Gesicherte Altlast T13: Deponie Kleinsöll-Unterholzen

Auf der „Deponie Kleinsöll-Unterholzen“ wurden von 1983 bis 1993 rund 14.000 mHausmüll, Sperrmüll, Bauschutt, Erdaushub und Gewerbemüll aus der Gemeinde Breitenbach am Inn abgelagert. Dabei handelt es sich um eine Grabenverfüllung, die ursprünglich durch eine 12 m hohe hölzerne Krainerwand abgeschlossen wurde.

Standsicherheit der Krainerwand mittelfristig nicht gegeben war, wurde ein Vorsatzdamm geschüttet. Außerdem erfolgte eine Abdeckung der Deponie gegen Niederschlagswasser, die Ableitung von Fremdwässern und die Errichtung einer Sickerwasserfassung sowie einer Sickerwasserreinigungsanlage. Die Altablagerung ist als gesichert zu bewerten.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Kufstein,
Breitenbach am Inn,
Breitenbach,
1228, 5871
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Kommunale Deponie
Art der Ablagerungen: Hausmüll,
Bauschutt,
Aushubmaterial/Abraum
Ergebnis Beurteilung: sonstiges erhebliches Risiko
Fläche Altlast (m²): 3.300 m²
Volumen Altlast (m³): 14.000 m³
Schadstoff(e)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 03.09.1997
Datum der Prioritätenfestlegung: 14.11.1997
Priorität: 3
Datum Ausweisung gesichert: 01.03.2008
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Abdeckungen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.03.2008

Beschreibung der Altablagerung

Die Altablagerung befindet sich am nördlichen Talrand des Inntales im Bereich einer terrassenförmigen Hochfläche rund 650 m östlich der Ortschaft Kleinsöll.

Im Zeitraum von 1983 bis 1993 wurden Hausmüll, Sperrmüll, Bauschutt, Erdaushub und Gewerbemüll aus der Gemeinde Breitenbach am Inn abgelagert. Es wurde ein Erosionsgraben verfüllt. Ein Teil des sich in Richtung Süden erweiternden und steil abfallenden Papastallgrabens wurde durch eine 12 m hohe Krainerwand abgeschlossen.

Insgesamt wurden dabei auf einer Fläche von rund 2.500 m² mit maximalen Schütthöhen bis zu 15 m rund 14.000 m³ Abfälle abgelagert. Die Schüttung der Abfälle erfolgte unmittelbar auf das bestehende Gelände ohne Errichtung einer Basisabdichtung. Ein an der Sohle des Grabens fließender Bach wurde im Bereich der Altablagerung verrohrt. Zwei an der Flanke des Grabens entspringende Quellen wurden gefasst und ebenfalls verrohrt durch die Deponie abgeführt.  Am Fuß der Altablagerung bzw. der Krainerwand mündeten zwei Rohre aus. Die Krainerwand war mit Rundhölzern errichtet worden, die unbehandelt bzw. nicht imprägniert sind. Die Deponie wurde nach Abschluß mit Erdaushub und Bauschutt abgedeckt.

Beschreibung der Untergrundverhältnisse

Die Altablagerung befindet sich am Rand der terrassenförmigen Hochfläche. Die Terrassenkante der Hochfläche liegt auf rund 610 bis 620 m ü.A., der Talboden des Inntales auf ca. 505 m ü.A. Den Übergang zwischen der Hochfläche zum Inntal stellt ein bewaldeter Hang dar, der steil abfällt. Die ebene Oberfläche der Deponie befindet sich auf etwa 606 m ü.A., der Fuß der abschließenden Krainerwand war auf etwa 584 m ü.A.

Am Standort der Altablagerung wird der dolomitische Felsuntergrund durch tertiäre Schichten, die aus Mergeln und Sandsteinen bestehen, und quartäre Inntalschotter überdeckt. Die Mächtigkeit der oberflächennah anstehenden Flußschotter beträgt im Bereich der Terrassenkante ca. 25 m und nimmt mit zunehmendem Abstand von der Geländekante in Richtung Norden ab. An der Basis der Schotter ist über den tertiären Schichten zum Teil eine Grundmoräne ausgebildet.

Die vor allem an den Flanken des Deponiekörpers anschließenden Kiese zeigen Durchlässigkeitsbeiwerte in der Größenordnung von ca. 5*10-5 bis 2*10-6  m/s und sind als durchlässig zu bezeichnen. Die unterlagernden tertiären Schichten und die in Teilbereichen vorhandene Grundmoräne sind als sehr gering durchlässig bzw. als Grundwasserstauer anzusehen. Das Grundwasser aus dem Einzugsbereich der terrassenförmigen Hochfläche nördlich bzw. oberhalb der Altablagerung fließt dem nach Süden gerichteten Gefälle  der stauenden tertiären Schichten folgend ab. Dementsprechend sind in den Hangbereichen unterhalb der Terrassenkante in Höhe der Schichtgrenze zwischen den quartären und den unterlagernden tertiären Schichten eine größere Anzahl von Quellen ausgebildet.

