Altlast ST20: Gaswerk Rudersdorf

In Graz-Puntigam wurde etwa von 1945 bis 1978 ein Gaswerk zur Erzeugung von Stadtgas betrieben. Das Gelände des "Gaswerk Rudersdorf" wird im Norden von der Auer-Welsbachgasse und im Süden vom Gasometerweg begrenzt. Etwa 30 m östlich fließt die Mur. Das Gaswerkareal umfaßt eine Fläche von rund 15.000 m².

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Graz (Stadt),
Graz,
Rudersdorf,
428/13, 573, .347/4, .350
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Gaswerk
Fläche Altlast (m²): 38.000 m²
Schadstoff(e) Teeröl
Datum Eintrag Altlastenatlas: 11.03.1999
Datum der Prioritätenfestlegung: 09.06.1999
Priorität: 3
Status Maßnahme: in Planung
Art der Maßnahme: Dekontamination
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 09.07.1999

BESCHREIBUNG DER ALTLAST

Im Zeitraum von 1945 bis 1968 wurde im "Gaswerk Rudersdorf" aus Stein- und Braunkohle Stadtgas erzeugt. In untenstehender Abbildung ist die Lage der Betriebsanlagen generalisiert dargestellt. Als Nebenprodukte fallen bei der Stadtgaserzeugung Koks, Teer und Gasreinigermasse an. Angaben über Produktionsdaten und die Mengen der eingesetzten Rohstoffe liegen für das Jahr 1966 vor. Die Mengen an angefallenem Teer und Gasreinigermassen sind nicht bekannt.

Übersicht über Produktionsdaten und Stoffmengen für das Jahr 1966

erzeugte Menge an Stadtgas: 20.609.612 m³

Nebenprodukte: 27.000 t Koks

eingesetzte Rohstoffe:

Steinkohle Braunkohle Heizöl schwer Erbskoks Flüssiggas
40.000 t 8.800 t 1.100 t 1.200 t 260 t

Mit der Inbetriebnahme der Flüssiggasanlage im Jahr 1968 wurde ein Großteil der Gasproduktionsanlagen entfernt. 1975 wurde der Einsatz von Flüssiggas aufgrund der Errichtung einer Erdgasübergabestation stark reduziert. Im Zeitraum von 1961 bis 1975 wurden durchschnittlich pro Jahr etwa 22 Mio. m³ Stadtgas erzeugt. Die Stillegung des Gaswerkes Rudersdorf erfolgte im Herbst 1978. Anschließend wurde mit der Demontage der Anlagenteile begonnen, die im Jahr 1984 abgeschlossen war.

In den 50er und 60er Jahren wurden auf dem Betriebsgelände des "Gaswerkes Rudersdorf" immer wieder kontaminierte Bereiche im Untergrund, sowie erhöhte Gehalte an gaswerkspezifischen Schadstoffen im Grundwasserabstrom festgestellt. Die Ursache für diese Verunreinigungen waren zum Teil Betriebsunfälle, sowie Leckagen bei der Teersammelgrube oder undichte, unterirdische Leitungen. Nach der Feststellung von Kontaminationen wurden jeweils Maßnahmen zur Beseitigung der Verunreinigungen ergriffen. Auch im Zuge der Demontagearbeiten im Jahr 1969 wurde das Grundwasser verunreinigt, woraufhin Sanierungsmaßnahmen eingeleitet wurden.

Der Altstandort "Gaswerk Rudersdorf" liegt am ebenen Talboden im Aubereich der Mur. Die Geländeoberfläche befindet sich etwa 337 m ü.A. Unter den bis zu 2,5 m mächtigen anthropogenen Anschüttungen, die vorwiegend im südlichen und westlichen Bereich des Altstandortes sowie teilweise im Norden festgestellt wurden, folgen Kiese. In diese Sedimente sind unterschiedliche Gehalte an Steine und Sande eingeschaltet. Etwa 22 m unter Gelände treten Schluffe und Tone auf.

Der Grundwasserspiegel befindet sich etwa 5,5 bis 7 m unter Gelände. Die Grundwasserströmung ist im Bereich des Altstandortes nach Ostsüdosten bis Südsüdosten gerichtet. Die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters kann mit 3* 10-3 m/s angegeben werden. Die Grundwassermächtigkeit beträgt im Bereich des Altstandortes durchschnittlich 16 m.

Der Altstandort wird heute großteils als Lagerplatz genutzt (Holzmasten, Leitungsrohre, Betonteile). Die am Altstandort bestehenden Gebäude dienen als Lagerhallen und Werkstätten. Südlich des Altstandortes befinden sich Einfamilienhäuser. Die Flächen nördlich, östlich und westlich des Altstandortes werden gewerblich genutzt. Das "Gaswerk Rudersdorf" liegt im engeren Schongebiet des Wasserwerkes Feldkirchen. Die Brunnen des Wasserwerkes liegen ca. 1.800 m südöstlich des Altstandortes und werden für die Trinkwasserversorgung von Graz sowie die südlichen Umlandgemeinden genutzt.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Das "Gaswerk Rudersdorf" umfaßt eine Fläche von rund 15.000 m² und liegt in Graz- Puntigam. Im Zeitraum von 1945 bis 1968 wurde aus Kohle Stadtgas erzeugt. Bei der Stadtgaserzeugung fielen als Nebenprodukte vor allem Teer, Gasreinigermasse und Amoniakwasser als Nebenprodukte an. Typische Schadstoffe dieser Nebenprodukte sind polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Phenole, aromatische Kohlenwasserstoffe (BTX) für Gaswerksteer sowie Cyanide, Schwefel und Sulfide für die Gasreinigermasse.

