Altlast ST25: Putzerei Plachy

Im Zeitraum von 1946 bis 1973 wurden am Altstandort eine chemische Reinigung und eine Färberei betrieben. Durch die Verwendung von Tetrachlorethen als Reinigungsmittel kam es vermutlich zu einer massiven Verunreinigung des wasserungesättigten Untergrundes und einem Schadstoffeintrag ins Grundwasser. Das Grundwasser im Abstrom der „Putzerei Plachy“ ist massiv durch Tetrachlorethen verunreinigt.

Die Tetrachlorethenfrachten im Abstrom des Altstandortes sind als groß zu bewerten. Es ist auch weiterhin mit einem Schadstoffeintrag ins Grundwasser zu rechnen. Der Altstandort „Putzerei Plachy“ stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar. Es wird eine Einstufung in die Prioritätenklasse 2 vorgeschlagen.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Graz (Stadt),
Graz,
Geidorf,
2453, 2456
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: chemische Reinigung
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 750 m²
Volumen Altlast (m³): 3.500 m³
Schadstoff(e) Organische Lösungsmittel (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 15.04.2011
Datum der Prioritätenfestlegung: 01.08.2014
Priorität: 2
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Räumung,
Pneumatische Maßnahmen,
Chemische Dekontamination,
Hydraulische Maßnahmen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.08.2014

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Betriebliche Anlagen und Tätigkeiten

Der Altstandort befindet sich im Zentrum von Graz, direkt an der Glacisstraße Ecke Rittergasse, unmittelbar östlich des Stadtparks.

Der Altstandort „Putzerei Plachy“ wurde im Zeitraum von 1946 bis 1973 als Färberei, Benzinwäscherei und chemische Reinigung genutzt.

Im zentralen Teil des Altstandortes befand sich eine Färberei, die ab 1946 bis mindestens 1965 in Betrieb war. Ab 1946 war auch eine dampfbetriebene Benzinwaschmaschine in Betrieb, die sich im östlichen Teil des Altstandortes befand. Im Nebenraum der Benzinreinigung wurde das Benzin in einem Benzindestillator zurückgewonnen. 1958 erfolgte die Umstellung der Putzerei von Benzinbetrieb auf den Betrieb mit Tetrachlorethen. Es gab 2 Reinigungsanlagen, die sich ebenfalls im östlichen Teil des Altstandortes befanden. Weiters wurde in diesem Bereich des Altstandortes eine Anlage zur Per-Destillation betrieben.

Im Jahr 1965 wurde die Putzerei durch eine Münzwäscherei und eine Münzputzerei erweitert, die sich im westlichen Teil des Altstandortes befand. Das Tetrachlorethen wurde im Keller gelagert bzw. destilliert. Es gibt keine Hinweise bezüglich der Menge des eingesetzten Reinigungsmittels. Die chemische Reinigung war bis 1973 in Betrieb.

Im Jahr 1959 wurde die Errichtung einer Ölfeuerungsanlage bewilligt. Der Heizöltank mit 30.000 l Inhalt befindet sich in einer betonierten Grube mit Zugang über den Hof.

Im Bereich des Altstandortes befanden sich auch Kanäle und Schächte. Über das Kanalsystem wurden die Abwässer aus dem Bereich der chemischen Reinigungsanlagen und der Färberei abgeleitet.  

Im Jahr 1984 wurden im Bereich des Altstandortes Verunreinigungen der wasserungesättigten Bodenzone und des Grundwassers durch Tetrachlorethen festgestellt. Im März 1984 wurden im Hausbrunnen der ehemaligen Putzerei (Br. Pool) 21.000 µg/l Tetrachlorethen gemessen.

Untergrundverhältnisse

Der Altstandort liegt im Bereich der Würmterrasse der Mur auf etwa 365 m ü.A. Im Zuge der Errichtung von Grundwassermessstellen wurden im Untergrund etwa 3 m mächtige Anschüttungen in Form von Aushubmaterial und Ziegelresten angetroffen. Darunter folgen bis zu einer Tiefe von etwa 5 m Feinsande, Schluffe und lokal Kiese bzw. Steine. Diese werden von sandigen und schluffigen Kiesen unterlagert, die den Grundwasserleiter darstellen und bis zu einer Tiefe von ca. 7 m angetroffen wurden. Darunter folgen feinsandige Schluffe mit Kiesen, die kein Grundwasser führen und bis zur maximalen Bohrtiefe von 16 m angetroffen wurden.