Beschreibung der Schutzgüter und Nutzungen

Die Altablagerung befindet sich in einem Wald. Die Quellen unterhalb der Deponie werden nicht genutzt. Die nächsten bewohnten Gebäude befinden sich ca. 500 m entfernt.

Gefährdungsabschätzung

Über den Zeitraum von 1983 bis 1993 wurden die Abfälle der Gemeinde Breitenbach im Bereich eines natürlichen Grabens abgelagert. Insgesamt wurden rund 14.000 m³ Hausmüll, Sperrmüll, Bauschutt, Erdaushub und gewerbliche Abfälle abgelagert. Die Ablagerungen erfolgten ohne technische Maßnahmen zum Grundwasserschutz unmittelbar auf das bestehende Gelände. Der den Graben durchfließende Bach und im Deponiegelände austretende Quellen wurden verrohrt durch- bzw. ausgeleitet. Der Deponieabschluß am südlichen, talseitigen Ende erfolgte durch eine 12 m hohe Krainerwand. Am Fuße dieser Krainerwand trat das Deponiesickerwasser aus.

Auf Grund der Ergebnisse der Mengenmessungen hinsichtlich der am Böschungsfuß austretenden Sickerwässer war davon auszugehen, dass es in den überschütteten Bereichen an der Deponiesohle zu Wasserzutritten kommt. Die gemessenen Sickerwassermengen (0,2 bis 1,1 l/s) waren signifikant größer, als die auf Grund der versickernden Niederschlagsanteile zu erwartenden Sickerwassermengen (durchschnittlich höchstens 0,1 l/s).

Die Analysenergebnisse der Sickerwasserproben (sh. Tabelle 1) zeigten im Vergleich zu Erfahrungswerten bezüglich der Sickerwasserqualität an kommunalen Deponien bzw. Altablagerungen relativ geringe organische und anorganische Belastungen. In Bezug auf die Parameter BSB5 (Biochemischer Sauerstoffbedarf), Ammonium und Eisen waren wiederholt Überschreitungen der Grenzwerte für die Einleitung in ein Fließgewässer zu beobachten.

Die Analysenergebnisse von Wasserproben des Baches und der Wasserausleitungen aus der Altablagerung zeigten jedoch nur in geringem Umfang Hinweise darauf, dass die Wasserqualität durch die Altablagerung beeinflusst wurde. Lediglich an der Quellausleitung aus der Altablagerung war eine Erhöhung der Gesamtmineralisierung, eine Aufhärtung swoie Sauerstoffzehrung feststellbar. An den Wasserproben der Quellen unterhalb der Deponie war keine qualitative Veränderung nachweisbar.

Der Deponiekörper war durch eine Krainerwand aus unbehandelten Rundhölzern abgeschlossen. Auf Grund der Tatsache, daß die Rundhölzer nicht imprägniert waren, kam es zu einer fortschreitenden Verwitterung, die vor allem im Bereich der Sickerwasseraustritte am Deponiefuß intensiv war. Dementsprechend musste davon ausgegangen werden, dass der auf die 12 m hohe Krainerwand einwirkende Erddruck  mittelfristig zu einem Bruch der vermodernden Rundhölzer im Bereich des Deponiefußes sowie nachfolgend zu Massenbewegungen des Deponiekörpers und einem Bruch der gesamten Krainerwand führen würde.

Bei einem derartigen Versagen des Bauwerkes wären die abgelagerten Abfälle entlang der steil abfallenden Oberfläche des Papastalllgrabens abgerutscht. Die Sohle des Grabens und insbesondere das Bachbett innerhalb des Grabens wären in diesem Fall über eine weitere Strecke mit Abfällen verlegt worden. In weiterer Folge wäre es durch die den Abfällen vor allem aus der Bachdurchleitung zusätzlich zutretenden Wassermengen,  auch zu einer deutlichen Erhöhung der Sickerwasseremissionen der Deponie gekommen.

Zusammenfassend ergab sich, dass kommunale Abfälle zwar ohne entsprechende technische Maßnahmen zur Erfassung des Sickerwassers abgelagert  worden waren, das im Bereich der Altablagerung anfallende Sickerwasser jedoch nur gering belastet war und daher keine Gefährdung von Grund- oder Quellwässern gegeben war. Allerdings war die als Krainerwand ausgeführte Deponieböschung nicht ausreichend standsicher, sodass mittel- bis langfristig mit einem Versagen dieses Bauwerkes und einem Abrutschen des Deponiekörpers zu rechnen war. Damit war eine erhebliche Gefahr der Umwelt bzw. eines Oberflächengewässers gegeben.

Sicherungsmaßnahmen

Ziel der Maßnahmen war die Herstellung eines Zustandes, bei dem dauerhaft die Standsicherheit der ehemaligen Deponie gewährleistet ist, so dass für den im Papastallgraben abfliessenden Bach keine Gefahr mehr gegeben ist. Ergänzend dazu sollte im Bereich der Altablagerung eine geordnete wasserwirtschaftliche Situation (insbesondere Entwässerung) hergestellt werden.