Zur Ermittlung kontaminierter Bereiche wurden am Standort des ehemaligen "Gaswerk Rudersdorf" insgesamt 26 Rammkernsondierungen und 13 Kernbohrungen durchgeführt. Im südlichen, westlichen und nördlichen Bereich wurden anthropogene Anschüttungen bis zu einer maximalen Tiefe von 2,5 m unter Gelände angetroffen.

Die Bestimmung der Schadstoffgehalte an 14 Bodenproben und 26 Proben aus den anthropogenen Anschüttungen zeigte, daß es sich hauptsächlich um Belastungen durch teerige Substanzen handelt. An 8 Proben wurden erhöhte Gehalte für den Parameter polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (max. 2.500 mg/kg TM) festgestellt, die über dem Maßnahmenschwellenwert gemäß ÖNORM S 2088-1 von 100 mg/kg TM liegen. Die Proben mit den erhöhten Schadstoffgehalten wurden aus den angeschütteten Materialien und aus dem darunter liegenden natürlichen Untergrund im Bereich zwischen Bunkerturm, Kessel- und Generatorhaus, Teer- und Amoniakgruben und Lagerplatz entnommen. Im Bereich des Reinigergebäudes konnte an einer Probe ein erhöhter Cyanidgehalt mit 55 mg/kg TM festgestellt werden. Der Prüfwert nach ÖNORM S 2088-1 von 25 mg/kg TM wird überschritten. Zusätzlich ergaben sich auch Hinweise auf Belastungen bei den Parametern Summe der Kohlenwasserstoffe, Phenolindex sowie Blei. Die Untersuchung der Eluate der Proben bestätigen, daß besonders für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Summe der Kohlenwasserstoffe, Phenolindex und auch Sulfat erhöhte wasserlösliche Gehalte gegeben sind.

Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen, daß sowohl die angeschütteten Materialien als auch der natürliche Untergrund zum Teil deutlich durch gaswerkspezifische Schadstoffe belastet sind. Die Analysenergebnisse der Bestimmung von Gesamtgehalten zeigen auch, daß die Kontaminationen im Bereich des Altstandortes durchschnittlich bis in eine Tiefe von 2 m unter Gelände auftreten. Als Hauptkontaminationsbereich kann anhand der Untersuchungsergebnisse der Bereich zwischen Koksaufbereitung, Kessel- und Generatorhaus, Teer und Ammoniakgruben bis zum Reinigergebäude angegeben werden.

Die Auswertung der Ergebnisse der Grundwasserbeweissicherung nach ÖNORM S 2088-1 zeigt keinen signifikanten Unterschied zwischen Grundwasseranstrom und Grundwasserabstrom. Beim Vergleich der Meßwerte der Grundwasserproben mit den Orientierungswerten gemäß ÖNORM S 2088-1 kann festgestellt werden, daß am ersten Probenahmetermin der Meßwert von 0,07 mg/l für den Parameter Summe der Kohlenwasserstoffe in der Anstromsonde (P1) über dem Prüfwert von 0,06 mg/l liegt. Am zweiten Probenahmetermin wurde in der Anstromsonde (P1) ein erhöhter Wert für den Parameter PAK mit 0,17 µg/l gemessen. Da diese erhöhten Werte bei den nachfolgenden Untersuchungen nicht bestätigt werden konnten, sind diese Ergebnisse als Einzelergebnisse zu werten. Im Abstrom des Altstandortes waren die Meßwerte aller analysierten Parameter unauffällig. Die Meßwerte der gaswerkspezifischen Parameter lagen unterhalb der Nachweisgrenze bzw. im Bereich der Nachweisgrenze. Somit ergeben sich keine Hinweise auf eine Veränderung der Beschaffenheit des Grundwassers durch das ehemalige "Gaswerk Rudersdorf".

Da der Standort des Gaswerkes innerhalb des Schongebietes des Wasserwerkes Feldkirchen liegt, wurden bereits während des Betriebes bei Schadensfällen weitgehende Sanierungsmaßnahmen getroffen. Auf Grund der Untersuchungen im Zeitraum 1997-98 ergibt sich zusammenfassend, daß neben punktuellen, kleinflächigen Belastungen des Untergrundes, die im gesamten Bereich des ehemaligen Gaswerkes auftreten können, nur mehr im südwestlichen Bereich, nahe zu den ehemaligen Teergruben, eine Kontamination des Untergrundes durch PAK bzw. Teersubstanzen gegeben ist. Diese Belastungen sind auf eine Fläche von rund 1.500 m² beschränkt. Auf Grund der relativ geringen Wasserlöslichkeit der relevanten Schadstoffe (PAK) ist es unwahrscheinlich, daß es zu einer weiterreichenden Verunreinigung des Grundwassers kommen kann. Im Grundwasserabstrom des Altstandortes konnte aktuell auch keine Beeinflussung der Grundwasserqualität beobachtet werden. Die festgestellten Kontaminationen des Untergrundes stellen jedoch ein Gefahrenpotential für das Grundwasser im weiteren Einzugsbereich des Wasserwerkes Feldkirchen dar.

 

Texterstellung:    Februar 1999