Altlast K28: Jungfer Akkumulatorenfabrik

Am Altstandort „Jungfer Akkumulatorenfabrik“ in Feistritz im Rosental wurde seit dem 16. Jahrhundert Eisen und seit dem Jahre 1939 Blei verarbeitet. Der Altstandort weist eine Fläche von 49.000 m² auf. Im Zuge der Bleiakkumulatorenproduktion erfolgte die Verarbeitung, Lagerung und Manipulation unter anderem von Schwermetallen und Mineralölkohlenwasserstoffen.

Im Bereich des Altstandortes sind der Boden und der Untergrund erheblich verunreinigt. Aufgrund der Untersuchungsergebnisse ist davon auszugehen, dass auch aktuell noch erhebliche Schadstoffeinträge in die Feistritz und das Grundwasser stattfinden. Die Wasser - und Grundwasserqualität wird zumindest auf einer begrenzten Fließstrecke beeinflusst. Der Altstandort „Jungfer Akkumulatorenfabrik“ stellt daher eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar. Es wird die Einstufung in die Prioritätenklasse 2 vorgeschlagen.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Klagenfurt Land,
Feistritz im Rosental,
Feistritz im Rosental,
514/1, 517/1, 518/1, 518/2, 518/3, 521/1, 525/1, 527, 549/30, 733, .49/1, .49/2, .51/1, .51/2, .53, .56, .57
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Herstellung von Batterien und Akkumulatoren
Fläche Altlast (m²): 49.000 m²
Volumen Altlast (m³): 85.000 m³
Schadstoff(e) Metalle (Blei)
Mineralölkohlenwasserstoffe
Datum Eintrag Altlastenatlas: 01.11.2010
Datum der Prioritätenfestlegung: 01.11.2010
Priorität: 2
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Abdeckungen

BETRIEBLICHE ANLAGEN UND TÄTIGKEITEN

Die Akkumulatorenfabrik der Firma Jungfer befindet sich am Südrand der Gemeinde Feistritz im Rosental, am Beginn des Bärentales. Unmittelbar westlich des Altstandortes fließt die Feistritz. Das Werksareal ist ca. 600 m lang und durchschnittlich 80 m breit. Die Fläche beträgt rund 49.000 m², davon sind ca. 20.000 m² überbaut. Der Altstandort weist eine lange Nutzungsgeschichte auf:

- Eisenwerke Feistritz im Rosental

Bereits im 16. Jahrhundert wurde am Altstandort Eisen in Hammerwerken verarbeitet. Am Werksgelände befanden sich ein Hochofen, ein Wallas, ein Zainhammer, eine Nagelschmiede sowie mehrere Drahtzüge. Diese wurden im 17. Jahrhundert verschüttet. Im Jahr 1828 bestand das Werk aus einem Hochofen, einem Röstofen, einer Erzquetsche, einem Wallas, einem Zainhammer und mehreren Drahtzügen. 1834 wurde das Drahtwalzwerk in Betrieb genommen, die Drahtstifterzeugung wurde 1866 installiert und bis 1871 auf 21 Maschinen ausgebaut. Von 1871 bis 1894 wurde ein Kraftwerk errichtet. Zu diesem Zeitpunkt waren 360 Personen für die Produktion von 12.950 Meterzentner Halbprodukte und 17.000 Meterzentner Draht und Stifte verantwortlich (1 Meterzentner = 100 kg). 1906 wurde das Werk an die „Krainer Industriegesellschaft“ verkauft, im Jahr 1933 wurde das Eisenwerk stillgelegt. Eine genaue Zuordnung von Betriebsanlagen aus dieser Zeit ist nicht möglich, jedoch lässt das Alter der Gebäude im nordöstlichen Bereich des Altstandortes vermuten, dass es sich hier um ehemalige Betriebsgebäude des Eisenwerkes handelt.

