Sanierte Altlast K8: ÖMV-Tanklager St. Peterstraße

Das ÖMV-Tanklager liegt an der St. Peterstraße im verbauten Gemeindegebiet von Klagenfurt. Südwestlich wird der Altstandort von der Ebenhofstraße begrenzt, nordwestlich von der St. Peterstraße und südöstlich von Gleisanlagen. Auf dem ca. 18.000 m² großen Grundstück befanden sich eine Füllbühne, 9 oberirdische und 12 unterirdische Behälter mit insgesamt ca. 3.200 m³ Fassungsraum sowie eine Tankstelle.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Klagenfurt (Stadt),
Klagenfurt am Wörthersee,
St. Ruprecht bei Klagenfurt,
869
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Mineralöl-, Treibstofflager,
Tankstelle
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 18.000 m²
Volumen Altlast (m³): 21.000 m³
Schadstoff(e) Mineralölkohlenwasserstoffe (Benzin, Diesel/Heizöl, Schmierstoffe/Hydrauliköle)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 03.03.1994
Datum der Prioritätenfestlegung: 10.05.1994
Priorität: 2
Datum Ausweisung dekontaminiert: 07.11.2000
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Räumung,
Hydraulische Maßnahmen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.12.2000

Der Altstandort diente schon während des zweiten Weltkrieges als Umschlagplatz für Mineralölprodukte. Danach benutzten die englischen Besatzungstruppen und in späterer Folge die ÖMV-AG den Altstandort als Tanklager. Im nördlichen Bereich entlang der St. Peterstraße wurde in den 60er Jahren eine Tankstelle errichtet.

Mit 6. März 1991 wurde die teilweise Stillegung mit Einstellung der Mineralöllagerung und die Endreinigung der Tankbehälter beim Magistrat der Landeshauptstadt Klagenfurt angezeigt. Es wurde lediglich die Lagerung von Schmierstoffen und Pflegemitteln weitergeführt. Am 19. Mai 1997 wurde schließlich die endgültige Auflassung des Tanklagers angezeigt.

Aus hydrogeologischer Sicht liegt der Altstandort im Bereich des Klagenfurter Schwemmkegels der Glan. Auf etwa 1,5 m (max. 2,25 m) mächtige anthropogene Aufschüttungen folgen im Liegenden sandige Kiese, die teilweise schluffig sind, und bis 10 Meter Tiefe erbohrt wurden. In diese Kiese sind unregelmäßig Grobsand- bis Mittelsandlinsen bzw. –lagen eingelagert. Die kf-Werte betragen für den Porengrundwasserleiter zwischen 10-3 bis 10-5 m/s. Die generelle Grundwasserströmungsrichtung verläuft nach Ostsüdost. Der Grundwasserspiegel liegt ca. 6 m unter Gelände.

Grundwasserstromab der Altlast sind im Nahbereich keine Trinkwassernutzungen bekannt. Das Grundwasser findet für Nutzwasserzwecke Verwendung. Nächstgelegenes Oberflächengewässer ist die Glan in etwa 800 m nordöstlicher Richtung. Der Altstandort liegt inmitten einer industriell genutzten Zone. In der Umgebung des Altstandortes befinden sich noch weitere Tanklager, bei denen zum Teil Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Gefährdungsabschätzung

Auf dem Gelände des ÖMV-Tanklagers in der St. Peterstraße in Klagenfurt versickerten Mineralölprodukte ins Erdreich und kontaminierten das Grundwasser. Die stärksten Verunreinigungen fanden sich dabei im ersten Meter unter Gelände und im Grundwasserschwankungsbereich in ca. 6 m Tiefe.

Der höchste gemessene Summe-KW-Wert der Bodenproben von 1.405,1 mg/kg TS stammte aus dem Bereich der Gleisanlagen südöstlich des Pumpenhauses im Grundwasserschwankungsbereich. Von allen 48 Bodenproben lag nur dieser Wert in einer Größenordnung, für die entsprechend der ÖNORM S 2088-1 der Maßnahmen-schwellenwert von 1.000 mg/kg überschritten wurde. Es wurden aber auch in mehreren Proben aus dem Grundwasserschwankungsbereich im Bereich der Gleisanlagen erhöhte Kohlenwasserstoffkonzentrationen festgestellt (bis 335 mg/kg TS). Auch im ersten Tiefenmeter im Bereich zwischen Öllagerhalle, Betriebstankstelle und Füllbühne wurden Mineralölkontaminationen nachgewiesen. Hierbei war der Oberflächenbereich der Füllbühne mit Summe-KW von 423 mg/kg am höchsten belastet.

