Gesicherte Altlast K12: Philips Haushaltgerätewerk*

Auf dem 37.500 m² großen Altstandort werden seit 1961 Elektro- bzw. Haushaltsgeräte hergestellt. Im Zuge der Produktion wurden von 1964 bis 1993 chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) – insbesondere Tetrachlorethen (PCE) – zur Metallentfettung eingesetzt. Weiters wurde in den ersten Betriebsjahren auch Trichlorethen (TCE) als Entfettungsmittel verwendet.

Ausgehend von den zwei Aufstellorten der Entfettungsanlagen wurde der Untergrund in einem Ausmaß von 5.500 m² und mehreren 10.000 m³ erheblich mit CKW kontaminiert. Von der südlichen Entfettungsanlage – situiert in der Produktionshalle – ausgehend wurde das Grundwasser stark mit PCE verunreinigt. Seit 1994 erfolgt am Altstandort eine Dekontamination der ungesättigten Bodenzone mit einer Bodenluftabsaugung, welche bereits weit fortgeschritten ist. Im Grundwasser sind jedoch noch erhöhte CKW-Konzentrationen feststellbar, die CKW-Fracht ist noch erheblich. Seit Ende 2006 wird die Ausbreitung von CKW im Grundwasser durch den Betrieb von mehreren Sperrbrunnen verhindert.

* Die Altlast K12 "Philips Haushaltsgerätewerk" wurde vorab als gesichert in das Altlastenverzeichnis aufgenommen. Eine rechtsverbindliche Ausweisung in der Altlastenatlasverordnung wird erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Klagenfurt (Stadt),
Klagenfurt am Wörthersee,
St. Ruprecht bei Klagenfurt,
941
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: sonstige Elektrotechnikindustrie
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 41.000 m²
Volumen Altlast (m³): 20.000 m³
Schadstoff(e) Organische Lösungsmittel (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 27.06.1994
Datum der Prioritätenfestlegung: 22.03.2002
Priorität: 2
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Pneumatische Maßnahmen,
Hydraulische Maßnahmen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.04.2002

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Betriebliche Anlagen und Tätigkeiten

Der Altstandort befindet sich im Süden von Klagenfurt in einem Industrie- und Gewerbegebiet. Bereits 1961 wurde die Carinthia Elektrotechnik gegründet, welche 1970 in Österreichische Philips-Industrie-Gesellschaft umbenannt wurde. Nach Errichtung eines Haushaltsgerätewerkes auf dem Altstandort wurde 1963 im zentralen Bereich des 37.500 m² großen Altstandortes mit der Produktion von Haushaltsgeräten (u.a. von elektrischen Rasierapparaten) begonnen. Die erste Betriebsanlagenerweiterung erfolgte 1969. Direkt nördlich der zentralen Produktionshalle wurde eine Galvanik (bzw. eine Brünieranlage) in einem separaten Gebäude errichtet. Erweiterungen bzw. die Errichtung von zwei weiteren großen Hallen nördlich der Galvanik als auch südlich der Produktionshalle erfolgten zwischen 1977 und 1995. Seitdem sind keine wesentlichen Zubauten mehr durchgeführt worden. Alle Gebäude befinden sich weiterhin am Altstandort.

Bereits 1964 befand sich in der Produktionshalle eine Entfettungsanlage zur Metallreinigung vom Typ "Fermeco-Tri". Diese wurde 1975 durch eine offene Entfettung vom Typ "Uddeholm" ersetzt. Situiert waren diese zwischen dem Shed2 und Shed3 im Nordteil der Produktionshalle.

Der Austrag der gereinigten Metallteile erfolgte über Förderbänder in den Shed3. Parallel wurde auch im Bereich der alten Galvanik 1968 begonnen mit PCE zu entfetten. Zuerst erfolgte die Entfettung in diesem Bereich ebenfalls offen, 1985 wurden dann eine geschlossene Entfettungsanlage vom Typ Pero/Heson betrieben. Vier Jahres später wurde diese geschlossene Anlage in die Produktionshalle umgestellt und damit die alte Entfettungsanlage in diesem Bereich ersetzt. Zugleich wurde die Entfettung im Bereich der Galvanik eingestellt. 1994 erfolgte eine letzte Umstellung der Entfettung am Altstandort auf eine wässrige Basis.