 - Akkumulatorenfabrik Dr. Jungfer und Bären Batterie GmbH

Am 1. September 1939 wurde auf dem Altstandort mit dem Bau von unterschiedlichen Akkumulatoren begonnen. Ab dem Jahr 1978 wurde neben der Produktion von Starterbatterien auch Gerätebatterien, stationäre Batterien für Notstromaggregate, Ladegeräte und Gleichrichter, Stahlakkumulatoren sowie Antriebsbatterien für Hubstapler und Elektrofahrzeuge hergestellt. Von 1959 bis 1996 wurden am Standort eine Altbatterieverwertungs- bzw. eine Bleirecyclinganlage betrieben, die im Jahr 1984 modernisiert worden sein dürfte (Einbau von Staubfiltern, Adaptierung der Abwasseranlage). Seit ca. 1960 werden Kunststoffseparatoren hergestellt.

Anfang der 90er Jahre wurden bei einem Beschäftigungsstand von 340 Mitarbeitern bis zu 1 Millionen Starterbatterien pro Jahr produziert.

Im Jahr 1998 wurde die Akkumulatorenproduktion größtenteils eingestellt. Nur die Montage von Kleinserien- und Nutzfahrzeugbatterien sowie Logistik und Versand blieben bestehen.

Die Fertigung der Batterien erfolgte in folgenden Anlagenteilen: Gittergießerei, Bleistaubproduktion, Mischerei, Pastierung, Reifung und Trocknung, Formation, Trocknung, Trennung, Batteriemontage, Containerformation.

Am Werksgelände befanden sich auch Bleirecyclinganlagen bzw. eine Altbatterieverwertung. Der Produktionsablauf gliederte sich in eine Zerlegung der Altbatterien in Stoffklassen und den Einschmelzprozess der Bleiteile im Schachtofen unter Zugabe von Koks, Eisen und Werksblei. Das entstehende Gichtgas wurde im Oberteil des Ofens erfasst und in einer Brennkammer mit Stützfeuerung verbrannt. Insgesamt wurde im Vollbetrieb ca. 960.000 kg Werksblei pro Jahr gewonnen. Die gesamte Anlage wurde nach dem Jahr 1996 abgebaut. Die Lagerung der Batteriekästen erfolgte zumindest zeitweise in einem nicht versiegelten Freilager westlich der Recyclinganlage.

Die Herstellung von PVC-Separatoren erfolgt durch Sinterung von PVC Pulver auf Stahlbänder, wobei als Hilfsstoffe unter anderem mit Lösungsmittel verdünnte Kleber zur Anwendung kommen. Die Herstellung von PE-Separatoren ist seit Ende der 90er Jahre in Betrieb, 2000 wurde die PE-Fertigung II fertig gestellt. Hierbei wird PE mit Prozessöl gemischt und anschließend zu einer Folie extrudiert. Das Öl wird durch Trichlorethen aus der Folie entfernt. Sowohl der Lösemittel- als auch der Ölkreislauf erfolgen in geschlossenen Systemen.

Auf dem Areal wurden insgesamt 10 Vorratsbehälter für Mineralölkohlenwasserstoffe mit einem Gesamtvolumen von mehr als 310 m³ errichtet, vier dieser Behälter sind nicht mehr in Betrieb, einer davon wurde bereits entfernt.

Das gesamte Betriebs- und Fäkalabwasser wird seit ca. 1988 über einen Schmutzwasserkanal gesammelt und entlang der nördlichen Grenze des Werksareals in die betriebseigene Abwasseranlage außerhalb des Geländes abgeleitet. Davor dürfte die Einleitung der Abwässer entweder direkt oder teilweise über Absetz- und Neutralisationsbecken in die Feistritz erfolgt sein. Kühlwasser aus der Separatorenherstellung wird über einen Überlauf direkt in die Feistritz eingeleitet. Das Niederschlagswasser fließt oberflächlich ab bzw. wird durch die Oberflächenentwässerung gesammelt und in die Feistritz eingeleitet.

Auf dem Werksareal befinden sich außerdem eine ehemalige Betriebstankstelle mit Öl- und Benzinabscheider, eine Schlosserei, zwei Trafostationen und ein Werksbrunnen. Eine Druckrohrleitung der Bärentaler Kraftwerke verläuft zentral durch das Betriebsareal.

Teilbereiche des Areals wurden zur Geländenivellierung aufgeschüttet. Im Bereich der PE-Fertigung II wurden im Zuge von Erdarbeiten Schlackenreste sowie Batteriekästen angetroffen.