Die Grundwasseruntersuchungsergebnisse zeigten, dass im gesamten Beprobungsgebiet Kohlenwasserstoffe im Grundwasser nachgewiesen werden konnten. Lagemäßig war der Bereich der Gleisanlagen südlich des Pumpenstandes bis südlich des ÖMV-Materiallagers und auch der Bereich der südöstlich angrenzenden Nachbarparzelle am stärksten kontaminiert. In diesen Bereichen wurden Kohlenwasserstoffgehalte im Grundwasser bis 8,05 mg/l gemessen. Die analysierten Kohlenwasserstoffgehalte lagen deutlich über dem Maßnahmenschwellenwert laut ÖNORM S 2088-1 (0,1 mg Summe-KW/l). Im übrigen Bereich des Altstandortes wurden geringere Mineralölgehalte im Grundwasser festgestellt.

Im Nahbereich der Altlast waren im Grundwasserabstrombereich keine Trinkwassernutzungen bekannt. Zum damaligen Zeitpunkt wurde von der ÖMV-AG ein Sanierungsbrunnen im Bereich der Gleisanlagen betrieben.Die vorliegenden Untersuchungen zeigten, dass durch die Mineralölkontamination des Untergrundes eine Grundwasserbeeinträchtigung verursacht wurde.

Sanierungsmaßnahmen

Folgende Sanierungsmaßnahmen wurden durchgeführt:

  • Abbruch sämtlicher ober- und unterirdischer Einbauten
  • Entfernung der Gleiskörper inklusive der Gleisschotter
  • Aushub, Entsorgung bzw. Dekontamination des kontaminierten Erdreichs entsprechend den Analysenergebnissen
  • Grundwasserhaltung bei Sanierungsarbeiten im Grundwasserbereich
  • Wiederverfüllen der Aushubbereiche mit Bodenaushubmaterial der Eluatklasse Ia

Die Sanierungsarbeiten erfolgten im Zeitraum von August 1998 bis Juli 1999. Der ursprüngliche Sanierungsbereich umfasste das Gebiet des eigentlichen Tanklagers. Nachdem jedoch im Zuge der Abbruch- und Aushubarbeiten weitere Untergrundkontaminationen im Bereich der Tankstelle und eine Kontamination im Grundwasserschwankungsbereich am südöstlich gelegenen Teerag-Asdag Gelände festgestellt wurden, wurde das Sanierungsgebiet erweitert.

Zu Beginn der Arbeiten wurde mit dem Abbau und der Entfernung von zahlreichen ober- und unterirdischen Anlagen (Stahltanks, Füllbühnen, Pumpenhaus, ober- und unterirdische Tanks, Produktenleitungen, Oberflächenbefestigungen) im Bereich des Tanklagers begonnen. Weiters wurde der Gleiskörper inklusive Gleisschotter im Südosten entfernt.

Parallel dazu wurde abschnittsweise Bodenaushub durchgeführt, wobei laufend Bodenproben entnommen wurden, die auf KW – Gesamtgehalte bzw. KW im Eluat hin untersucht wurden. Kontaminiertes Material, vor allem aus dem Grundwasserschwankungsbereich, wurde entsorgt und nach Vorliegen der Analysenergebnisse entsprechend der Eluatklassen einer Behandlung (mikrobiologische Aufbereitung) und Wiederverwertung zugeführt. Unbelastetes Aushubmaterial wurde zwischen-gelagert und wieder eingebaut.

Während der Baggerungen im Grundwasserbereich wurden Wasserhaltungen mittels Absenkbrunnen betrieben. Aufschwimmende Ölschlieren wurden abgepumpt und entfernt. Wasser aus kontaminierten Bereichen wurde über eine Absetzanlage (dichte Stahlmulden) und einen Mineralölabscheider in den öffentlichen Kanal eingeleitet.

Der Bodenaushub wurde solange fortgesetzt, bis ein KW - Gesamtgehalt der entnommenen Bodenproben von unter 500 mg/kg bzw. ein Eluatgehalt von unter 0,2 mg/l in der ungesättigten Bodenzone festgestellt wurde.

Am ehemaligen Tankstellengelände reichten die Verunreinigungen bis zur St. Peter Hauptstraße im Norden, sodass die Aushubarbeiten nur nach Errichtung einer Spundwand fortgesetzt werden konnten. Es wurde eine Abnahme der Schadstoffkonzentration gegen Norden hin festgestellt. Eine Ausbreitung des Schadensherdes über die Spundwand hinaus konnte nicht nachgewiesen werden.