Als Entfettungsmittel wurden zuerst Trichlorethen (TCE) und Tetrachlorethen (PCE), ab 1975 primär nur noch PCE eingesetzt. Der jährliche PCE-Verbrauch der offenen Anlage lag in einer Größenordnung von 35 bis 40 t/a, der Verbrauch der geschlossenen Anlage war mit 4 t/a deutlich geringer. Im Südosteck der alten Galvanik war das Chemikalienlager situiert, in dem 1.000 l PCE und 200 bis 400 l TCE vorgehalten und manipuliert wurden. Im Nordosten des Altstandortes befand sich im Außengelände zudem ein Lager für gefährliche Abfälle (Fasslager). Im Südosten des Altstandortes sind ein Öl- und Benzinabscheider und Sickergruben mit Überlauf situiert.

Die Reinigung der Metallwaren erfolgte in Körben. Der Materialaustrag aus der Entfettungsanlage und der Weitertransport der Metallwaren bzw. Reinigungskörbe erfolgte automatisch über Förderbänder. Bis 1980 kam es dadurch regelmäßig nicht nur zu Tropfverlusten, sondern auch zu großräumigen Verschleppungen von Entfettungsmitteln in die anderen Hallenbereiche mit den Bändern.

Untergrundverhältnisse

Der Altstandort liegt auf einer Geländehöhe von rund 436 m über Adria und ist im östlichen Teil des Grundwasserkörpers "Klagenfurter Becken" situiert. Die Beckenfüllung wird im Bereich des Altstandortes aus alluvialen Sedimenten der Glan gebildet, die bis in eine Tiefe von 200 m reichen.

Im unmittelbaren Bereich des Altstandortes werden diese Sedimente zumindest bis zu einer Tiefe von 30 m unter GOK immer feinkörniger, wobei kleinräumig Unterschiede aufgrund des Sedimentationsmusters der Glan bestehen. Bis in eine Tiefe von 13 bis 20 m stehen am Altstandort sandige Kiese an, die in größerer Tiefe in Sande übergehen.

Der Grundwasserflurabstand im Bereich des Altstandortes ist 2 bis 4 m. Die oberflächennahen, grundwasserführenden Sedimente sind gut wasserdurchlässig, bei einem kf-Wert von rund 10‑3 m/s. Die Grundwasserströmung ist im Bereich des Altstandortes von West nach Ost gerichtet. Mit 2 bis 2,5 ‰ ist das Grundwassergefälle gering. Für den Grundwasserleiter kann die hydraulische Fracht mit ca. 4 m³/(d*m), für die gesamte Abstrombreite des Altstandortes mit insgesamt rund 1.000 m³/d abgeschätzt werden.

Schutzgüter und Nutzungen

Der Altstandort wird seit Errichtung des Haushaltsgerätewerkes gewerblich genutzt und ist vollständig versiegelt. Am Altstandort werden weiterhin Haushaltsgeräte produziert bzw. getestet.

Über das Werksgelände hinaus schließen sich in Richtung Norden, Westen und Osten diverse weitere Gewerbebetriebe, im Süden grenzt eine kleine Grünfläche an. Nordöstlich des Altstandortes – getrennt durch eine Straße – liegen Felder und Äcker vor. Rund 100 m westlich des Altstandortes befinden sich eine große ehemalige Wäscherei und eine Verzinkerei.

Rund 1,5 km südlich des Altstandorts liegt die Glanfurt. Rund 2,5 km südöstlich befindet sich ein Wasserschutzgebiet mit Tiefbrunnen einer öffentlichen Wasserversorgung. Im näheren Abstrom des Altstandortes (bis 1,5 km) sind keine Grundwasserentnahmen bekannt. Am Altstandort selbst existiert ein Nutzwasserbrunnen der Firma Philips, der zu Kühlwasserzwecken genutzt wird, sowie drei Sperrbrunnen der Sicherungsanlage. Im direkten Anstrom des Haushaltsgerätewerkes sind zumindest vier weitere Nutzwasserbrunnen bekannt. 

