Gesicherte Altlast N41: Deponie MA 48 - Zwölfaxing

Bei der Altablagerung handelt es sich um eine wiederverfüllte Kiesabbaugrube, in die von 1977 bis 1980 auf einer Fläche von ca. 55.000 m² Aushubmaterial, Bauschutt, Hausmüll und hausmüllähnliche sowie gewerbliche Abfälle abgelagert wurde. Das Volumen der abgelagerten Abfälle kann mit rund 300.000 m³ abgeschätzt werden.

Von März 2014 bis Februar 2015 wurde im Bereich der Altlast eine Gasmigrationssperre errichtet, die eine unterirdische Ausbreitung von Deponiegas in ein naheliegendes Wohngebiet verhindern soll. Darüber hinaus wurde ein aktives Entgasungssystem installiert und die Deponie mit einer Oberflächenabdichtung versehen. Auf Basis von Kontrolluntersuchungen ist festzustellen, dass durch die Sicherungsmaßnahmen die Ausbreitung von Deponiegas in Richtung des Wohngebiets sowie das unkontrollierte Entweichen von Deponiegas aus dem Deponiekörper weitgehend unterbunden wird.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Bruck an der Leitha,
Zwölfaxing,
Zwölfaxing,
641/1, 641/2, 642/1, 642/2, 642/3, 645/1, 645/2, 645/3, 645/4, 645/5, 646/1, 646/2, 646/3, 646/4, 646/6, 646/7, 646/8, 646/9, 646/11
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Kommunale Deponie
Art der Ablagerungen: Hausmüll
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 54.000 m²
Volumen Altlast (m³): 250.000 m³
Schadstoff(e) Deponiegas (Kohlendioxid, Methan)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 30.08.2000
Datum der Prioritätenfestlegung: 01.06.2005
Priorität: 2
Datum Ausweisung gesichert: 15.07.2020
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Deponiegasmaßnahmen,
Abdeckungen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.06.2005

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Beschreibung der Altablagerung

Die Altablagerung „Deponie MA 48 – Zwölfaxing“ befindet sich im nördlichen Bereich der Gemeinde Zwölfaxing unmittelbar östlich an das Siedlungsgebiet anschließend.

Bei der Altablagerung handelt es sich um eine wiederverfüllte Kiesabbaugrube. Im Zeitraum von 1977 bis 1980 wurden auf einer Fläche von ca. 55.000 m² Aushubmaterial, Bauschutt, Hausmüll und hausmüllähnliche sowie gewerbliche Abfälle abgelagert. Die Altablagerung ist Teil eines größeren Ablagerungsbereiches, der sich nach Westen (Bauschuttablagerung) sowie Süden und Osten (Altlast N 65 „Deponie OMV – Zwölfaxing“) fortsetzt.

Die Mächtigkeit der Ablagerungen beträgt durchschnittlich 6 m bis 7 m. Das Volumen der abgelagerten Abfälle kann mit rund 300.000 m³ abgeschätzt werden. Im Bereich der Altablagerung existiert ein Sickerwassersammelsystem, über dessen technische Ausführung und Funktionsfähigkeit keine Informationen vorliegen. Es ist anzunehmen, dass das Sickerwasser nicht oder nicht ausreichend erfasst wird.

Untergrundverhältnisse

Die Altablagerung befindet sich ca. 500 m östlich der Schwechat im Schwechattal, das im Bereich der Altablagerung einen bis zu 60 m mächtigen, gut wasserdurchlässigen Untergrund aus Schottern und Sanden aufweist, der in mehreren Tiefen durch gering durchlässige Schichten unterbrochen sein kann. Eine großräumige, gering durchlässige Schicht wurde bisher nicht festgestellt und ist erst in Tiefen ab 60 m anzunehmen.

Die Geländeoberfläche liegt im Bereich der Altablagerung auf etwa 169 m ü. A. bis 171 m ü. A. Der Untergrund wird aus etwa 6 m bis 10 m mächtigen sandigen Kiesen aufgebaut, die von 3 m bis 5 m mächtigen Schluff- bzw. Tonlagen sowie bereichsweise Konglomeratlagen oder Sanden unterlagert werden. Darunter folgen wieder bis zu einer Tiefe von etwa 20 m bis 25 m sandige Kiese, die als Grundwasserleiter fungieren. Die sandigen Kiese werden von Sanden unterschiedlicher Korngröße unterlagert. Stellenweise können in diese Sandlagen sandige Kiese und Schluffe eingeschaltet sein. Generell nimmt der Grobkornanteil mit zunehmender Tiefe ab.

