Altlast K10: Deponie Schüttbach

Die Altablagerung "Schüttbach" liegt in einem ehemaligen Altarm der Drau. Sie befindet sich zwischen dem Goldeckabhang im Süden und der Drau im Norden. Im Westen erstrecken sich die Ablagerungen bis zum ehemaligem "Bergerschlössl", im Osten derzeit bis zu den "Bergerteichen".

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Spittal an der Drau,
Baldramsdorf,
Baldramsdorf,
1629/1, 1632/1, 1632/4, 1637/1, 1637/3, 1637/4, 1638/1, 1639/1, 1639/2, 1639/3, 1639/4, 1640, 1642, 1665/5, .151, .225, .226
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Kommunale Deponie
Fläche Altlast (m²): 140.000 m²
Schadstoff(e)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 11.05.1994
Datum der Prioritätenfestlegung: 06.07.1994
Priorität: 2
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Abdeckungen,
Vertikale Dichtelemente
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.03.2001

Es wurden auf einer Fläche von ca. 90.000 m² Hausmüll, Bauschutt, Industrie- und Gewerbemüll und vermutlich Abraummaterial, Klärschlamm, Schlacken und Aschen abgelagert. Während der östliche Teil der Altablagerung seit etwa 1980 vom Abfallwirtschaftsverband (AWV) Spittal/Drau geschüttet wurde, erfolgten die Schüttungen im Westteil seit etwa 1967 bis 1980 unter einem privaten Betreiber. Die Verfüllung des Drauarms erfolgte als eine bis zu ca. 11 m mächtige Grubenschüttung. In den nach 1989 geschütteten Abfallbereichen im Osten der Altlast beträgt die Müllmächtigkeit bis ca. 18 m, da hier zusätzlich zur Altarmverfüllung noch Haldenschüttung betrieben wird. Das gesamte Abfallvolumen der Altablagerungen ist nicht genau bekannt, beträgt jedoch etwa 800.000 bis 900.000 m³.

Die Oberfläche der Altablagerungen (insbesonders im Westteil) wurde teilweise rekultiviert, ansonsten bestehen jedoch keine deponietechnischen Schutzeinrichtungen.

Die Altablagerung liegt im Bereich fluviatiler Sedimente des Drautales. Eine jüngere Abfolge von Schotter und Sanden mit eingeschalteten grobklastischen Blöcken weist Mächtigkeiten von 4 bis 14 m auf. Darunter lagern bis zu 40 m mächtige limnische Tone und Schluffe. Dieses, mit einem Durchlässigkeitsbeiwert von etwa 1*10-8 m/s, wasserstauende Sediment wird gegen Westen zu sandiger (durchlässiger) und keilt gegen Westen und Süden hin aus. Die älteren fluviatilen Schotter im Liegenden gehen hier übergangslos in die jüngeren Schotter über. Gegen Süden zu verzahnen die fluviatilen Schotter mit dem Hangschutt des Goldecks.

Im Aquifer der fluviatilen Schotter wurden bei Pumpversuchen Durchlässigkeitsbeiwerte von 2,6–6,2*10-3 m/s gemessen. Im Bereich des Draualtarmes weist der obere Aquifer (über den limnischen Tonen gelegen) Grundwassermächtigkeiten bis zu 10 m auf, während zum Randbereich hin die Mächtigkeiten auf 3 bis 6 m zurückgehen. Die Staueroberkante ist durch Erosionsbereiche sehr unregelmäßig aufgebaut. Östlich der Deponie tritt das Grundwasser in den Bergerteichen zu Tage.

Die Grundwasserströmungsrichtung verläuft nach Nordost und das Grundwasser tritt in die Drau über. Bei höheren Grundwasserständen ändert sich die Strömungsrichtung im Ostbereich auf Ost. Das Grundwasser strömt etwa Drau-parallel und tritt weiter im Osten der Drau zu. Im Südbereich der Altlast liegt der Grundwasserspiegel durch Hangwässer bis zu 5 m höher. Die Abstandsgeschwindigkeit beträgt zwischen 1 m/d bis 13 m/d.

