal bis 6 m unter Gelände). Darunter folgen generell schwach bis stark sandige Fein- bis Grobkiese mit stellenweise Steinanteil bis zum Stauer. Häufig liegen linsenartige Fein- bis Mittelsandeinlagerungen vor. In rund 18,5 m unter Gelände steht Schlier an, der hydrogeologisch als Stauer fungiert.

Der Grundwasserspiegel befindet sich in einer Tiefe von rund 9,5 m unter Gelände, das Grundwasser strömt generell Richtung Nordosten ab. Die Grundwasserströmung war jahrzehntelang durch große Grundwasserentnahmen der Brauerei Linz nach Südosten umgelenkt. Während des Umbaues des Hauptbahnhofs Linz kam es im Zeitraum zwischen Jänner 2002 und Jänner 2003 aufgrund von Grundwasserabsenkungen zu einer Ablenkung des Grundwassers Richtung Nordwesten.

Die Durchlässigkeit des Aquifers beträgt rund 2 bis 3x10-3 m/s, das lokale Grundwassergefälle wurde mit rund 2,8 ‰ ermittelt. Der spezifische Grundwasserdurchfluss kann mit rund 5 m³/d,m abgeschätzt werden.

Schutzgüter und Nutzungen

Der Altstandort befindet sich in einem Wohn-Gewerbe- Mischgebiet in Linz.

Südwestlich des Schadensbereiches liegt ein Nutzwasserbrunnen der VA TECH EBG. Sonstige Grundwasserentnahmen in unmittelbarer Umgebung des Altstandortes sind nicht bekannt.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Im südöstlichen Teil der ehemaligen Lokomotivenfabrik Krauss werden seit ca. 1970 Transformatoren erzeugt. Im Zuge eines Schadensfalles kam es etwa 1980 bei einem unterirdischen Tank im Bereich der Trafoölübergabestation zu Verunreinigungen des Untergrundes mit Trafoöl.

Bei Untersuchungen des Untergrundes wurden teilweise deutliche Überschreitungen von 1.000 mg/kg TM beim Parameter Kohlenwasserstoffe festgestellt. In der ungesättigten Bodenzone konnte die Hauptbelastung auf einen rund 500 m² großen Bereich rund um die vermutliche Eintragsstelle lokalisiert werden. In der gesättigten Bodenzone und im Grundwasserschwankungsbereich wurden Kontaminationen mit Kohlenwasserstoffen bis über 20.000 mg/kg TM analysiert.

Bei punktuellen Aufschlüssen im Zuge von Anlagenstilllegungen wurde im seitlichen Anstrombereich lokal eine Belastung bis in rund 4 m Tiefe mit polychlorierten Biphenylen (bis 96 mg/kg TM) festgestellt.

Bei Grundwasseruntersuchungen wurde ein Bereich mit Öl in Phase mit rund 4.000 bis 5.000 m² Ausdehnung festgestellt, die Menge des Öls in Phase konnte mit rund 25.000 bis 50.000 Liter abgeschätzt werden. Eine Ausbreitung von gelösten Kohlenwasserstoffen konnte bis ca. 40 m im Abstrom der Ölphase festgestellt werden.

Eine tiefenorientierte Grundwasserprobenahme im Schadensbereich und Analyse der entnommenen Proben auf Kohlenwasserstoffe zeigte, dass die Hauptbelastung abnehmend bis rund 4 m unter Grundwasserspiegel reichte und darunter nur mehr sehr geringe Gehalte an Kohlenwasserstoffen gegeben waren.

Die Kohlenwasserstofffrachten im Grundwasser waren zum Teil erheblich (rund 20 bis 100 g/d). Die relativ kurze Ausbreitung der gelösten Schadstofffahne grundwasserstromab der Ölphase bestätigte die Untersuchungsergebnisse hinsichtlich des Schadens mit einem gering löslichen Mitteldestillat.

Zusammenfassend war festzustellen, dass im Bereich der ehemaligen Trafoölübergabestation eine erhebliche Verunreinigung des Untergrundes und des Grundwassers mit Kohlenwasserstoffen vorhanden war.