Die Grundwasserströmung ist im Bereich der Altablagerung nach Nordosten bis Osten gerichtet. Der Grundwasserspiegel liegt in einer Tiefe von ca. 10 m auf etwa 159 m ü. A. Während der Untersuchungen wurden Grundwasserspiegelschwankungen von maximal etwa 1 m festgestellt. Es ist davon auszugehen, dass auch bei hohen Grundwasserständen die Deponiesohle über dem Grundwasserspiegel liegt. Die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters kann mit 10-2 m/s bis 10‑4 m/s abgeschätzt werden. Das Grundwasserspiegelgefälle beträgt zwischen 0,002 und 0,004. Ausgehend von einer Breite der Altablagerung quer zur Grundwasserströmungsrichtung von 380 m ergibt sich für die obersten 5 m des Grundwasserkörpers ein Durchfluss von ca. 2.500 m³/d. Die durchschnittliche tägliche Sickerwassermenge kann mit ca. 20 m³ abgeschätzt werden.

Schutzgüter und Nutzungen

 

Die Oberfläche der Altablagerung wurde im Zuge der Sicherungsmaßnahmen rekultiviert und wird derzeit nicht anderweitig genutzt.

Die Altablagerung grenzt nach Westen zum Siedlungsgebiet hin unmittelbar an einen Ablagerungsbereich an, der vor allem Bauschutt und Aushubmaterial beinhaltet.

Im Süden und Osten schließt unmittelbar die Altlast N 65 „Deponie OMV – Zwölfaxing“ an, bei der es sich um eine Altablagerung mit rund 170.000 m³ Abfällen handelt; davon rund 80.000 m³ Raffinationsabfälle, wie Säureharze, Säureteer und mineralölhaltige Abfälle mit hohen Gehalten an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und Mineralölkohlenwasserstoffen.

Der Bereich nördlich der Altablagerung wird landwirtschaftlich genutzt. Das Siedlungsgebiet von Zwölfaxing beginnt ca. 50 m vom westlichen Rand der Altablagerung entfernt westlich der Feldstraße. Ein Einfamilienhaus befindet sich ca. 30 m nordwestlich der Altablagerung.

Etwa 250 m und 350 m westlich der Altablagerung fließen der Kalte Gang und der Mitterbach, etwa 500 m westlich der ehemaligen Deponie fließt die Schwechat. Die Altablagerung liegt im Bereich des wasserwirtschaftlich bedeutenden Grundwasservorkommens des Schwechattales. Im näheren Abstrom der Altablagerung existieren keine Trinkwasserbrunnen.

Rund 250 m anstromig der Altablagerung liegt die Altlast N 59 „Putzerei Alaska“, in deren Bereich eine Verunreinigung der ungesättigten und gesättigten Untergrundzone mit chlorierten Kohlenwasserstoffen vorliegt. Im Bereich dieser Altlast wurden in den letzten Jahren Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen umgesetzt. Unter anderem wurde ein Sperrbrunnen errichtet, um eine weitere Ausbreitung der Verunreinigung im Grundwasser zu verhindern.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Im Bereich der Altablagerung wurden von Ende der 1990er- bis Mitte der 2000er-Jahre zahlreiche Deponiegas-, Abfall-, Untergrund- und Grundwasseruntersuchungen durchgeführt.

Die Deponiegasuntersuchungen an temporären und stationären Deponiegasmessstellen zeigten, dass aufgrund des hohen Anteils mikrobiologisch abbaubarer Abfälle im gesamten Bereich der Altlast eine intensive Deponiegasproduktion stattfand. Es wurden Methankonzentrationen bis 60  Vol.-% und Kohlendioxidkonzentrationen bis 37 Vol.-% gemessen. Außerhalb der Altlast, im südlichen Teil der angrenzenden Bauschuttablagerung, v. a. im Bereich der südwestlichen Begrenzung der Altlast, lagen die Methan- und Kohlendioxidkonzentrationen zum Teil über 20 Vol.-%. Aufgrund der Ergebnisse der Deponiegasuntersuchungen war insgesamt anzunehmen, dass zumindest zeitweise eine Deponiegasmigration bis in bewohnte Bereiche stattfinden konnte.

Das Grundwasser wies bereits im Anstrombereich der Altablagerung Vorbelastungen auf. Es wurden ein generell sehr niedriger Sauerstoffgehalt und erhöhte Konzentrationen bei Kalium, Sulfat, Nickel, Quecksilber und CKW festgestellt. Im Abstrom der Altablagerung konnte eine deutliche Veränderung der Beschaffenheit des Grundwassers gegenüber dem Anstrom festgestellt werden. Vor allem die Gesamtmineralisation war im Vergleich zum Anstrom deutlich erhöht (z. B. Leitfähigkeit, Chlorid). Aufgrund des grundsätzlich niedrigen Sauerstoffgehalts im Grundwasser war der reduzierende Einfluss der Sickerwässer auf das Grundwasser durch die bereichsweise vorhandene Nitrat- und Sulfatreduktion sowie die erhöhten Eisen- und Mangankonzentrationen erkennbar. Die Ammoniumkonzentrationen waren im unmittelbaren Abstrom zwar punktuell stark erhöht, insgesamt war die Schadstoffemission aus dem Ablagerungsbereich in das Grundwasser aber als gering zu bewerten. Es war auch in Zukunft mit keiner weitreichenden Ausbreitung von Schadstoffen im Grundwasser zu rechnen.