Im Bereich des verfüllten Drautalarmes liegt die Deponiesohle stellenweise im Grundwasserschwankungsbereich. Der Ostteil wird vom AWV Spittal/Drau als Bezirksdeponie verwendet. Geplant ist die Nutzung bis ins Jahr 2030. Der Westteil wird teilweise landwirtschaftlich genutzt.

Südlich der Altlast, zum Goldeckhang hin, tritt ein von der Deponie unbeeinflußter Quellhorizont mit 10 Quellen auf. In ca. 1–1,2 km ostsüdöstlicher Richtung liegen 3 Brauchwasserbrunnen. Nur bei Drau-paralleler Grundwasserströmung können sich diese im Abstrombereich zur Altablagerung befinden.

Gefährdungsabschätzung

Ein Altarm der Drau wurde seit 1967 auf einer Fläche von ca. 90.000 m² mit etwa 800.000–900.000 m³ Abfall verfüllt. Die ältesten Schüttungen befinden sich im Westen, während im Osten auch aktuell vom AWV Spittal/Drau Abfälle deponiert werden.

In Teilen des ehemaligen Altarms der Drau, der morphologisch eine Mulde bildet, reicht das Grundwasser bis in den Bereich der Müllschüttung. Dadurch kommt es zu einer vermehrten Auslaugung der abgelagerten Abfälle.

Aufgrund der Deponiegasuntersuchungen bei einer Probeentgasung der östlichen Deponieschüttung wurden beträchtliche Halogengehalte (bis 87,8 mg FCKW/m³) im Deponiegas festgestellt. Das Deponiegas wird zusätzlich durch das Vorhandensein von bis zu 57,1 mg H2S/m³, weiters durch Mercaptane, Benzin-Kohlenwasserstoffe und leichtflüchtige halogenierte, aliphatische Kohlenwasserstoffe charakterisiert. Anhand der Qualität der Deponiegase muß davon ausgegangen werden, dass in der betreffenden Altablagerung auch Abfälle mit hoher Stoffgefährlichkeit geschüttet wurden.

Im Vergleich zur anströmig gelegenen Grundwassersonde kommt es im Bereich der Altablagerung und davon abströmig zu deutlichen Erhöhungen der Wasserinhaltsstoffe.

Die stärksten Kontaminationen lassen sich in den Grundwassersonden im westlichen Altablagerungsbereich und unmittelbar abströmig der jüngeren Schüttungen des AWV Spittal/Drau nachweisen. Erhöhte Gehalte an organischen Substanzen im Grundwasser werden durch TOC-Werte (gesamter, organisch gebundener Kohlenstoff) bis 18,3 mg/l dokumentiert. Im Deponiebereich kommt es im Grundwasser zu einer Erhöhung der Leitfähigkeit und des chemischen Sauerstoffbedarfs (CSB), der Sauerstoffgehalt des Grundwassers sinkt gegen Null und das Wasser härtet auf. Die zulässigen Höchstkonzentrationen für Trinkwasser nach dem österreichischen Lebensmittelbuch werden in den Parametern Ammonium, Kalium, Magnesium, Eisen, Mangan und Phenolindex überschritten. Ein AOX-Gehalt (adsorbierbare organisch gebundene Halogene) bis zu 90 µg/l weist ebenfalls auf die Altablagerung hin. Weiters lässt sich in der Grundwassermessstelle im westlichen Altablagerungsbereich Sulfid bis 0,3 mg/l im Grundwasser nachweisen.

Das Ausmaß der Beeinträchtigungen nimmt abströmig mit der Entfernung zur Altablagerung ab. In einer 600 m entfernten Grundwassersonde sind nur noch zeitweilig der Eisengehalt und der Phenolindex geringfügig über der zulässigen Höchstkonzentration für Trinkwasser des österreichischen Lebensmittelbuches.

Die in 1–1,2 km ostsüdöstlicher Richtung liegenden Brunnen werden zu Brauchwasserzwecken genutzt. Diese liegen bei den üblichen Grundwasserverhältnissen nicht mehr im Abstrombereich der Altablagerung.

Die vorliegenden Unterlagen und Untersuchungsergebnisse zeigen, dass eine Beeinträchtigung des Schutzgutes Grundwasser gegeben ist.

Datum der letzten Textüberarbeitung: April 1994