Untergrundverhältnisse

Das betrieblich genutzte Areal ist großteils befestigt, meist dürfte die Versiegelung bereits älter als 20 Jahre sein. Lediglich Grünstreifen entlang von Gebäuden sowie nur rudimentär genutzte Bereiche sind unbefestigt.

Die Talsohle der Feistritz wird aus jungtertiären Bärentalkonglomeraten aufgebaut. Überlagert werden diese von Süd nach Nord und von Ost nach West einfallenden Konglomerate von quartären Grundmoränenmassen sowie von unterschiedlich mächtigen holozänen Talfüllungen. Die Mächtigkeit der Grundmoräne sowie der holozänen Talfüllungen ist im Bereich des Altstandortes stark schwankend, im Süden bis > 10 m, im Norden teilweise wenige Zentimeter. Diese bestehen aus wechselnden Anteilen von Steinen, Kiesen und Sanden unterschiedlicher Korngröße.

Die Grundmoräne bzw. Talfüllung bildet einen schmalen Grundwasserkörper, welcher durch die anstehende Konglomeratschicht begrenzt ist. Die Grundwassermächtigkeit beträgt im Süden 7 m und mehr, im Norden teilweise nur wenige Dezimeter. Der Grundwasserspiegel liegt im Süden bei ca. 516 m ü. A., im Norden bei ca. 496,0 m ü. A. Die Durchlässigkeit der grundwasser­führenden Schichten liegt zwischen 1,5 x 10-3 und 2,5 x 10-4 m/s. Die Grundwasserfließrichtung ist von Süd nach Nord gerichtet. Im nördlichen Drittel des Altstandortes dürfte eine höher gelegene Konglomeratbank vorhanden sein, die eine Sperre für das Grundwasser darstellt, sodass in diesem Bereich die Grundwasserfließrichtung nach Westen, Richtung Feistritz, schwenken dürfte. Das Grundwassergefälle bewegt sich im Bereich von 2 bis 8 %. Der Grundwasserkörper hat eine Breite von ca. 40 m.

Der spezifische Durchfluss des Grundwasserkörpers kann für eine Abstrombreite von 1 m somit mit ca. 13 m³/d abgeschätzt werden. Ausgehend von der Breite des betroffenen Grundwasserstroms von ca. 40 m ergibt sich ein Grundwasserdurchfluss für die gesamte Aquifermächtigkeit in der Größenordnung von ca. 500 m³/d (≈ 6 l/s).

Die Feistritz wurde im Bereich des Altstandortes und darüber hinaus teilweise mit einer Betonmauer eingefasst. Mehrere Betonwehre sind im Bereich des Altstandortes vorhanden. Aufgrund der Bachsohle aus Konglomeratgestein und der teilweisen Einfassung der Feistritz mit einer Betonmauer ist anzunehmen, dass dieses künstliche Gerinne in Teilbereichen nicht mit dem Grundwasser kommuniziert. Der Grundwasserspiegel liegt überwiegend unter der Sohle der Feistritz.

Die unter dem Altstandort verlaufende Druckrohrleitung der Bärentaler Kraftwerke wird durch die Feistritz gespeist. Vor dem Altstandort wird das Feistritzbachwasser gefasst, durch die Druckleitung und das Kraftwerk in ca. 2 km Entfernung geschleust und anschließend wieder in das ursprüngliche Bachbett der Feistritz geleitet. Im beobachteten Zeitraum wies der Feistritzbach eine Gesamtabflussmenge auf Höhe des Altstandortes von 9 bis 35 l/s und im Mittel eine Abflussmenge von 18 l/s auf. Nach der Wiedereinleitung (rund 500 m flussab des Altstandortes) wurde ein mittlerer Abfluss von 600 l/s und vor der Mündung in die Drau von rund 1.200 l/s ermittelt.

Schutzgüter und Nutzungen

Nördlich des Altstandortes befinden sich einige Einfamilienhäuser. Es sind 3 Nutzwasserbrunnen im Abstrom des Altstandortes bekannt. Der Brunnen „Camping“ befindet sich rund 1,3 km, der Brunnen „Schöffmann“ rund 1,4 km und der Brunnen „Verbund“ rund 1,7 km im Abstrom des Altstandortes. Auf dem Altstandort befindet sich ein Werksbrunnen. Im näheren Abstrom des Altstandortes sind keine weiteren Grundwassernutzungen bekannt. Im weiteren Abstrom (ca. 4 km) befindet sich der wasserwirtschaftlich bedeutende Grundwasserkörper der Drau. Der Altstandort wird zurzeit industriell genutzt.