 

SANIERUNGS- UND SICHERUNGSMAßNAHMEN

Seit 2007 werden am Altstandort folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Grundwasserentnahme aus 3 Brunnen und Reinigung (15.11.2007 bis 22.04.2014)
  • Ölabschöpfung aus 3 Brunnen und bis zu 4 Pegel zusätzlich (15.11.2007 bis 22.04.2014)
  • Grundwasserentnahme aus 7 Brunnen und Reinigung (02.07.2014 bis dato)
  • Ölabschöpfung aus 7 Brunnen und 1 Pegel zusätzlich (02.07.2014 bis dato)
  • Bodenspülung (November 2007 bis dato, Anlagenstillstand von 22.04.2014 bis 12.02.2015)

Beschreibung der Maßnahmen

Seit November 2007 wird aus insgesamt 3 Brunnen (SBR 1 bis SBR 3) Grundwasser entnommen und über einen Sandfilter mit nachgeschalteter Aktivkohle gereinigt. In den Brunnen werden jeweils knapp oberhalb des Stauers Absenkpumpen betrieben, die durch die Grundwasserabsenkung einerseits eine hydraulische Sperrwirkung erzeugen und andererseits durch das Gefälle einen Zufluss von aufschwimmender Phase bewirken. Aus diesen drei Sperrbrunnen wurde Wasser im Ausmaß von rund 14 l/s entnommen. Im Jahr 2014 wurden zusätzliche Sanierungsbrunnen errichtet und ab Juli 2014 werden aus insgesamt 7 Sanierungsbrunnen Grundwasser im Ausmaß von rund 20 bis 25 l/s entnommen.

In den Sanierungsbrunnen sind auch Mineralölskimmer eingebaut, mittels denen aufschwimmende Ölphase entnommen wird. Zu Beginn wurde zusätzlich in 4 weiteren Pegeln aufschwimmendes Öl abgeskimmt. Je nach Ölanfall wurden zeitweise auch einzelne Skimmer außer Betrieb genommen, zuletzt wurden in den Sanierungsbrunnen und in einem zusätzlichen Pegel Skimmer betrieben.

Das aus den Sanierungsbrunnen entnommene und gereinigte Wasser wird in einem Versickerungsbrunnen im seitlichen Anstrombereich wieder versickert, ein geringer Teil davon wird zur Bodenspülung verwendet.

Zur Reinigung der ungesättigten Bodenzone wird seit November 2007 im Hauptschadensbereich Wasser über insgesamt 51 Infiltrationspegel versickert. Die Infiltrationspegel sind in sechs Gruppen unterteilt, davon wird jeweils eine Gruppe mit Warmwasser beschickt.

Beurteilung der Maßnahmen

Vor allem aufgrund der Ölphasenabschöpfung wurde die Schadstoffmenge im Bereich des Altstandortes wesentlich reduziert. Insgesamt wurden mittels der Skimmereinrichtungen rund 28 t Öl abgeschöpft, die mittels Aktivkohle adsorbierte Schadstoffmenge kann auf rund 3 t geschätzt werden. Insgesamt wurden daher seit Beginn der Maßnahmen rund 31 t Mineralölkohlenwasserstoffe (rund 35.000 Liter) aus dem Untergrund entfernt. Die Ausdehnung der aufschwimmenden Ölphase hat sich von anfänglich rund 4.000

bis 5.000 m² auf rund 3.000 m² verkleinert.

Nach Inbetriebnahme der zusätzlichen Sperrbrunnen im Juli 2014 wurde auch die Versickerungsmenge um rund 40 bis 80 % höher. Durch diese erhöhte Versickerung wurden vermutlich Restbelastungen mobilisiert und /oder Belastungen im Hauptschadensbereich etwas nach Westen verlagert. Die Belastungen im Anstrombereich dürften Relikte aus einer früheren Schadstoffverdriftung während des Betriebes der Brauerei Linz sein. Durch deren große Grundwasserentnahme war die Grundwasserströmung jahrzehntelang Richtung Südosten umgelenkt.

Es wurde nach Erhöhung der Versickerungsmenge temporär Ölphase an Messstellen festgestellt, an denen davor keine Phase vorhanden war. Dieser Effekt war über den Zeitraum von rund einem Jahr zu beobachten, seit Frühjahr 2017 sind die auftretenden Phasen gering (max. 1 cm)

Seit Inbetriebnahme der zusätzlichen Sperrbrunnen im Juli 2014 und der damit erfolgten Erhöhung der Entnahmemengen ist der hydraulische Einzugsbereich der Sperrbrunnen ausreichend, um ein Abströmen von kontaminiertem Grundwasser wirksam zu verhindern. In nebenstehender Abbildung ist die aktuelle Ausdehnung der Ölphase sowie der mittlere Einzugsbereich der Sanierungsbrunnen (Grenzstromlinie) dargestellt. Alle kontaminierten Bereiche liegen innerhalb des hydraulischen Einzugsbereiches, im Grundwasserabstrom wurde eine signifikante Verbesserung der Grundwasserqualität erzielt.

Zusammenfassend ergibt sich, dass durch die Maßnahmen eine Reduktion der Schadstoffmenge, insbesondere der mobileren Anteile, erfolgt ist. Durch den Betrieb der hydraulischen Maßnahmen werden die Schadstoffe wirksam an einer weiteren Ausbreitung im Grundwasserabstrom gehindert.

 

Datum der Texterstellung: Oktober 2018