Der Grundwasserspiegel liegt im Bereich des Altstandortes auf durchschnittlich 359 m ü.A. Der Flurabstand beträgt im Mittel 6 m. Die Grundwasserströmung ist großräumig nach Südwesten gerichtet. Im Bereich des Altstandortes schwankt die Grundwasserströmung zwischen Süden und Westen. Die Mächtigkeit des Grundwassers beträgt etwa 1 m. Das Grundwasserspiegelgefälle kann mit 0,6 % bis 1 % abgeschätzt werden. An den neu errichteten Grundwassermessstellen KB 1 und KB 2 konnten keine Pumpversuche zur Ermittlung des Durchlässigkeitsbeiwertes durchgeführt werden, da die Grundwassermessstellen zu wenig Wasser führten. Auch im Zuge der Grundwasserbeweissicherung konnten aufgrund des geringen Wasserdargebotes teilweise nur Schöpfproben entnommen werden. Entsprechend der Ansprache der angetroffenen Sedimente kann die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters mit 5*10-4 m/s abgeschätzt werden. Der spezifische Grundwasserdurchfluss (Abstrombreite = 1 m) beträgt ca. 0,005 l/s (ca. 0,5 m³/d) und ist als sehr gering zu bewerten. Entsprechend der gesamten Breite des Grundwasserstromes im Bereich des Altstandortes von etwa 50 m ergibt sich ein Grundwasserdurchfluss von ca. 0,25 l/s (ca. 20 m³/d).

Schutzgüter und Nutzungen

Die Betriebsräume der ehemaligen Putzerei werden derzeit als Verkaufs- und Lagerräume eines Buchantiquariats bzw. als Wohnräume genutzt. Unmittelbar südlich und westlich befinden sich die Rittergasse bzw. die Glacisstraße. Nördlich und östlich befinden sich Wohnhäuser. Westlich an die Glacisstraße angrenzend liegt der Grazer Stadtpark.

Es wurden im Grundwasserabstrom bis zu einer Entfernung von 2 km Grundwassernutzungen erhoben. Die erhobenen Brunnen sind Nutzwasserbrunnen vorwiegend zum Betreiben von Kühl- bzw. Klimaanlagen.

Der Altstandort „Putzerei Plachy“ liegt im nordöstlichen Teil des Grundwasserkörpers „Grazer Feld“. Der Grundwasserkörper „Grazer Feld“ umfasst eine Fläche von 166 km². Ausgehend von der Talenge des Murtales im Norden weitet sich der Talboden bis auf 9 km Breite zum Grazer Feld. Die Längserstreckung liegt bei etwa 27 km.

 

UNTERSUCHUNGEN

Im Zeitraum vom Sommer 1984 bis November 1999 wurden folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Bodenluftuntersuchungen an 2 Messpunkten im Bereich des Altstandortes und an 14 weiteren Stellen im weiteren Umfeld des Altstandortes
  • Untersuchung von Grundwasserproben aus den Grundwassermesstellen bzw. Brunnen Br. Pool (ID 6) und ID 36 im Zeitraum von 1984 bis 1999
  • Pumpversuch in der in der Rittergasse südöstlich des Altstandortes situierten Grundwassermessstelle (ID 36) im Jänner 1985

Im Bereich des Altstandortes wurden im Zeitraum von März 2001 bis Jänner 2009 folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • orientierende Bodenluftuntersuchungen an 15 Messpunkten
  • Errichtung von 4 stationären Bodenluftmessstellen sowie Untersuchung von Bodenluftproben
  • Bodenluftabsaugversuche an den vier stationären Bodenluftmessstellen an 2 Terminen
  • Errichtung von 2 Grundwassermessstellen sowie Untersuchung von Grundwasserproben aus den neu errichteten Grundwassermessstellen, aus bestehenden Grundwassermessstellen bzw. Brunnen und aus den stationären Bodenluftmessstellen an 4 Terminen
  • Pumpversuch in der in der Rittergasse südöstlich des Altstandortes situierten Grundwassermessstelle ID 36 an einem Termin

Im Bereich des Altstandortes wurden im Juni 2013 folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Orientierende Bodenluftuntersuchungen an 5 Messpunkten
  • Entnahme und Untersuchung von Grundwasserproben aus Grundwassermessstellen, Brunnen und stationären Bodenluftmessstellen an 1 Termin

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Am Altstandort „Putzerei Plachy“ wurde im Zeitraum von 1946 bis 1973 eine Putzerei und Färberei betrieben. Als Reinigungsmittel wurde Tetrachlorethen eingesetzt.