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Der Altstandort „Jungfer Akkumulatorenfabrik“ weist eine lange Nutzungsgeschichte auf. Seit dem 16. Jahrhundert bis ins Jahr 1933 wurde am Standort Eisen verarbeitet, von 1939 bis 1998 wurden Akkumulatoren und Batterien erzeugt und zum Teil Altbatterien verwertet und Bleirecycling durchgeführt. Im Jahre 1998 wurde die Akkumulatorenfabrik größtenteils stillgelegt. Am Werksgelände kam es im Laufe der Jahre zu großräumigen Anschüttungen und Umlagerungen, die hauptsächlich zur Geländenivellierung dienten. Die Anschüttungen sind hinsichtlich der Mächtigkeit und Verunreinigung sehr unterschiedlich. Die Auffüllungen reichen bis zu 8 m unter die heutige Geländeoberkante. Der Altstandort weist eine sehr große Fläche von 49.000 m² auf.

Die Ergebnisse der Feststoffuntersuchungen des Untergrundes zeigen bei mehr als der Hälfte der untersuchten Proben massive Bleikontaminationen bis in Tiefen von 8 m unter Gelände. Weiters treten zum Teil deutlich erhöhte Konzentrationen an Antimon, Arsen, Cadmium, Kupfer und Zink auf. Diese erhöhten Konzentrationen zeigen sich vorwiegend an Proben, die auch massive Bleikonzentrationen aufweisen. Die massivsten Untergrundbelastungen treten in Anschüttungsbereichen, die sich im gesamten Längsverlauf auf der nördlichen also der Feistritz zugewandten Seite des Altstandortes befinden auf. Ein Vergleich der Gesamtgehalts­konzentrationen mit den eluierbaren Anteilen zeigt eine geringe Mobilität der erwähnten Metalle bzw. Halbmetalle. Bei Bohrungen bei denen keine Anschüttungen angetroffen wurden, waren die Belastungen an Blei auf die obersten 50 cm des Untergrundes beschränkt. Eine Zuordnung der festgestellten Verunreinigungen auf nutzungsbezogene Eintragsstellen kann aufgrund der Umlagerungs- / Anschüttungsbereiche und der nahezu flächendeckenden Belastung der obersten 50 cm des Untergrundes mit Blei nicht erfolgen.

Der Bereich mit tiefreichenden Anschüttungen und hohen Bleikonzentrationen kann mit rund 25.000 m² und das Volumen mit rund 85.000 m³ abgeschätzt werden. Die Gesamtmenge an Blei im Untergrund kann grob mit 2.000 t abgeschätzt werden.

Weiters wurden zum Teil beträchtliche Untergrundkontaminationen mit Kohlenwasserstoffen festgestellt. Die Belastungsschwerpunkte an Kohlenwasserstoffen befinden sich einerseits an lokalen Eintragspunkten von Lager- und Manipulationsbereichen und andererseits im Bereich von Anschüttungen. Die Kontaminationen an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen beschränken sich auf die erwähnten Anschüttungsbereiche und sind aufgrund der Ergebnisse der Eluatanalysen und des Fehlens von Naphthalin als wenig mobil zu beurteilen.

Die am Altstandort entnommenen Bodenproben weisen bei den Parametern Blei und Antimon massive, bei Arsen und Cadmium beträchtliche sowie bei polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, Fluorid, Dioxinen, Zink und Kupfer vereinzelt Kontaminationen auf. Bei den im Nahbereich des Altstandortes entnommenen Bodenproben wurden ebenfalls massive Kontaminationen an Blei und Antimon als auch vereinzelt Kontaminationen an Cadmium, Arsen und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen festgestellt.