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Im Zuge der Produktion von Haushaltsgeräten wurden am Altstandort von 1964 bis 1993 chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) – Tetrachlorethen (PCE) und Trichlorethen (TCE) – zur Metallentfettung eingesetzt. Im Bereich der Entfettungsanlagen kam es durch den langjährigen Betrieb zum Eintrag von CKW in den Untergrund. Durch den Transport der entfetteten Metalle in Körben auf automatischen Förderbänder erfolgten zudem großräumige Verschleppungen aus dem Bereich der Entfettungsanlage in der Produktionshalle in die angrenzenden südlichen Hallenbereiche.

Bodenluftuntersuchungen 1993 und 1995 an 46 temporären Messstellen zeigten, dass im Bereich der Entfettungsanlagen in der Produktionshalle und im Bereich der ehemaligen Galvanik eine massive Verunreinigung der wasserungesättigten Bodenzone durch CKW vorhanden war. Die Verunreinigung des wasserungesättigten Untergrundes umfasste eine Gesamtfläche von insgesamt 5.500 m². Als CKW-Einzelsubstanzen wurden Tetrachlorethen und Trichlorethen bestätigt.

Während der Anstrom des Altstandortes unauffällig war, zeigten Grundwasseruntersuchungen ab 1993 sehr hohe Tetra- und Trichlorethen-Konzentration in den Grund­wassermessstellen des direkten Abstroms der Entfettung in der Produktionshalle (Pegel P0 und P2). Konzentrationen mit mehr als 1.000 µg/l CKW wurden in diesen Messstellen gemessen. In unterschiedlichen Tiefen genommene Grundwasserproben (aus KB2, KB3) zeigten, dass in den oberflächennahen Grundwasserbereichen deutlich höhere CKW-Konzentrationen feststellbar waren als in den tieferen Schichten.

Im Grundwasser hatte sich eine Schadstofffahne ausgebildet, die zeitweise unterschiedlich deutlich ausgeprägt war. In der Breite war die Fahne auf den Hauptkontaminationsbereich begrenzt, d.h. maximal 80 m breit. Die am Nord- und Südrand situierten Messstellen KB4 bzw. KB1 waren mit 2 bis 3 µg/l unauffällig. Aufgrund der geohydrologischen Situation war eine weiterreichende Schadstoffausbreitung mit dem Grundwasser möglich. Es war davon auszugehen, dass die Fahne zumindest mehrere hundert Meter lang war. Trinkwasserversorgungen waren nicht betroffen.

Insgesamt ließ sich die Fläche des mit CKW erheblich kontaminierten Bereiches auf 5.500 m² abschätzen. Das erheblich verunreinigte Untergrundvolumen war vermutlich mehrere 10.000 m³.

 

SANIERUNGS- UND SICHERUNGSMAßNAHMEN

Ab dem Jahr 1994 erfolgten folgende Sanierungs- bzw. Sicherungsmaßnahmen am Altstandort:

  • Herstellung und Absaugung von 19 Absaugpegeln im Hauptschadensbereich in den Hallen (Feb. 1994) und von 20 Pegeln im Außenbereich (Oktober 1995) inklusive Errichtung von insgesamt vier Bodenluftabsauganlagen mit einem gemeinsamen Aktivkohleabluftfilter.
  • Herstellung und Betrieb von 3 Sperrbrunnen als Grundwasserabstromsicherung sowie Herstellung, Betrieb und Erneuerung einer Wasseraufbereitungsanlage (2007 und 2013).
  • Herstellung von sieben Grundwasserkontrollmessstellen (P3/20, P5 - P7, KB1/20 – KB3/20 (Juni 2018, August 2020) und Ausbau von zwei MIP-Sondierungen zu 1" Pegeln (August 2020).

Um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu kontrollieren, werden Betriebsdaten der Anlagen aufgezeichnet. Weiters erfolgen Untersuchungen der abgesaugten Luft aus den Bodenluftpegeln und der Abluftreinigung sowie Grundwasseruntersuchungen an den Sperrbrunnen, in der Aufbereitungsanlage und in ausgewählten Grundwassermessstellen.

Beurteilung der Maßnahmen

Ziel der Maßnahmen ist es, die Verunreinigung der ungesättigten sowie der gesättigten Bodenzone so weit zu reduzieren, dass die Schadstofffahne im Grundwasser in ihrer Ausdehnung verringert und die Schadstofffracht dauerhaft minimiert wird.