Bei den orientierenden Bodenluftuntersuchungen in 2 m und 5 m Tiefe zeigte sich, dass der ungesättigte Untergrund vor allem in 5 m Tiefe stark durch Tetrachlorethen belastet ist. Die stärksten Belastungen wurden im Bereich der ehemaligen Reinigungsanlagen im östlichen sowie im zentralen Teil des Altstandortes festgestellt. An einer Stelle rund 18 m nördlich der ehemaligen Reinigungsanlagen wurden ebenfalls erhöhte Tetrachlorethenkonzentrationen im Untergrund gemessen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es ausgehend von den massiven Verunreinigungen im Bereich der ehemaligen Reinigungsanlagen zu einer Ausbreitung der Schadstoffe in Richtung Norden gekommen ist. Weiters ergeben sich Hinweise, dass eine Ausbreitung der Schadstoffe über die Kanalisation in den nordöstlichen Teil des Altstandortes erfolgt ist. Insgesamt zeigen die Bodenluftuntersuchungen, dass im Bereich des Altstandortes auf einer Fläche von etwa 500 m² der ungesättigte Untergrund stark mit Tetrachlorethen verunreinigt ist.   

Die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen ergeben, dass es zu einem Eintrag von leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen aus dem wasserungesättigten Untergrund in das Grundwasser gekommen ist. Bereits in den 80-iger Jahren wurden im Abstrom des östlichen Teiles des Altstandortes stark erhöhte Tetrachlorethenkonzentrationen im Grundwasser gemessen. Auch in einem Brunnen nordwestlich des Altstandortes war eine deutliche Belastung durch Tetrachlorethen festzustellen. Im gesamten Abstrom des Altstandortes sind massive Tetrachlorethenverunreinigungen vorhanden, wobei das Grundwasser im Abstrom der ehemaligen Reinigungsmaschinen im östlichen Teil des Altstandortes am stärksten belastet ist.

Durch den Betrieb der Reinigungsanlagen hat ein Eintrag von leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen bzw. Tetrachlorethen in den Untergrund bzw. in das Grundwasser stattgefunden. Es ist davon auszugehen, dass es auch aktuell noch immer zu einem massiven Eintrag von Tetrachlorethen ins Grundwasser kommt.

In Zusammenhang mit dem geringen Grundwassergefälle und der relativ geringen Durchlässigkeit des Grundwasserkörpers ist der Grundwasserdurchfluss im Bereich des Altstandortes sehr gering. Aufgrund der sehr hohen Tetrachlorethenkonzentrationen im Grundwasser ergibt sich trotz des sehr geringen Grundwasserdurchflusses eine große Tetrachlorethenfracht im Grundwasserabstrom (durchschnittlich 70 g/d).  

Zusammenfassend zeigen die Untersuchungsergebnisse, dass im Bereich des Altstandortes eine starke Verunreinigung des wasserungesättigten Untergrundes durch Tetrachlorethen vorhanden ist, die eine deutliche Beeinträchtigung des Grundwassers verursacht. Es ist auch weiterhin mit einem erheblichen Schadstoffeintrag in das Grundwasser zu rechnen. Der Altstandort „Putzerei Plachy“ stellt daher eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

 

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden.

Schadstoffpotenzial: hoch

Am Altstandort „Putzerei Plachy“ ist der Untergrund mit chlorierten Kohlenwasserstoffen verunreinigt. Die Fläche des stark verunreinigten Untergrundbereiches ist ca. 500 m² groß. Der maßgebliche Schadstoff ist Tetrachlorethen, der aufgrund seiner stofflichen Eigenschaften ein sehr hohes Gefährdungspotenzial aufweist. Der verunreinigte Untergrundbereich ist vergleichsweise klein. Das Schadstoffpotenzial ist insgesamt als hoch zu bewerten.

Schadstoffausbreitung: ausgedehnt

Im unmittelbaren Grundwasserabstrom ist das Grundwasser massiv mit Tetrachlorethen belastet. Es ist anzunehmen, dass die Schadstofffahne mehr als 100 m lang ist. Die Tetrachlorethenfracht im Grundwasser ist als groß zu bewerten. Es ist auch weiterhin mit einem Schadstoffeintrag ins Grundwasser zu rechnen. Die Schadstoffausbreitung ist insgesamt als ausgedehnt zu bewerten.

Schutzgut: nutzbar

Der Altstandort liegt im Bereich eines gering ergiebigen Grundwasserkörpers. Das Grundwasser wird im weiteren Abstrom durch Nutzwasserbrunnen genutzt. Der Altstandort liegt im Stadtgebiet von Graz und die Trinkwasserversorgung erfolgt über öffentliche Trinkwasserversorgungsanlagen. Aufgrund des geringen Wasserdargebotes ist auch zukünftig mit keiner hochwertigen Grundwassernutzung zu rechnen.

Prioritätenklasse – Vorschlag: 2

Entsprechend der Bewertung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der Gefährdungsabschätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien schlägt das Umweltbundesamt die Einstufung des Altstandortes „Putzerei Plachy“ in die Prioritätenklasse 2 vor.

 

Datum der Texterstellung: Oktober 2013