Ursache für die Verunreinigungen des Bodens außerhalb des Altstandortes dürften Windverfrachtung und Deposition sein. Die Konzentrationen nehmen mit zunehmender Tiefe und Entfernung zum Altstandort schnell ab. Die Untersuchungen der Schadstoffmobilität in Bezug auf die Pflanzenverfügbarkeit zeigen hohe Werte der Parameter Blei und Arsen, vermehrt im Bereich von 0 – 0,1 m unter Gelände. Bei den Untersuchungen der Bodenproben der Beprobungsfläche nördlich des Altstandortes wurden Überschreitungen des Prüfwertes nach ÖNORM S 2088-2 Tabelle 1 der Parameter Blei und Antimon festgestellt. Die Maßnahmenschwellenwerte werden nicht überschritten. In der Umgebung dieser Beprobungsfläche befinden sich sensible Nutzungen (Hausgärten).

Im Bereich des Altstandortes stellt sich der Grundwasserkörper als ein schmaler Grundwasserbegleitstrom zur Feistritz dar. In Strömungsrichtung nach den Grundwassermessstellen KB 28 und KB 36 bildet der Grundwasserstauer eine Barriere in Ostwestrichtung. Vermutlich wird der gesamte Grundwasserstrom in Richtung Feistritz umgelenkt. Die Grundwassermessstellen befinden sich demzufolge im Anstrom und auf dem Altstandort, zum Teil auch in massiv kontaminierten Anschüttungsbereichen. Eine tatsächliche Abstromsonde existiert aufgrund der zuvor beschriebenen geologischen Verhältnisse nicht. Im weiteren Abstrom befinden sich 3 Nutzwasserbrunnen. Die Grundwasserproben aus der Anstromsonde zeigen zum Teil Werte über dem Maßnahmenschwellenwert der ÖNORM S 2088-1 Tabelle 4 und 5 der Parameter aliphatische Kohlenwasserstoffe und Antimon. Die am weitesten nördlich auf dem Altstandort gelegene Grundwassermessstelle KB 28 und die am nördlichsten zwischen Altstandort und Feistritz gelegenen Grundwassermessstellen KB 36 und KB 38 (Abstromsonden) zeigen deutliche Überschreitungen der Maßnahmenschwellenwerte für Blei, Antimon und CKW (nur KB 36) sowie vereinzelt Überschreitungen der Prüf- bzw. Maßnahmenschwellenwerte von Σ KW, Nitrit, Ammonium und Nickel. In der Grundwassermessstelle KB 29 wird vermutlich nicht unmittelbar Grundwasser, sondern Schicht- bzw. Ablagerungs­sicker­wasser erfasst.

Eine Abschätzung des Grundwasserdurchflusses im Bereich des Altstandortes ist aufgrund der heterogenen hydrogeologischen Verhältnisse mit großen Unsicherheiten behaftet. Trotz des relativ kleinen Abflussquerschnitts (geringe Mächtigkeit, schmaler Grundwasserstrom) ist aufgrund der guten Durchlässigkeit des Untergrunds und des sehr hohen Grundwasserspiegelgefälles der Grundwasserdurchfluss erheblich. In Zusammenhang mit den bisher gemessenen Schadstoffkonzentrationen ergibt sich eine erhebliche Schadstofffracht im Grundwasser. Aufgrund der hydrogeologischen Standortbedingungen ist es unwahrscheinlich, dass die in den mehr als einen Kilometer entfernten Nutzwasserbrunnen zeitweise festgestellte Verunreinigung des Grundwassers mit Blei in einem unmittelbaren Zusammenhang mit den Untergrundverunreinigungen am Standort steht.

Bei den entnommenen Oberflächenwasserproben aus der Feistritz wurden Vergleichswerte der QZV Chemie OG (Qualitätszielverordnung Chemie Oberflächengewässer) für den Parameter Blei überschritten. Erhöhte Konzentrationen an Antimon wurden bei fast allen Probenahmestellen festgestellt. Die beobachteten Bachwasserbelastungen der oberstromigen Probenahmestellen können nicht unmittelbar dem Altstandort zugeordnet werden.

Bei den Bachsedimentproben an den Probenahmestellen auf Höhe des und flussab des Altstandortes konnten deutlich höhere Konzentrationen an Blei und Antimon nachgewiesen werden als bei den Probenahmestellen im Anstrom. Der im Bereich des Altstandortes auftretende Höchstwert von 5.500 mg/kg Blei im Bachsediment lässt auf einen Eintrag durch das hier situierte Freilager für Altbatterien sowie durch die Bleirecyclinganlage schließen. Der neuerliche Anstieg der Bleikonzentration im nördlichen Randbereich und über den Bereich des Altstandortes hinaus kann vermutlich auf die hier situierten Bleischlamm­absetzbecken zurückgeführt werden. Eine Belastung des Bachsedimentes der Feistritz mit Blei ist bis in eine Entfernung von ca. 2 km flussab des Altstandortes (bis zur Einmündung in die Drau) nachweisbar.