Seit 1994 erfolgt eine Dekontamination der ungesättigten Bodenzone mittels Bodenluftabsaugung. Seit 2007 wird der Grundwasserabstrom der Altlast mittels drei Sperrbrunnen abgesichert.

Aus den Grundwasserschichtenplänen ist erkennbar, dass die hydraulischen Sicherungsmaßnahmen wirksam sind. Ein Abströmen relevanter Mengen von CKW bzw. insbesondere von Tetrachlorethen und Trichlorethen aus dem Bereich der Entfettung in der Produktionshalle wird verhindert.

Nach starken CKW-Konzentrationsrückgängen im Grundwasser in den ersten Betriebsjahren gehen die CKW im gefassten Wasser des im direkten Abstrom situierten Sperrbrunnes in den letzten Jahren nur noch sehr langsam zurück. Die CKW-Konzentrationen sind in diesem Brunnen weiterhin erhöht, während die anderen zwei Brunnen insgesamt unauffällig sind. Die Wirksamkeit der hydraulischen Sicherung zeigen auch die qualitativen Grundwasserkontrolluntersuchungen. Die abstromig situierten Grundwasserkontrollmessstellen zeigen einen anhaltenden Rückgang von CKW im Grundwasser. Die Konzentrationen im Grundwasserabstrom sind inzwischen gering. Über den Nachweis relevanter Mengen von cis-1,2-Dichlorethen sind Hinweise auf eine mikrobielle Dechlorierung gegeben. Das Abbauprodukt Vinylchlorid wird im Grundwasser nicht nachgewiesen.

Relevante CKW- bzw. PCE/TCE-Frachten strömen durch den Betrieb der Sperrbrunnen nicht mehr ab. Die aktuell gefassten Frachten des Brunnens B2 liegen bei rund 5 bis 10 g/d. Die über die zwei anderen Brunnen gefassten CKW-Mengen sind insgesamt gering.

Aus der Zusammenschau aller Bodenluftmessungen ist ableitbar und plausibel, dass nur noch aus der ungesättigten Zone im Aufstellbereich der Entfettung in der Produktionshalle relevante CKW-Mengen abgesaugt werden können. Dieses wird in den mehrtägigen Absaugversuchen 2017 bestätigt. In Summe ist abschätzbar, dass 2017 im direkten Aufstellbereich der Entfettung noch etwas mehr als 50 g/d CKW abgesaugt werden konnte. 2020 wurde die Absaugung vom Intervallbetrieb mit mehreren Absauganlagen auf den Dauerabsaugbetrieb mit ein bis zwei Anlagen umgestellt. Seitdem sind CKW in der Bodenluft nochmals zurückgegangen und lagen im 2. Halbjahr 2020 unter 1 mg/m³ je Pegel. Die abgesaugten CKW-Gesamtfracht betrug 2020 deutlich weniger als 50 g/d.

Die aktuellen Untersuchungen im Schadenszentrum mit MIP-Sondierungen zeigen, dass sowohl im Bereich der Galvanik als auch im Bereich der Entfettungsanlage in der Produktionshalle – über den dichter werdenden Schichten – in rund 13 m u. GOK – noch CKW im Untergrund vorliegen. Eine relevante Freisetzung von CKW ins Grundwasser aus diesem Tiefenbereich wurde bei den Untersuchungen nicht festgestellt. Aus den tiefengestaffelten Untersuchungen ist erkennbar, dass im Bereich der Entfettung in der Produktionshalle die Mobilisierung von CKW vor allem im Grundwasserschwankungsbereich erfolgt.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Verunreinigung mit leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen – insbesondere mit Tetrachlorethen – im Bereich der Altlast durch die Bodenluftabsaugung weitgehend reduziert wurde. Lokal liegen am Standort noch Restbelastungen vor, die auch noch zu einer Verunreinigung des Grundwassers führen. Der Austrag von Schadstoffen in den Abstrombereich des Altstandortes wird durch die hydraulischen Maßnahmen unterbunden. Über den zentralen Sperrbrunnen B2 wird noch eine erhebliche Menge an PCE gefasst. Bei Weiterbetrieb der Sicherungsanlage ist auch in Zukunft mit keiner Schadstoffausbreitung aus dem Bereich der Altlast in den Grundwasserabstrom zu rechnen.

 

Datum der Texterstellung: April 2021