Zusammenfassend war festzustellen, dass im Bereich der Altablagerung eine intensive Deponiegasproduktion stattfand. Entsprechend der Zusammensetzung, dem großen Volumen und dem Alter der Ablagerungen war mit einer lang anhaltenden Deponiegasproduktion zu rechnen. Aufgrund der Nähe der Altablagerung zum Siedlungsgebiet von Zwölfaxing und der Möglichkeit, dass eine Ausbreitung von Deponiegas bis in bewohnte Bereiche stattfinden konnte, stellte die Altablagerung eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

 

SICHERUNGSMAßNAHMEN

Beschreibung der Maßnahmen

Von März 2014 bis Februar 2015 wurden im Bereich der Altlast folgende Sicherungsmaßnahmen umgesetzt:

  • Errichtung einer Gasmigrationssperre
  • Installierung eines Systems zur aktiven Entgasung

Beurteilung der Maßnahmen

Die durchgeführten Sicherungsmaßnahmen hatten primär zum Ziel, eine Ausbreitung von Deponiegas in Bereiche außerhalb der Altlast, vor allem in Richtung des Wohngebiets, dauerhaft zu unterbinden.

Die vorliegenden Kontrolluntersuchungen der Bodenluft außerhalb der errichteten Gasmigrationssperre belegen einen deutlichen Rückgang der Methankonzentrationen. Methan konnte außerhalb der Altlast nur mehr in wenigen Einzelfällen nachgewiesen werden (≤ 1 Vol.-%). Auch die Kohlendioxidkonzentrationen sind nunmehr deutlich geringer. Mit Ausnahme der Messstellen BOL1, BOL2 und BOL3 liegen sie deutlich unter 10 Vol.-%. An den genannten Messstellen sind aktuell großteils Kohlendioxidkonzentration über 10 Vol.-% festzustellen. Diese Messstellen liegen im südlichen Teil der angrenzenden Bauschuttablagerung, in deren Bereich schon in den Untersuchungen Ende der 1990er- bis Mitte der 2000er-Jahre erhöhte Deponiegaskonzentrationen von größer 20 Vol.-% nachgewiesen werden konnten (siehe 3). Anders als damals ist bei den aktuellen Untersuchungen Methan jedoch weitgehend abwesend und die Kohlendioxidkonzentrationen liegen nunmehr durchwegs unter 20 Vol.-%.

Vor allem das Fehlen von Methan kann als Hinweis auf die Wirksamkeit der Gasmigrationssperre gesehen werden. Es ist anzunehmen, dass die nach wie vor erhöhten Kohlendioxidkonzentrationen auf den mikrobiellen Abbau geringer Mengen organischer Abfälle in der hauptsächlich Aushub und Baurestmassen enthaltenden angrenzenden Ablagerung zurückzuführen sind.

Aufgrund der oberflächennahen Lage der Gasdrainagen kann davon ausgegangen werden, dass mit dem installierten Entgasungssystem der Deponiekörper nur teilweise erfasst wird. Die Methangehalte des abgesaugten Deponiegases sind daher – auch aufgrund der vergleichsweise hohen Absaugraten – zur Beurteilung der aktuellen Deponiegasbildung nur eingeschränkt geeignet. Aufgrund der hohen Methan- und Kohlendioxidkonzentrationen, die vor Umsetzung der Sicherungsmaßnahmen gemessen wurden, ist aber auch aktuell noch von einer hohen Deponiegasproduktion mit entsprechend hohen Methan- und Kohlendioxidkonzentrationen im Deponiekörper auszugehen.

Auf Basis der Ergebnisse der laufenden Grundwasseruntersuchungen ist die auf die Altlast zurückzuführende Grundwasserbelastung weiterhin als gering zu beurteilen. Ein erhöhter Schadstoffeintrag in das Grundwasser ist aufgrund der Emissionscharakteristik derartiger Ablagerungen auch zukünftig nicht zu erwarten.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass durch die Sicherungsmaßnahmen die Ausbreitung von Deponiegas in Richtung des Wohngebiets sowie das unkontrollierte Entweichen von Deponiegas aus dem Deponiekörper weitgehend unterbunden wird.

 

Datum der Texterstellung: Juni 2019