Die Ergebnisse der Untersuchungen lassen eine deutliche Belastung des Bodens, der Bachsedimente und des Grund- und Bachwassers erkennen. Durch Vergleiche der Bachsedimente und des Grundwassers im An- und Abstrom des Altstandortes sind Konzentrationserhöhungen insbesondere von Blei und Antimon festzustellen.

Die deutlichen Schadstoffbelastungen im Wasser und im Sediment der Feistritz sind auf Schadstoffemission aus dem Bereich des Altstandortes zurückzuführen. Die Belastungen im Bachsediment reichen bis zur Mündung des Feistritzbaches in die Drau. Es wird angenommen, dass der Eintrag von Blei in die Feistritz hauptsächlich über oberflächlich abfließendes oder abgeleitetes Niederschlagswasser aus dem Bereich des Altstandortes erfolgt.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Altstandort eine massive Boden- und Untergrundbelastung mit Metallen und Kohlenwasserstoffen aufweist. Ausgehend von diesen erheblichen Kontaminationen wird das Grundwasser und die Feistritz insbesondere mit Blei verunreinigt. Die Schadstoffemissionen in das Grundwasser und in die Feistritz sind erheblich. Der Altstandort „Jungfer Akkumulatorenfabrik“ stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist die Feistritz. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden:

Schadstoffpotenzial: äußerst hoch (4)

Am Altstandort „Jungfer Akkumulatorenfabrik“ sind auf einer Fläche von rund 25.000 m² tiefreichende Anschüttungen mit erheblichen Bleiverunreinigungen vorhanden. Das Volumen des mit Blei erheblich verunreinigten Untergrundbereiches kann mit rund 85.000 m³ grob abgeschätzt werden, und ist als groß zu beurteilen. Blei weist aufgrund der stofflichen Eigenschaften ein sehr hohes Gefährdungspotential für Oberflächengewässer auf. Unter Berücksichtigung der Art des Schadstoffes und der im Untergrund vorhandenen Schadstoffmenge ergibt sich insgesamt ein äußerst großes Schadstoffpotenzial.

Schadstoffausbreitung: begrenzt (2)

Die Schadstoffe werden über oberflächlich abfließendes Niederschlagswasser in die Feistritz eingetragen. In der Feistritz wurden Bleibelastungen bis zur Mündung in die Drau in 2 km Entfernung festgestellt. Diese Belastungen können nicht ausschließlich auf aktuelle Bleiemissionen aus dem Bereich des Altstandortes zurückgeführt werden. Es wird angenommen, dass die Bleibelastungen im Bereich der Restwasserstrecke bis ca. 500 m stromab des Altstandortes vorwiegend aus dem Bereich des Altstandortes stammen. Der Abfluss in der Restwasserstrecke ist gering mit im Mittel rund 20 l/s. Die Schadstofffracht ist daher als gering zu beurteilen. Die Schadstoffausbreitung ist insgesamt als begrenzt zu bewerten.

Schutzgut: nutzbar (1)

Der Altstandort befindet sich in einem engen Tal, das von der Feistritz durchflossen ist. Die Feistritz wird auf ihrer gesamten Länge zur elektrischen Energiegewinnung genutzt. Mehrere Ausleitungsstrecken, Wehranlagen und Turbinenhäuser prägen das Erscheinungsbild der Feistritz. Die ökologische Bedeutung ist aufgrund der harten Verbauung als gering zu beurteilen. Die Bedeutung des Schutzgutes Oberflächengewässer ist insgesamt als nutzbar zu bewerten.

Prioritätenklasse – Vorschlag: 2

Entsprechend der Bewertung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der Gefährdungsabschätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien schlägt das Umweltbundesamt die Einstufung des Altstandortes „Jungfer Akkumulatorenfabrik“ in die Prioritätenklasse 2 vor.