Im Bereich des Teerag-Asdag Geländes war es aufgrund der anschließenden Flächennutzung (Bahnlinie, Verbauung, Lagerplatz) nicht möglich, entlang der gesamten südlichen und östlichen Baugrubengrenze (Grundwasserabstrombereich) den Aushub durchzuführen. Eine Unterschreitung des Eluatwertes für KW von 0,2 mg/l der Bodenproben im Grundwasserschwankungsbereich konnte in diesen Randzonen nicht erreicht werden, sodass gering belastete Bodenbereiche im Untergrund verblieben. Zum Rand hin war allerdings eine Abnahme des Schadstoffgehaltes und der Mächtigkeit der kontaminierten Bodenschicht zu erkennen. Zur Grundwasserbeweissicherung wurden in Folge Kontrollbrunnen entlang dieser Randbereiche errichtet, um eventuelle Restkontaminationen zu erfassen.

Zur Wiederverfüllung im Grundwasserschwankungsbereich wurde Bodenaushub-material der Eluatklasse Ia eingebaut. Im Bereich des Tanklagers und der Tankstelle wurde über dem höchsten gemessenen Grundwasserspiegel (433,9 m ü.A.) eine 0,5 m starke, gering durchlässige, tonig-schluffige Bodenschicht eingebaut. Am Teerag-Asdag Gelände wurde auf diese Bodenschicht verzichtet. Stattdessen wurde die Oberfläche in diesem Bereich mit einer Asphaltdecke versiegelt.

Die Verfüllung wurde mit unbelasteten Aushubmaterial bzw. bei Defiziten durch zugeführtes inertes Material der Eluatklasse Ia unter gleichzeitiger Verdichtung fortgesetzt. Die Herstellung des Oberflächenplanums im Bereich des Tanklagers und der Tankstelle erfolgte im Juni 1999. An den Rändern des Sanierungsgebietes wurden in einem 10 – 15 m breiten Streifen ca. 20 cm Humus aufgebracht. Mitte Juli 1999 wurde am Teerag-Asdag Gelände die Asphaltdecke fertiggestellt. Entlang der Grundgrenze des Tanklagers zum Teerag-Asdag Gelände wurde im Anschluss daran der Zaun wiedererrichtet.

Nach Beendigung der Arbeiten ergab sich ein Geländeniveau, das um ca. 0,5 bis 1 m unter dem ursprünglichen lag. Die im Zuge der Sanierungsarbeiten entsorgten Gesamtmengen sind in nachfolgender Tabelle angeführt.

Insgesamt wurden somit ca. 37.244 t kontaminiertes Erdreich entsorgt. Der gesamte Aushubbereich umfasste eine Fläche von ca. 6.000 m² . Die Gesamtmenge des ausgehobenen Materials betrug rund 21.000 m³.

Zur Grundwasserbeweissicherung wurden im Zuge der Auffüllungsarbeiten am Teerag-Asdag Gelände im April 1999 ein Grundwasserpegel (KB1) errichtet, im Mai 1999 3 Beweissicherungsbrunnen (BR1, BR2, BR3) im südlichen Randbereich der Aushubzone und zwei weitere Grundwasserpegel (KB2 und KB3) nach Abschluss der Asphaltierungsarbeiten Anfang Juli 1999 . An zwei bzw. drei Terminen wurden jeweils Schöpf- und Pumpproben entnommen und ihr Gehalt an Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW) bestimmt.

Die Brunnen KB A, KB B, KB D, KB F und der Löschwasserbrunnen am Gelände des Tanklagers wurden am zweiten und dritten Termin mitbeprobt (Schöpf- und Pumpproben). Bei keiner der Proben konnten Mineralölkohlenwasserstoffe nachgewiesen werden.

Die vorliegenden Unterlagen und Untersuchungsergebnisse zeigen nachvollziehbar, dass durch die Sanierungsmaßnahmen das verunreinigte Bodenmaterial weitgehend ausgetauscht und entsorgt wurde. Nach Beendigung der Arbeiten konnte keine Verunreinigung des Grundwassers mehr festgestellt werden. Da die Wirksamkeit und der Erfolg der Maßnahmen nachgewiesen sind, kann der Altstandort als saniert bewertet werden.

Datum der letzten Textüberarbeitung:    Oktober 2000