Zu diesem wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Herstellung eines Stützdammes zur Erreichung der Standsicherheit
  • Abdeckung der Altablagerung und Ableitung von Niederschlagswasser
  • Erfassung und Ableitung unbelasteter Oberflächenwässer
  • Erfassung und Reinigung von Deponiesickerwässern und Hangwässern

In der Abbildung sind die Maßnahmen zur Sicherung der Altablagerung in einer schematischen Skizze zusammengefasst. Die Durchführung der Maßnahmen erfolgte im Zeitraum 1998 bis 1999.

Errichtung des Stützdammes

Zur  Gewährleistung der Standsicherheit der Altablagerung wurde unterhalb (südlich) der Krainerwand ein Stützdamm, bestehend aus einem betonierten Fußdamm sowie einer mineralischen Vorschüttung errichtet. Für den Fußdamm wurde der gewachsene Boden bis zur vorhandenen Felsmoräne abgegraben und entfernt. Der aus Pflastersteinen in Beton bestehende Fußdamm wurde auf die Felsmoräne aufgesetzt und mittels Steckeisen verankert. Für die Errichtung der Vorschüttung wurde mineralisches Material lagenweise zwischen dem Fußdamm und der bestehenden Krainerwand geschüttet. Außerdem wurden die diffusen Wasseraustritte an den Grabenflanken drainagiert.

Oberflächenabdeckung und Oberflächenentwässerung

Über dem Deponiekörper wurden geosynthetische Tondichtungsbahnen (Bentonit), ein Schutzvlies zum Schutz der Dichtung und darüber 30 – 50 cm Aushub und Humus aufgebracht. Die Geländeoberfläche wurde in Form eines an die örtlichen Gegebenheiten angepassten Dachprofiles angelegt, sodass eine seitliche Entwässerung des Oberflächenabflusses bei Niederschlagsereignissen gegeben ist. An den Rändern der Altablagerung bzw. der Abdeckung wurden Oberflächenwasserdrainagen ausgeführt; diese, allenfalls geringfügig beeinflussten Wässer, werden unterhalb der Deponie in den Bach eingeleitet (sh. Abbildung).

Erfassung und Ableitung unbelasteter Hang- und Oberflächenwässer

Der ursprünglich über den Papastallgraben abfließende Bach war bereits vor Beginn der Schüttung der Abfälle gefasst und in Form eines Vollrohres an der Sohle der Deponie durchgeleitet worden. Im Zuge der Errichtung des Stützdammes wurde diese Durchleitung durch ein betonummanteltes PVC-Vollrohr verlängert. Zusätzlich wurden an der westlichen Deponieböschung anfallende, unbelastete Hangwässer gefasst. Diese unbelasteten Wässer werden in den Inn eingeleitet.

Sickerwassererfassung und -reinigung

Zur Erfassung des Sickerwassers der Altablagerung wurde vor Errichtung des Stützdammes am Fuß der Krainerwand eine Drainageleitung zur Erfassung errichtet. Das Sickerwasser wird in einem betonummantelten PVC-Rohr durch den Fußdamm in einen Sickerwasserschacht (S2) abgeleitet. Auch das Wasser jener beiden Quellen, die vor Überschüttung mit Abfällen gefasst und verrohrt worden waren, wird in diesen Schacht eingeleitet. Ebenso wurden auch an der östlichen Deponieböschung anfallende Hangwässer gefasst und gesondert mit einem PVC-Vollrohr in den Sickerwasserschacht abgeleitet (sh. Abbildung). Das Mischwasser des Schachtes wird der Sickerwasserreinigungsanlage zugeleitet.

Die Sickerwasserreinigungsanlage besteht aus folgenden Anlageteilen:

  • mechanische Vorreinigung: Beruhigungsschacht, Belüftungsschacht, Absetzschacht und Sammel- bzw. Schwallbeschickungsschacht 1:
  • biologische Reinigung: 2 Kiesbecken (Basis mit Geotextilien abgedichtet) mit zwischen geschaltetem Schwallbeschickungsschacht

Das gereinigte Sickerwasser wird in den Inn abgeleitet.

Zusammenfassende Beurteilung

Die Wirkung der getroffenen Maßnahmen kann wie folgt zusammengefasst werden:

  • Durch die Oberflächenabdeckung wurde die Sickerwasserbildung minimiert.
  • Durch die Ableitung unbelasteter Wässer und die Erfassung und Reinigung belasteter Wässer wurden geordnete wasserwirtschaftliche Verhältnisse hergestellt.
  • Durch den Stützdamm wurde für die Altablagerung die Standsicherheit dauerhaft hergestellt.

Da auch langfristig keine signifikanten Massenbewegungen bzw. kein Abrutschen des Deponiekörpers mehr möglich ist, ist die Altablagerung „Deponie Kleinsöll-Unterholzen“ als gesichert zu bewerten.

Datum der Texterstellung:    August 2007